Im Jahr 2005 feierte der Chor sein 100-jähriges Bestehen.Fotos: MGV Kellen
28. Februar 2024 · Kleve

Ein trauriger Schlussakkord

Es fehlt der Nachwuchs: Der Männergesangverein 1905 Kellen hat sich aufgelöst

KELLEN. Nach 118 Jahren hat sich der letzte reine Männerchor in der Stadt Kleve in einer Außerordentlichen Mitgliederversammlung aufgelöst. Es fehlt der Nachwuchs. Junge Männer können sich für Chor und Repertoire nicht mehr begeistern. Leicht fiel die Entscheidung nicht, und Wehmut war auch dabei. Alle hatten sie bei dem Schlussakkord feuchte Augen, die gemeinsame Zeit, das gemeinsame musikalische Wirken, das mit Konzerten, Ausflügen, Vereinsfeiern und jahrzehntelanger Freundschaft verbunden war, hinter sich zu lassen. Vor der „Corona-Pandemie“ waren es noch 24 Aktive Sänger. Als wieder ohne Corona Vorschriften geprobt werden konnte waren es noch 18 Aktive, da der Chor in dieser Zeit einige Sänger durch Krankheit, Altersgründen oder Tod verloren hatte. Für den Dirigent Gerd Olfen aus Xanten (der 27 Jahre den Chor leitete) war es nicht schön, wenn an den Probeabenden nicht alle verbliebenen Sänger anwesend waren.

„Gemischt“ keine Option

Für die Mitglieder und für den Dirigenten war es keine Option, wie es etwa der MGV Materborn gemacht hat, aus einem Männerchor einen gemischten Chor zu bilden. Leider ist die Bildung einer Chorgemeinschaft mit Laetitia Griethausen nicht gelungen, da sich der Chor bereits 2022 aufgelöst hat. Zwei Weltkriege, viele gesellschaftliche Veränderungen und unterschiedliches Freizeitverhalten prägten die wechselvolle Geschichte des Chores, die in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen 2005 ausführlich beschrieben wurde.

Die Blütezeit des MGV waren mit über 75 Sänger die 1950er Jahre. Der Männergesangverein hatte in dem Gemeinschaftsleben der Stadt Kleve Ortsteil Kellen mit seinem Wirken einen festen Platz. Mit sehr viel Idealismus, Heimatverbundenheit und großer Freude am Gesang erfüllten die Sänger ihre Aufgabe. In jedem Jahr hatte der Chor eine bedeutende Anzahl öffentlicher Termine und stellte sich somit in den Dienst der Allgemeinheit. Der MGV Kellen sah sich nicht nur als Konzert gebender Kulturträger in der Gemeinde Kellen, sondern widmete sich daneben vielfältigen öffentlichen Aufgaben. Ständchen zu Goldhochzeiten, in den drei Kellener Seniorenheimen, zu Jubiläen ortsansässiger Vereine und Mitgestaltung des Gottesdienstes mit Kranzniederlegung beim Heimat- und Volkschützenfest, der Kranzniederlegung am Volkstrauertag und die Mitwirkung bei Gottesdiensten der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde waren für den Chor eine Selbstverständlichkeit. Jetzt bleiben nur noch die Erinnerungen an viele erfolgreiche Konzerte in der Stadthalle Kleve und dem Vereinshaus Kellen, besonders das Konzert 2005 zum 100-jährigen Bestehen. Highlight waren auch die Weihnachtskonzerte unter anderem mit den Schwarzmeer Don Kosaken oder dem „Bonifantes Boys Chor“ aus Pardubice-Tschechien, die verschiedenen Sonntagsmatinees „Musik und gute Laune“ im Vereinshaus Kellen. Erfreulicherweise konnten die Unterlagen des Vereins, Chronik, Schriftverkehr, Konzertunterlagen und digitalisierte Film/DVD´s dem Stadtarchiv Kleve zur Verfügung gestellt werden und bleiben der Nachwelt erhalten.

Auch brauchten keine Noten vernichtet werden, an einen Teil hatte der Kolpingchor Goch Interesse, den Rest hat der Sängerkreis Moers übernommen und wird sie den angeschlossenen Chören anbieten. Gemäß der Satzung des MGV geht das Rest-Vermögen an den Förderverein Hospiz am St. Antonius Hospital.
Die Blütezeit des MGV Kellen waren mit über 75 Sänger die 1950er Jahre.

Die Blütezeit des MGV Kellen waren mit über 75 Sänger die 1950er Jahre.

Im Jahr 2005 feierte der Chor sein 100-jähriges Bestehen.Fotos: MGV Kellen