Karin Baers ist ehrenamtlich bei der Ambulanten Hospizgruppe Niederrhein tätig. Foto: privat
18. Juli 2026 · Niederrhein

Einfach da sein, wenn es am wichtigsten ist

Karin Baers erzählt im Interview von ihrer Tätigkeit bei der Ambulanten Hospizgruppe Niederrhein

NIEDERRHEIN/KEVELAER. Die Ambulante Hospizgruppe Niederrhein, eine Regionalgruppe der IGSL- Hospiz, begleitet Menschen und ihre Angehörigen in einer besonderen Lebensphase. Ehrenamtliche schenken Zeit, Nähe und hören zu. Ab Samstag, 7. November, startet ein neuer Qualifizierungskurs für alle, die sich dieses besondere Ehrenamt vorstellen können. Im Interview verrät Karin Baers, eine Ehrenamtliche der Ambulanten Hospizgruppe Niederrhein, mehr über ihre Tätigkeit.

Frau Baers, Sie engagieren sich ehrenamtlich bei der Ambulanten Hospizgruppe Niederrhein. Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen?

Karin Baers: Ich habe mich schon länger mit den Themen Abschied, Sterben und Begleitung beschäftigt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich Menschen in dieser Lebensphase unterstützen möchte. Über einen Artikel in der Zeitung habe ich von der Hospizgruppe erfahren und mich nach einem Erstgespräch für den Kurs angemeldet. Das war eine intensive und bereichernde Zeit. Dabei spürte ich: Das ist genau das, was ich machen möchte, auch um mich persönlich weiterzuentwickeln.

Was genau machen Sie als ehrenamtliche Hospizbegleiterin?

Baers: Unsere wichtigste Aufgabe ist es, für Menschen da zu sein. Wir begleiten zu Hause, im Pflegeheim oder im Krankenhaus. Manchmal reden wir, manchmal höre ich einfach zu, lese etwas vor oder sitze still am Krankenbett. Auch Angehörige freuen sich oft über ein offenes Ohr.

Viele Menschen haben Berührungsängste mit dem Thema Sterben. Wie erleben Sie das?

Baers: Das ist menschlich. Aber ich erlebe immer wieder, dass diese Angst kleiner wird, wenn man sich darauf einlässt. In der Begleitung entstehen oft sehr ehrliche und wertvolle Begegnungen. Es geht darum, das Leben zu leben, auch auf dem Weg zum Sterben.

Wie werden Ehrenamtliche auf diese Aufgabe vorbereitet?

Baers: Bevor man aktiv wird, nimmt man an einem Qualifizierungskurs teil. Dort beschäftigen wir uns mit Themen wie Kommunikation, dem eigenen Umgang mit Sterben und Trauer, Selbstfürsorge und der Rolle als Begleiter. Niemand wird ins kalte Wasser geworfen – wir werden gut begleitet und können uns jederzeit austauschen. Auch nach der Vorbereitung haben wir die beiden Koordinatorinnen an unserer Seite, die mit uns im engen Austausch stehen.

Für wen eignet sich ein Ehrenamt im Hospizdienst?

Baers: Für Menschen, die offen, einfühlsam und zuverlässig sind und bereit, sich mit den Themen Leben, Abschied und Trauer auseinanderzusetzen. Medizinisches Vorwissen braucht man nicht, da man keine pflegerischen Tätigkeiten bei den zu Begleitenden erledigt – wichtig sind Zeit, Aufmerksamkeit und Mitgefühl sowie Authentizität. Und was mir sehr entgegen kam, ist die Tatsache, dass sich jeder Ehrenamtler zeitlich so einbringt, wie es passt. Da ich noch voll berufstätig bin, hatte ich zunächst Sorge, dass ich zu wenig Zeit für eine Begleitung haben würde. Diese Sorge war aber unbegründet, da auch die Anforderungen an die Begleitung individuell variieren.

Was gibt Ihnen dieses Ehrenamt persönlich?

Baers: Es gibt viele bewegende Momente und ich nehme aus jeder Begegnung etwas mit. Man lernt, wie wertvoll Zeit und Nähe sind und dass selbst kleine Gesten anderen Menschen unglaublich viel bedeuten können. Besonders berührend finde ich es, wenn ich die zwischenmenschliche Wärme bei einer Begleitung wahrnehmen darf und spüre, dass ich helfe, indem ich einfach da bin und auch ohne große Worte unterstützen kann. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell eine intensive Verbindung in der Begleitung zwischen eigentlich Fremden entsteht.

Ihre Hospizgruppe sucht aktuell neue Ehrenamtliche. Was ist genau geplant?

Baers: Ab dem 7. November startet wieder ein Qualifizierungskurs zur ehrenamtlichen Mitarbeit bei der Ambulanten Hospizgruppe Niederrhein. Vorab wird es am 30. September einen Infoabend geben, zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind.

Was würden Sie Menschen sagen, die überlegen mitzumachen, aber noch unsicher sind?

Baers: Wer sich unsicher ist, sollte einfach den ersten Schritt machen und Kontakt zu unseren Koordinatorinnen Mareike Ohse und Anita Marks aufnehmen. Vor Beginn des Seminars findet immer ein Einzelgespräch mit ihnen statt. Dabei lassen sich Fragen klären und Unsicherheiten aufheben. Es lohnt sich, denn man erlebt bei diesem Ehrenamt eine sehr besondere Form von menschlicher Wertschätzung und Begegnung mit Tiefgang.

Kontakt

Die Bürozeiten der Ambulanten Hospizgruppe Niederrhein in der Luxemburger Galerie, Neustraße 3-15, sind montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr. Erreichbar sind die Mitarbeiter unter Telefon 02832/9728134 oder 0170/3853451 sowie per Mail an kevelaer@igsl-hospiz.de. Weitere Informationen gibt es auch auf Instagram und bei Facebook.

Karin Baers ist ehrenamtlich bei der Ambulanten Hospizgruppe Niederrhein tätig. Foto: privat