Ein Ort der Begegnung
Der Materborner Friedhof ist weit mehr als „nur“ ein Begräbnisort
MATERBORN. Friedhöfe sind für die Angehörigen und Hinterbliebenen ein Ort, an dem sie um ihre Verstorbenen trauern und ihnen gedenken können. Darüber hinaus bieten sie Lebensraum für Tiere und Pflanzen und sind ein Ort der Begegnung. Der Friedhof der St. Anna Kirche ist der größte kirchliche Friedhof in der Stadt Kleve. Auch hier macht sich der Wandel in der Begräbniskultur bemerkbar und es kommen immer wieder neue Herausforderungen auf die Friedhofsverwaltung zu.
Bis in die 1980er Jahre hinein war die Sargbestattung in einem Reihen- oder einem Wahlgrab die gebräuchliche Bestattung auf dem Materborner Friedhof. Im Jahr 2014 waren bereits 80 Prozent der Bestattungen Urnenbestattungen. 2015 wurde das erste Urnengemeinschaftsgrab angelegt, um den Angehörigen eine Bestattungsform anzubieten, bei der dauerhaft für die Grabpflege gesorgt ist. Die Nachfrage nach Urnengemeinschaftsgräbern ist seitdem stetig gestiegen. Das führt allerdings auch dazu, dass es immer mehr Grünflächen gibt und es stellt sich die Frage, wie diese Flächen ansprechend gestaltet werden können und wie der Friedhof gleichzeitig wirtschaftlich geführt werden kann.
Für die „klassischen“ Bestattungsarten in Sarg oder Urne stehen sowohl Reihengräber als auch Wahlgrabstellen zur Verfüfung. Bei letzteren kann der Ort der Grabstelle selbst gewählt werden. Die Angehörigen übernehmen die Grabpflege selbst oder vergeben den Auftrag an einen Friedhofsgärtner. Darüber hinaus gibt es verschiedene Grabarten, die für die Angehörigen pflegefrei sind. So ist etwa jedes Urnengemeinschaftsgrab von einem Steinmetz künstlerisch ansprechend gestaltet. Der Grabstein wird dabei in die Gestaltung des Grabes integriert und nennt den Namen und das Geburts- und Sterbejahr. Die Pflege übernimmt für 25 Jahre der Friedhofsgärtner. Eine weitere Möglichkeit ist das pflegefreie Grab im Staudenbeet. Eine Plakette oder ein Stein mit Namen und Geburts- und Sterbedaten erinnert an den Verstorbenen. Die Pflege und Gestaltung übernimmt ebenfalls der Friedhofsgärtner. Eine naturnahe Bestattung ermöglichen auch die Urnenreihengräber im NaturRuh-Feld. Es handelt sich dabei um eine zusammenhängende Fläche mit integrierten Grabstellen. Es gibt eine jahreszeitliche Blühabfolge, so dass immer blühende Pflanzen zu sehen sind. Pflege und Gestaltung erfolgen durch den Friedhofsgärtner. Steine aus Grauwacke sind mit Namen, sowie Geburts- und Sterbejahr der Verstorbenen beschriftet.
Anonyme Grabstellen gibt es auf dem Materborner Friedhof nicht. „Jeder Mensch hat einen Namen und ist es auch wert daran zu erinnern“, ist man hier überzeugt.
Der Kirchengemeinde ist es zudem ein Anliegen, dass der Friedhof auch als ein Ort der Begegnung wahrgenommen wird. Durch eine parkähnliche Bepflanzungen zieht der Friedhof neben Angehörigen auch Bewohner der engeren Nachbarschaft an. Folglich ist der Friedhof auch ein Ort, an dem Menschen miteinander in Kontakt kommen können. Bänke laden dazu ein, sich zu setzen, zu verweilen, ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen und der Trauer sowie den Erinnerungen freien Lauf zu lassen.
In einer Zeit, in der Artensterben allgegenwärtig ist, will der Friedhof nicht nur Ort der Erinnerung und Lebensraum für Menschen, sondern auch ein Ort zur Bewahrung der Schöpfung und Lebensraum für Tiere sein. Ökologische Gesichtspunkte wie das Auffangen des Regenwassers oder Erhalt großer und alter Bäume, sind ein bedeutendes Anliegen bei der Pflege des Friedhofs. Der Materborner Friedhof verfügt über einen umfangreichen Baumbestand. Große, alte Bäume und Neuanpflanzungen der vergangenen Jahre sowie kleine Hecken stellen einen bevorzugten Lebensraum für zahlreiche Vögel dar. Zusätzlich dienen die Bäume im Sommer als Schattenspender. In einer Aussparung im Giebel der Kirche haben seit Jahren Turmfalken ihre Brutnische. Und natürlich wimmelt es gleich mit Beginn der Frühjahrs von Insekten, die hier Nahrung finden. Dies alles, da ist sich der Kirchenvorstand einig, gilt es zu erhalten.
Stehen hinter dem Friedhof: Pfarrer Thorsten Hendricks, Vera Thissen und Walter Ostendorp vom Kirchenvorstand. NN-Foto: Rüdiger Dehnen
Jedes Urnengemeinschaftsgrab wird von einem Steinmetz künstlerisch ansprechend gestaltet. NN-Foto: Rüdiger Dehnen
Im Sommer wimmelt es hier von Insekten, die reichlich Nahrung finden. NN-Foto: Rüdiger Dehnen