Ein Jahr die Welt entdecken
Gordon Schmitz aus Rees absolviert einen einjährigen Freiwilligendienst in Port Elizabeth in Südafrika
Während viele Schulabgänger im Sommer eine Ausbildung oder ein Studium beginnen, „wusste ich noch nicht, was ich nach dem Abitur machen möchte“, erzählt Gordon. Obwohl: So ganz stimmt das nicht. Durch einen Schüleraustausch auf Ibiza, ermöglicht über das Programm Erasmus+, „habe ich gesehen, wie interessant es ist, durch die Welt zu reisen, andere Menschen und Kulturen kennenzulernen. Und die Zeit unmittelbar nach der Schule ist die beste Gelegenheit, die Welt zu erkunden und einen Beitrag zu leisten.“
Gespräch mit Schulberater
Über den Schulberater am Gymnasium Aspel erfuhr Gordon von „Weltwärts“, dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Über dessen Homepage wurde er schließlich auf Volunta aufmerksam, einen Träger für Freiwilligendienste des Deutschen Roten Kreuzes in Hessen.
Es folgte ein Bewerbungsprozess mit Vorstellungsgesprächen, an dessen Ende der Reeser schließlich auch angenommen wurde. Zu seiner Freude erfüllte sich auch sein Wunsch bezüglich seines Einsatzortes: „Südafrika ist ein sehr vielfältiges Land“, sagt Gordon und Port Elizabeth aus seiner Sicht eine interessante und spannende Stadt – ideal für einen interkulturellen Austausch. „Die Möglichkeit, jeden Tag als individuelle Chance zu begreifen, unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Auffassungen und Sichtweisen kennenzulernen, gab mir den Anstoß, mich für diese Stelle zu bewerben“, sagt er.
Vor Ort wird Gordon in der New Life Family Church tätig sein, als Gemeindeassistent. So wird er beispielsweise im Gemeindecafé und auf einer Bio-Farm mitarbeiten. In der Schule wiederum wird ein breites Angebot von außerschulischen Aktivitäten oder anderen Projektarbeiten ermöglicht, an denen er mitwirken wird. „Und jeden zweiten Sonntag helfe ich beim Gottesdienst“, sagt Gordon. Neben ihm wird noch einer weitere Freiwillige in der Gemeinde arbeiten, gemeinsam bilden sie eine WG. Zwei weitere Deutsche sind bei anderen Projekten in Port Elizabeth tätig.
Im Vorfeld hat sich der 18-Jährige über das Land und die Stadt, in der er die nächsten zwölf Monate verbringen wird, ein wenig informiert. Daher weiß er: „Port Elizabeth ist als Surferparadies bekannt.“ Das müsse aber nicht bedeuten, dass er auch selbst aufs Brett steigt, sagt Gordon lachend: „Mal schauen.“
Doch allzu intensiv hat er sich nicht informiert, „man sollte voller Neugierde bleiben, wurde uns bei einem ersten Seminar von Volunta geraten“, erzählt Gordon. „Denn wir sollen ja eigene Eindrücke sammeln und mit nach Hause bringen.“ Er vergleicht seine bevorstehende Reise mit „einem weißen Blatt Papier, das ich mit Inhalt fülle“. Füllen will er auch das Tagebuch, das seine Schwester ihm geschenkt hat. „Darin werde ich meine Erfahrungen aufschreiben, damit ich nichts vergesse.“
Apropos Schwester: Sie wird er, wie seine Eltern, Großmutter und Freunde, für ein Jahr nicht sehen. Zwar umfasst das FSJ auch 22 Urlaubstage, die wird Gordon aber nicht in Deutschland verbringen. „Ich werde sie nutzen, um durch Südafrika zu reisen, Land und Menschen kennenzulernen.“ Zum einen sei dies eine Kostenfrage, denn der Flug sei sehr teuer. Zum anderen gehe es aber auch um das Signal, das er damit aussenden würde gegenüber den Menschen, mit denen er zusammenlebt. „Da kommt ein priviligierter Deutscher, verbringt einige Zeit in Südafrika und fliegt zwischendurch mal eben nach Hause – es stellt sich die Frage, ob das so richtig wäre.“
Gewohnte Strukturen fehlen
Geburtstag, Weihnachten und Feiertage ohne die Familie – „es wird schon ungewohnt. Diese Strukturen von Familie und Freunden werde ich sicherlich vermissen“, ahnt Gordon. „Aber es ist ja nur für ein Jahr.“ Zudem sei er nicht allein, Stichwort WG und weitere Freiwillige in Port Elizabeth. „Und ich werde bestimmt neue Freunde kennenlernen“, ist er überzeugt.
Die Reaktion seiner Familie habe ihm seinen Entschluss für das FSJ auf jeden Fall erleichtert: „Ich habe viel mit meinem Eltern darüber gesprochen, auch mit meiner Oma. Sie haben gemerkt, wie viel es mir bedeutet und freuen sich auch für mich.“ Über die sozialen Medien werde er den Kontakt aufrecht erhalten. „Und es ist ja auch kein wirklicher Abschied.“Michael Bühs
Wie ein weißen Blatt Papier will Gordon Schmitz seinen Dienst in Südafrika antreten und „einen Beitrag leisten“. Fotos: privat, Volunta
Während seines Aufenthalts in Port Elizabeth arbeitet Gordon Schmitz in einer der Bildungseinrichtungen, die Volunta und „weltwärts“ unterstützen.