Der erste Spatenstich ist getan: Die Genossenschaft „Inselbrot Wardt“, Bürgermeister Thomas Görtz (2.v.r.) und die Wardter Bürgerinnen und Bürger freuen sich, dass es endlich los geht. NN-Foto: SP
18. April 2023 · Xanten

Ein Dorfladen für die Gemeinschaft

Das „Inselbrot Wardt“ wird endlich Wirklichkeit: Die Genossenschaft konnte zum Spatenstich laden / Im Frühjahr nächsten Jahres soll das Projekt fertig sein

XANTEN-WARDT. Der Grundriss des neuen Dorfladens war beim symbolischen Spatenstich schonmal mit bunten Stiefmütterlein abgesteckt. Lange konnten sie dort aber nicht stehenbleiben. Schließlich sollen jetzt Am Meerend in Xanten-Wardt die Arbeiten für das Projekt „Inselbrot Wardt“ richtig starten. Die bunten Blumen müssen dafür einem stärkeren Fundament weichen. Im Frühjahr nächsten Jahres sollen Wardter Bürger dann in ihrem Dorf einkaufen und alles Lebensnotwendige erhalten können.

„Einkaufen – Zusammentreffen – Miteinander genießen“: Auf diesen drei Säulen ist das Langzeit-Projekt aufgebaut. Seinen Anfang nahm es bereits 2016, als eine Umfrage der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) ergab, dass sich die Bevölkerung in den ländlich gelegenen Dörfern vor Ort eine Nahversorgung mit Treffpunkt für alle Einwohner wünsche. 2018 wurde dann nochmals deutlich, warum ein solcher, kleiner Supermarkt in Wardt fehlt. „Damals wurde unser Bäckerladen geschlossen. Als Interimslösung gibt es seitdem einen Bäckerwagen“, sagte Wolf-Dieter Nacken, Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft „Inselbrot Wardt“, die sich im Mai 2019 offiziell gründete. Sie verfolgt seither das Ziel, einen Nahversorgungs-Treffpunkt in Wardt zu errichten.

Der Weg dorthin war jedoch lang und steinig. „Es gab einige Rückschläge. Das Projekt stand mehrmals auf der Kippe“, machte Nacken beim Spatenstich nochmal deutlich. Dabei sah es 2020 zunächst sogar gut aus: Nachdem die Genossenschaft im Jahr zuvor bereits einen Geschäftsplan mit einer detaillierten Leistungsbeschreibung erarbeitet hatte, konnte sie 2020 sogar ein Grundstück vom Freizeitzentrum Xanten (FZX) zur eigenen Bewirtschaftung erhalten. Das Stück Land, das hinter dem Hochseilgarten liegt, bekam den Namen „Inselgarten“, indem sich seither viele Hobbygärtner zum gemeinsamen Gärtnern treffen. Sie pflanzten unter anderem heimische Obstbäume an. 2021 erteilte die Stadt Xanten für das Grundstück in Wardt sogar eine erste Baugenehmigung für das „Inselbrot Wardt“, doch starten konnte die Baumaßnahme trotzdem erstmal nicht. Die Gründe waren veränderte Förderrichtlinien und gestiegene Baukostenpreise, weshalb die Genossenschaft ihre Pläne immer wieder neu anzupassen musste. Erst in diesem Jahr erhielt sie die Zusage von Förderanträgen von der Leader-Region Niederrhein und der Bezirksregierung Düsseldorf.

Die vorbereitenden Maßnahmen für den Bau können jetzt direkt starten. Das Projekt ist mit 350.000 Euro nun allerdings um 100.000 bis 150.000 Euro teurer geworden als ursprünglich geplant. 65 Prozent davon übernimmt die Leader-Region Niederrhein. Ohne diese Förderung könne man das Projekt auch nicht stimmen, wie die Genossenschaft mehrfach betonte. Die Leader-Region erhielt aber auch für ihre Flexibilität bei den sich immer wieder veränderten Plänen großes Lob und vor allem großen Dank seitens der Ehrenamtler, die allerdings dennoch noch eine Finanzierungslücke von rund 60.000 Euro schließen müssen. Die Wardter Bürgerinnen und Bürger konnten die Stiefmütterlein, die schon einmal die Grenzen des neuen Dorflebens absteckten, daher gegen eine Spende mitnehmen. Trotzdem hofft die Genossenschaft noch auf weitere Spenden und Anteilseigner, um den wohl trotzdem notwendigen Kredit so gering wie möglich zu halten.

Wenn das „Inselbrot Wardt“ im Frühjahr nächsten Jahres eröffnet werden kann, sollen dort täglich vor allem Grundnahrungsmittel wie Mehl, Eier, Zucker oder Salz vorrätig sein. „Für Großeinkaufe werden die Wardterinnen und Wardter weiterhin zu den Supermärkten nach Xanten fahren, aber zum ‚Inselbrot‘ können sie gehen, wenn ihnen zum Kuchenbacken etwa noch ein Ei fehlt“, erklärt Petra van de Loo von der Genossenschaft. Der Fokus werde zudem auf regionale Produkte liegen. So solle es einen original „Wardter Honig“ im „Inselbrot“-Laden geben. Im Café werde zudem täglich selbstgebackener Kuchen angeboten, der im eigenen Café mit Sitzplätzen drinnen und draußen zu einem geselligen Dorfmittelpunkt beitragen soll. Darüber hinaus sei geplant, dass ein Bäcker das „Inselbrot“ täglich mit Backwaren wie Broten und Brötchen, die im Dorfladen frisch aufgebacken werden, beliefert. Ab 7 Uhr bis in den Vormittagsbereich sowie nachmittags bis etwa 17 Uhr soll er dann von Montag bis Sonntag geöffnet sein. Morgens setzt die Genossenschaft dabei auf geringfügig Beschäftigte, nachmittags auf Ehrenamtler.

Sabrina Peters

Der erste Spatenstich ist getan: Die Genossenschaft „Inselbrot Wardt“, Bürgermeister Thomas Görtz (2.v.r.) und die Wardter Bürgerinnen und Bürger freuen sich, dass es endlich los geht. NN-Foto: SP