Ein etwas anderes Doppelkonzert
Rock trifft auf Blues: Sonic Whip und Bring Your Own Beer begeistern in Geldern
GELDERN. „Sonic Whip“ ist bereits ein etablierterer Kunde im Joker Rock and Blues Club, als man es anhand ihres Bandnamens vermuten könnte. Ihr erster Auftritt erfolgte im September 2024, und das war die Premiere des Culturkreises Gelderland in ihrer jetzigen Location – auch als Lindenstuben bekannt – und zwar als Vorband zu „Big Daddy Wilson“.
Allerdings lautete ihr Bandname an jenem Abend „Meryn Bevelander Band“, und das hatte seinen besonderen Sinn. Ein Jahr später, im Oktober 2025, kam es dann zu ihrem zweiten Auftritt in Geldern, diesmal jedoch schon als „main act“. Als Vorband fungierte im vorigen Jahr die „Elder Statesmen Band.“
Nach ihren beiden stark gefeierten Blues Auftritten kam es also am 12. September zu ihrem dritten Konzert in Geldern, diesmal jedoch unter einem anderen Namen, „Sonic Whip“. Außerdem waren sie dieses Mal „nur“ Vorband für die Bluesformation „Bring Your Own Beer“. Der Grund ist wie folgt: Die niederländische Band aus Nimwegen spielt parallel zueinander zwei Musikrichtungen, Rock und Blues. Sie möchte ihre jeweiligen Präsentationen voneinander trennen, wenn sie Rock spielen, heißen sie „Sonic Whip“, wenn sie Blues spielen, sind sie die „Meryn Bevelander Band.“ Als Rock Band haben sie bei uns noch keine Meriten verdient, da sind sie noch Neuling, daher ihre Nominierung als Vorband zu „Bring Your Own Beer.“
In ihrer Besetzung bleibt das Trio übrigens identisch, Bandleader Meryn Bevelander (23) singt und spielt die Lead Gitarre, Bruder Florian (26) bedient das Schlagzeug und hat gelegentliche Gesangspassagen, Kevin Clarence (27) spielt den Bass und lässt ebenso hier und da seine Stimme erklingen.
Einflüsse nicht nur aus Amerika
Ebenso wie bei ihren Blues-Auftritten verlässt sich „Sonic Whip“ bei ihren Rock-Konzerten überwiegend auf Eigenkompositionen. In ihren Eigenkompositionen lässt sich Meryn Bevelander – der den überwiegenden Teil der eigenen Stücke schreibt – von diversen, hauptsächlich US-amerikanischen Bands beeinflussen. Zu nennen wären hier die Foo Fighters, Queens of the Stone Age, Audioslave, Led Zeppelin aus England sowie Navarone aus den Niederlanden.

Auch Sonic Whip überzeugte auf ganzer Linie. Fotos: Stefan Perry
Dieser Abschnitt hieß dann „Let There Be Rock“, der sehr gut beim Gelderner Publikum ankam, und mit ihrer Zugabe „Spinning Around“ verabschiedeten sie sich dann von der Bühne.
Es sollte nicht vergessen werden, dass Meryn ein Stilelement aus seinen Blues-Auftritten mit in seine Rock-Show übernommen hat: An zwei Stellen ihres Konzerts, etwa nach dem 4. („Desire“) und dem 8. Stück („Invincible“), nimmt Meryn seine Gitarre auf die Schultern hinter seinem Kopf und unternimmt einen musikalischen Spaziergang durch das Publikum. Dieses Intermezzo fand schon bei seinen Blues-Darbietungen Anklang beim Publikum, ebenso am heutigen Abend.
Dass „Sonic Whip“ auch als Rock-Band eine gefragte Nummer sind, bewiesen sie nicht nur am heutigen Abend, sondern auch durch die Tatsache, dass sie in der ersten Jahreshälfte bereits eine England-Tour hinter sich hatten, und dass für den Herbst 2026 noch zweite Großbritannien-Tour geplant ist, mit Auftritten in London, Reading, Bristol, Cardiff und Swansea. In dieser Reihe kann Geldern durchaus einen Ehrenplatz beanspruchen.
Blues-Rock aus NRW
Kommen wir zum main act des Abends, der Blues-Rock Band „Bring Your Own Beer“, einer vierköpfigen Formation aus Marl (NRW). Ihre musikalischen Wurzeln liegen im Texas Blues von Stevie Ray Vaughan, wobei auch Jimi Hendrix und Gary Clarke genannt sein sollten.
Auch das Marler Quartett ist ein guter Bekannter Im Joker, feierten sie doch im November 2024 ihre Premiere in Geldern als Vorband zur „Zac Schulze Band“.
Nun haben auch sie – wie eine ganze Reihe anderer Bands, die ihre Premiere als „supporting act“ im Joker hatten – einen kleinen Karrieresprung zum „main act“ machen können.
Die im Jahre 2019 im Raum Marl / Recklinghausen gegründete Band tritt noch in der gleichen Besetzung wie vor zwei Jahren auf, im Mittelpunkt steht Sänger Christian Rellick (29), unterstützt von Florian Pütz (27) an der Gitarre, sowie von Philipp Pfetzing (34) am Bass und Finn Wenzel (24) am Schlagzeug.
Eigenkompositionen im Fokus
In ihrem mehr als 90-minütigen Bühnenprogramm dominierten auch bei „Bring Your Own Beer“ die Eigenkompositionen, und wenn einmal ein „Fremd“-Song auftauchte, dann hatte er eine starke „BYOB“-Bearbeitungsnote aufzuweisen. Dies kam an zwei Stellen ihres Konzerts zum Tragen, zuerst bei „Come Together“ von den Beatles, das rhythmisch stark verändert wirkte, sowie bei „Ain‘t No Sunshine“ von Bill Withers. Da musste man schon genau hinhören, um die musikalischen Quellen herausfinden zu können.
Zwei beziehungsweise drei Überraschungen hatten BYOB dennoch in petto: In ihrem 10. Stück auf ihrer Playlist lieferten sie ein über 30-minütiges Jimi-Hendrix-Medley ab, bestehend aus „Voodoo Chile“, „Hey Joe“, und „All Along The Watchtower“.
Plötzlich hörte man neben Florian Pütz noch eine zweite Gitarrenstimme, und überraschenderweise tauchte Meryn Bevelander aus dem Hintergrund auf und lieferte sich mit Florian Pütz ein Wechselspiel zwischen erster und zweiter Gitarrenstimme.
Schwer zu sagen, ob das vorher abgesprochen war oder nicht, jedenfalls bekam das Hendrix-Medley durch diesen Zuwachs eine überragende Dominanz in der Abfolge ihrer Playlist.
Kaum war Meryn Bevelander wieder im Hintergrund verschwunden, tauchte ein weiterer Überraschungsgast auf: Gitarrist Denis Woller („Alvis“), der bei der einen oder anderen Studioaufnahme von BYOB schon dabei gewesen war. Dank seiner Mitwirkung wurde der Gitarrensound der letzten beiden Stücke „I‘m Good“ und „Girl Like You“ noch wuchtiger und auch melodiöser, und alles steuerte auf das stürmisch geforderte Zugabestück „Fortune Teller“ zu, das zu einem würdigen Abschluss eines sehr guten Blues-Konzertes wurde.
Von einem Pianissimo-Auftakt bis zu einem Fortissimo-Ende enthielt der Song alle Elemente einer stimmungsvollen Blues-Rock Ballade. Große Begeisterung und wohl verdienter Applaus beim hoch zufriedenen Publikum.
Die Blues-Rock Band „Bring Your Own Beer“ aus Marl war der main act des Abends in Geldern. Fotos: Stefan Perry