"Klaus Stickelbroeck, ehemaliger Streifenpolizist in Düsseldorf, Porträtfoto von Hans-Jürgen Bauer"
28. Oktober 2026 · Rees

„Eine Ex-Freundin ist immer eine Art Endgegnerin“

Autor Klaus Stickelbroeck am 4. November zur Lesung in Rees und vorher im Interview

REES. Mehr als 30 Jahre fuhr Klaus Stickelbroeck Streife in der Düsseldorfer Altstadt. Jetzt schickt er in seinen Büchern den Privatdetektiv Hartmann durch Clubs, Fotostudios und die Kö: Am Mittwoch, 4. November, um 20 Uhr präsentiert der Autor seinen neuesten Krimi „Knipser“ in der Reeser Stadtbücherei. Im Interview gibt er Einblicke in Recherche, Figuren und sein „mörderisches Jubiläum“.

Herr Stickelbroeck, dank Ihnen hat Düsseldorfs schrägster Privatdetektiv Hartmann einen neuen Fall. Die Suche nach einem verschwundenen Fotomodell führt Hartmann in die Event-Szene durch ganz Düsseldorf. Auf welche waschechten und illustren Orte dürfen sich Fans freuen?

Klaus Stickelbroeck: Hartmann startet – auf gewohnt turbulente Art und Weise – in Renates Brötchenbude in seinen bereits zehnten Fall. Seinen Einbrecherkumpel Angie spannt er in einer Altstadtkneipe ein. Die Ermittlungen führen Hartmann in einen angesagten Düsseldorfer Club, in eine vernachlässigte Lagerhalle im Süden der Stadt, auf die Kö, in ein aufregendes Fotostudio mit aufregender Fotografin und in die glitzernde Welt eines smarten DJs. Und natürlich führt es ihn in die Box-Bude seines Fast-Kumpels Huren-Heinz.

Wie haben Sie für den Fall recherchiert? Hatten Sie zeitweise selbst als Fotomodell oder Fotograf gearbeitet

Stickelbroeck: Ich hatte das große Glück, auf einer Lesung eine Fotografin kennenzulernen, die mir mit ihren Kontakten super weitergeholfen hat. So war ich bei einem echten Fotoshooting dabei und konnte anschließend meine Fragen zur Technik und zur Ausstattung stellen. Das waren eine Menge. Ich gehöre ja eher zur Fraktion der „Knipser“. Das ließ sich alles prima ins Skript einarbeiten. Sehr viel echte Atmosphäre, die hoffentlich auch im Krimi so rüberkommt. Und, äh, überraschenderweise hat mich niemand gefragt, ob ich modeln möchte. Dabei bin ich bestimmt ein prima „Vorher“-Model.

Hartmanns aktuelle Freundin Alina ist alles andere als begeistert von seinem Auftrag. Eifersucht scheint ein großes Thema bei den beiden zu sein? Oder wie reagiert Alina auf Hartmanns Eintauchen in die Welt der Schönen und Angesagten?

Stickelbroeck: Der Auftrag an sich war für Alina kein Problem, im Gegenteil. Die hellblauhaarige Alina bringt sich selbst als Model ins Spiel, falls es zum in Rede stehenden Bildband „Erotic Blue“ einen Folgeband geben würde. Sie sieht allerdings den Umstand, dass Hartmanns Klientin ausgerechnet dessen Ex-Freundin Gina ist, die in einigen Vorgängerbänden eine Rolle spielt, mehr als kritisch. Eine Ex-Freundin ist ja immer eine Art Endgegnerin, behauptet zumindest Kumpel Angie. Alina und Gina begegnen sich dann auch tatsächlich mit der innigen Herzlichkeit zweier Süßwasserkrokodile. So als Außenstehender fand ich es sehr spannend, die beiden zu beobachten und war selbst richtig gespannt, wie sich das entwickelt.

Wie geht Hartmann bei seinen Recherchen vor? Auf wessen Hilfe aus seiner bekannten schillernden Crew kann er zählen?

Stickelbroeck: Auch in diesem Fall ist Hartmann wieder – vielleicht mehr denn je – auf die Hilfe seiner skurrilen Gang angewiesen. Angie, klar, aber auch Regenrinnen-Rita, die einzige Prostituierte Düsseldorfs über zwei Meter, behält für ihn den Überblick. Auf Huren-Heinz kann Hartmann zählen. Und als es grob und hart wird, zeigt sich auch Mitbewohner Jonny, der taxifahrende Medizinstudenten aus Ghana, wie immer – groß, breit und kräftig – sehr verlässlich.

Sie selbst sind in als Polizeibeamter mehr als 30 Jahre lang Streife in der Düsseldorfer Altstadt gefahren. Vermissen Sie die Zeit im operativen Geschäft oder ist das fiktive Schreiben über „die Bösen“, „die Skurrilen“ und „die Normalos“ genauso befriedigend?

Stickelbroeck: Die turbulenten Nachtdienste an den Wochenenden vermisse ich schon manchmal. Es ist ja wirklich so, dass man als Polizist Menschen kennenlernt, die man sonst nicht kennenlernt, und an Orte kommt, an die es einen üblicherweise nicht hin verschlägt. Was ich in den 44 Dienstjahren Spannendes erlebt habe, reicht aber noch für einige aufregende, schwarz-humorige Krimis. Das muss ja zum Teil noch geschrieben werden. Auf Hartmann kommt noch so einiges zu. Nun dürfen sich Fans aber erst einmal auf ein kleines, mörderisches Jubiläum – nämlich den zehnten Fall für Privatdetektiv Hartmann aus Düsseldorf – freuen.

Klaus Stickelbroeck fuhr mehr als 30 Jahre Streife in Düsseldorf. Foto: Hans-Jürgen Bauer