Eindrucksvolles Musiktheater
Bach Collegium Rhenanum zeigt eine Matthäus-Passion auf höchstem Niveau
Es gehört zu Bachs Genialität, dass er viele Arien mit regelrechten kleinen Solokonzerten von Flöte, Oboen, Geige oder Viola da Gamba begleiten lässt. Da bewiesen Anna Hendriksen, Eva Elgeti und Saskia van Boven , Konzertmeisterin Isabella Kubiak und Maaike Boekholt, wie musikantisch und verzaubernd diese Musik gespielt werden kann. Man konnte spüren, dass das Publikum sich den Szenenapplaus oft regelrecht verkneifen musste. Wie die Rhythmusgruppen in heutigen Pop- oder Jazzensembles, so sorgten die sieben Musiker:innen an Kontrabässen und Celli, Orgel, Cembalo und Theorbe (der Laute mit dem unglaublich langen Hals) durchgängig für ein sicheres Fundament und die fließenden Verbindungen zwischen den über 60 einzelnen Nummern. Und sie waren auch zu allererst dafür verantwortlich, dass bei Bach in dieser Klever Aufführung regelrecht „Swing“ zu spüren war. Barockmusik ist eben auch in einer Passion im Kern immer Tanzmusik.
Der Dirigent Hans Linnartz hat nach einer langen beruflichen Laufbahn an bedeutenden Wirkungsstätten wie Den Haag oder Basel ausgerechnet am Niederrhein sein „Bach Collegium Rhenanum“ gegründet. Hier hat er mit einer zeitgemäßen und ganz eigenen Bach-Interpretation im Lichte der historischen Aufführungspraxis die für dieses Werk benötigten zwei Orchester und zwei Chöre über Jahre hinweg „erzogen“ und geprägt. Alle Mitwirkenden, eine organische Mischung von engagierten Amateuren und Profis aus den Niederlanden und Deutschland, dazu auch der vorgeschriebene Knabenchor, der neuzeitlich gendergerecht durch die Mädchenstimmen der Ulftse Nachtegalen ersetzt wurde, ließen sich hörbar von Hans Linnartz‘ intimer Kenntnis und seiner Liebe zu Bach anstecken. Gemeinsam schufen sie ein Bach-Erlebnis, das viele Anwesende nach eigenem Bekunden so schnell nicht vergessen werden.Das Publikum in der bis auf den letzten Platz besetzen großen Willibrordkirche honorierte den Auftritt mit minutenlangem Schlussapplaus. Foto: Egide Muziazia