Auch die Apotheken im Kreis Kleve fordern eine schnelle wirtschaftliche Stabilisierung. Foto: Adobestock
17. März 2026 · Niederrhein

Ein Tag ohne Apotheken: Protest und Forderungen

Am 23. März bleiben viele Apotheken – auch im Kreis Kleve – geschlossen

KREIS KLEVE. Die Apotheken im Kreis Kleve beteiligen sich am bundesweiten Protesttag der Apothekerschaft am Montag, 23. März, unter dem Motto „Apothekensterben stoppen – Koalitionsvertrag umsetzen“.

Hintergrund sind die seit Jahren unzureichenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Apotheken sowie die anhaltende Schließungswelle in Deutschland, wie die Apothekerkammer Nordrhein und der Apothekerverband Nordrhein mitteilen.

Der Protest dient dazu, die Bundesregierung und Bundesgesundheitsministerin Nina Warken darin zu bestärken, die zugesagte wirtschaftliche Stabilisierung der Vor-Ort-Apotheken zur Sicherstellung der Versorgung der Bürger vor Ort schnell umzusetzen. „Am Protesttag bleiben viele Apotheken im Kreis Kleve geschlossen. Die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung wird über die diensthabenden Notdienst-Apotheken sichergestellt. Patientinnen und Patienten wird empfohlen, Rezepte möglichst vor dem Protesttag einzulösen“, sagt Ulrich Schlotmann, Pressesprecher der Apotheker im Kreis Kleve.

Bundesweit wird der Protest von zentralen Kundgebungen in Berlin, Düsseldorf, Hannover und München begleitet. Auch Apotheker und Apothekenteams aus dem Kreis Kleve beteiligen sich, um gemeinsam mit der gesamten Apothekerschaft den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen.

„Die Botschaft ist eindeutig: Wer die Vor-Ort-Apotheken weiter wirtschaftlich ausbluten lässt, gefährdet die flächendeckende, sichere und schnelle Arzneimittelversorgung für Bürgerinnen und Bürger“, sagt Schlotmann.

Anlass des Protesttags ist die aktuelle Beratung des „Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetzes“ (ApoVWG) im Deutschen Bundestag. Aus Sicht der Apothekerschaft reicht es jedoch nicht länger, die Krise nur zu beschreiben. Thomas Preis, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), und Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), begrüßen die parlamentarische Befassung, machen aber zugleich deutlich, wie dramatisch die Lage inzwischen sei: „Nach 13 Jahren Honorarstillstand setzt sich das Apothekensterben ungebremst fort, mittlerweile schließt in Deutschland etwa alle 20 Stunden eine Apotheke dauerhaft. Die Wege für unsere Patientinnen und Patienten zur nächsten Apotheke werden damit immer weiter und komplizierter. Es ist daher nur folgerichtig, dass die Regierungsfraktionen in ihrem Koalitionsvertrag eine wirtschaftliche Stärkung der Apotheken festgelegt haben. Jetzt muss aber auch schnell ohne jede Verzögerung und ohne Wenn und Aber die Umsetzung erfolgen. Sonst wird das fatale Folgen für die Versorgung der Menschen haben.“

Viele Apotheken würden seit Jahren auf wirtschaftlich nicht mehr tragfähiger Grundlage arbeiten. Das gesetzlich festgelegte Honorar für verschreibungspflichtige Arzneimittel, die rund 85 Prozent des Umsatzes ausmachen, wurde seit 2004 nur einmal, vor 13 Jahren, um rund drei Prozent angepasst.

Allein in den letzten 13 Jahren seien die Betriebskosten – vor allem für Personal, Energie, Miete, Digitalisierung und regulatorische Anforderungen – jedoch um rund 65 Prozent gestiegen. Immer mehr Apotheken rutschten daher in die roten Zahlen und müssten schließen.

Seit 2013 haben bundesweit rund 20 Prozent der Apotheken geschlossen. Die Folgen treffen inzwischen nicht mehr nur den ländlichen Raum, sondern zunehmend auch Städte und Ballungsräume.

Es gehe um die Zukunft der Arzneimittelversorgung: „Mit unserem Protest stärken wir der Bundesregierung den Rücken, damit die angekündigte Apothekenstärkung jetzt schnell umgesetzt wird“, erklärt Ulrich Schlotmann, „Es geht nicht um die Interessen einzelner Betriebe, sondern um die Zukunft einer sicheren, persönlichen und flächendeckenden Arzneimittelversorgung für alle Bürgerinnen und Bürger in unserer Region.“

Auch die Apotheken im Kreis Kleve fordern eine schnelle wirtschaftliche Stabilisierung. Foto: Adobestock