Die erste Vorsitzende des Vereins Amani Kinderdorf, Marlies Deutskens, und der stellvertretende Vorsitzende Clemens Scholten freuen sich auf die Gäste aus Tansania und viele interessierte Besucher beim Lichtermarkt auf Haus Ingenray in Pont. NN-Foto: Andrea Kempkens
29. Oktober 2026 · Geldern

Ein Zuhause und eine Zukunft für 160 Kinder

Amani Kinderdorf feiert 25-jähriges Bestehen: Bischof Romanus Elamu Mihali und weitere Gäste aus Iringa besuchen den Lichtermarkt auf Haus Ingenray

GELDERLAND. Seit 25 Jahren setzt sich der Verein Amani Kinderdorf für Kinder und Jugendliche in der tansanischen Region Iringa ein. Zum Jubiläum erwartet der Verein besonderen Besuch aus Ostafrika: Anfang November kommt Bischof Romanus Elamu Mihali aus Iringa gemeinsam mit weiteren afrikanischen Gästen an den Niederrhein. Beim Lichtermarkt auf Haus Ingenray in Pont haben Besucher Gelegenheit, die Gäste kennenzulernen und mehr über die Arbeit des Vereins zu erfahren.

Ein Kinderdorf entsteht

Die Geschichte von Amani Kinderdorf begann um das Jahr 2000. Damals waren die Folgen der Aids-Epidemie in Tansania besonders schwerwiegend. Viele Kinder verloren ihre Eltern, während staatliche Hilfsangebote nur begrenzt zur Verfügung standen. Menschen aus der Region am Niederrhein wollten nicht tatenlos zusehen. Zu ihnen gehörte Ursula Lettgen aus Schaephuysen, die bereits für ihre Kirchengemeinde in Tansania tätig gewesen war. Ihre Idee: ein Kinderdorf, in dem die Mädchen und Jungen in familienähnlichen Strukturen aufwachsen können.
Im letzten Jahr besuchten einige Vorstandmitglieder des Vereins das Kinderdorf in Tansania (v.l.n.r.): Manfred Joseph, Angelika Cramer-Scholz, Marlies Deutskens, Helmut van Weegen mit zwei Freiwilligen. Foto: privat

Im letzten Jahr besuchten einige Vorstandmitglieder des Vereins das Kinderdorf in Tansania (v.l.n.r.): Manfred Joseph, Angelika Cramer-Scholz, Marlies Deutskens, Helmut van Weegen mit zwei Freiwilligen. Foto: privat

2001 wurde der Verein Amani Kinderdorf gegründet, im selben Jahr begann der Bau der ersten Kinderhäuser auf einem Gelände in der Gemeinde Kilolo, das der damalige Bischof der katholischen Diözese Iringa zur Verfügung gestellt hatte. Nach der weitgehenden Fertigstellung wurde das erste Kinderdorf 2007 feierlich eröffnet. Die Leitung übernahm die Tansanierin Erica Mwakalebela. 2009 folgte der Bau eines zweiten Kinderdorfs in Kitwiru im Umfeld der Stadt Iringa, das 2011 eingeweiht wurde.

Bildung als Schlüssel zur Zukunft

Heute bieten die beiden Einrichtungen rund 160 Kindern ein Zuhause. In jedem Kinderdorf gibt es sechs Kinderhäuser und eine Gemeinschaftshalle. In Kilolo ergänzen eine Schreinerei, eine Näherei und ein Kindergarten das Angebot. Neben der Versorgung und Betreuung der Kinder engagiert sich der Verein auch für die Bildung in der Umgebung. Fünf öffentliche Schulen werden unterstützt. Unter anderem entstanden mit Hilfe von Amani Kinderdorf Klassenräume, Lehrerzimmer, eine Gemeinschaftshalle und eine große Toilettenanlage.
Der Klassenraum im ursprünglichen Zustand. Foto: privat

Der Klassenraum im ursprünglichen Zustand. Foto: privat

„Wir möchten den Kindern nicht nur ein sicheres Aufwachsen ermöglichen, sondern ihnen auch langfristige Perspektiven eröffnen“, betont die erste Vorsitzende Marlies Deutskens. „Sie sollen eine gute Schulbildung erhalten und anschließend auf ihrem Weg in eine Berufsausbildung oder ein Studium begleitet werden.“ Ziel ist es, ihnen ein selbstständiges Leben in ihrer Heimat zu ermöglichen. Dass dies gelingen kann, zeigt das Beispiel von Sinaidi, die einst im Kinderdorf Kilolo aufwuchs und heute als Lehrerin arbeitet.
Große Freude über den sanierten Klassenraum. Foto: privat

Große Freude über den sanierten Klassenraum. Foto: privat

Verantwortung in tansanischen Händen

Die Arbeit in den Kinderdörfern wird inzwischen maßgeblich von tansanischen Mitarbeitenden getragen. Insgesamt 34 Beschäftigte haben dort einen sicheren Arbeitsplatz. Auch die beiden heutigen Kinderdorfleiterinnen Serafina Chodota und Eliza Mwakabanga gehören zu den Gästen, die zum Jubiläum nach Deutschland kommen. Der Verein setzt bewusst darauf, die Verantwortung vor Ort in tansanische Hände zu legen und die Eigenständigkeit der Einrichtungen weiter zu stärken.

Ein Jahr, das verbindet

Eine wichtige Verbindung zwischen dem Niederrhein und Iringa schaffen zudem junge Freiwillige. Seit 2004 hat Amani Kinderdorf 134 junge Menschen für ein Internationales Freiwilliges Jahr nach Tansania entsendet. Derzeit sind sechs Freiwillige vor Ort. Sie unterstützen die Arbeit in den Kinderdörfern und engagieren sich an umliegenden Schulen. Gleichzeitig lernen sie die Sprache, Kultur und Lebenswirklichkeit des Landes kennen. „Viele der Ehemaligen engagieren sich heute im Verein und bereichern unsere Arbeit mit ihren Kenntnissen der Sprache und Kultur und ihren Erfahrungen“, betont der stellvertretende Vorsitzende Clemens Scholten.

Spenden und Patenschaften gefragt

Trotz der Erfolge bleibt die Unterstützung notwendig. Aids ist in der Region Iringa weiterhin ein Thema; hinzu kommen Armut und die damit verbundenen Herausforderungen. Bei einem Besuch des Sozialamts in Iringa im Jahr 2025 wurde der Wunsch nach weiterer Hilfe deutlich formuliert: „Bitte unterstützt uns weiter.“ Auch für die Zukunft setzt der Verein deshalb auf Spenden und Patenschaften. Diese helfen dabei, den Kindern Bildung und Ausbildung zu ermöglichen, decken insbesondere bei älteren Kindern jedoch nicht alle Kosten.
Bischof Romans Elamu Mihali (5.v.l.) und Clemens Scholten (l.) mit Elena Wolski, Eliza Mwakabanga, Jannis Langeberger, Max Ruhrländer, Lia Drehmann-Westermann, Andre Witte und Brown Mdemu (v.l.). Foto: privat

Bischof Romans Elamu Mihali (5.v.l.) und Clemens Scholten (l.) mit Elena Wolski, Eliza Mwakabanga, Jannis Langeberger, Max Ruhrländer, Lia Drehmann-Westermann, Andre Witte und Brown Mdemu (v.l.). Foto: privat

Der zehntägige Jubiläumsbesuch am Niederrhein soll nicht zuletzt ein Zeichen des Dankes sein – an die Spender, Unterstützer und ehrenamtlich Engagierten, die die Arbeit von Amani Kinderdorf seit einem Vierteljahrhundert ermöglichen. Beim Lichtermarkt vom 6. bis 8. November auf Haus Ingenray bietet sich die Gelegenheit, mit den Gästen aus Tansania ins Gespräch zu kommen und mehr über das Leben der Kinder in Iringa sowie die Perspektiven der beiden Kinderdörfer zu erfahren. Die offizielle Begrüßung der Gäste findet am Samstag, 7. November, um 17 Uhr auf dem Lichtermarkt statt. Am Sonntag, 8. November, wird um 10.30 Uhr ein Pontifikalamt in der St.-Maria-Magdalena-Kirche in Geldern gefeiert.

Weitere Informationen zum Verein und zu Möglichkeiten der Unterstützung gibt es unter www.amani-kinderdorf.de.

Die erste Vorsitzende des Vereins Amani Kinderdorf, Marlies Deutskens, und der stellvertretende Vorsitzende Clemens Scholten freuen sich auf die Gäste aus Tansania und viele interessierte Besucher beim Lichtermarkt auf Haus Ingenray in Pont. NN-Foto: Andrea Kempkens