"Edeka-Markt in Rees-Millingen vor Schließung am 31. Dezember 2026"
29. Mai 2026 · Rees

Edeka-Markt in Millingen schließt zum Jahresende

Offener Brief aus der Bürgerschaft zeigt „große Bestürzung“. Statements der Reeser CDU-Fraktion und von Bürgermeister Sebastian Hense.

MILLINGEN. Zunächst ist es nur ein Gerücht, doch schnell wird daraus Gewissheit. Am vergangenen Mittwoch, im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung, erfährt es dann auch die Belegschaft: Der Edeka-Markt Gommers in Rees-Millingen wird zum Jahresende, 31. Dezember, geschlossen. Schnell regt sich Sorge, Widerstand und Protest. „Für Außenstehende mag dies wie eine rein wirtschaftliche Entscheidung erscheinen. Für unser Dorf bedeutet diese Schließung jedoch weit mehr als den Verlust eines Supermarktes“, schreibt Anwohner Sebastian Hoppe in einem offenen Brief an die Edeka-Gruppe, die Stadt Rees, Bürgermeister Sebastian Hense und die Ortsvorsteher.

Wie Hoppe schreibt, sei die Nachricht von der bevorstehenden Schließung „mit großer Bestürzung“ von den Bewohnern der Ortschaft aufgenommen worden. Weiter führt er aus: „Der Edeka-Markt in Millingen ist ein zentraler Bestandteil unseres täglichen Lebens. Besonders für ältere Menschen, gehbehinderte Personen, blinde Mitbürger sowie sozial isolierte Einwohner ist dieser Markt nicht einfach nur ein Ort zum Einkaufen. Für viele ist er einer der letzten verbliebenen sozialen Treffpunkte im Dorf.“

„Große Sorge“ in Millingen, auch wegen des Betuwe-Ausbaus

Die Schließung vergrößert laut Hoppe die „ohnehin große Sorge vieler Bürger über die zukünftigen Auswirkungen des Baus der Betuwe-Linie und der damit verbundenen Schließung des Bahnübergangs, durch die unser Dorf künftig zusätzlich geteilt werden würde. Viele Menschen befürchten schon heute längere Wege, schlechtere Verbindungen und eine weitere Verschlechterung der Lebensqualität. Die mögliche Schließung des letzten zentralen Nahversorgers würde diese Entwicklung massiv verschärfen.“

Hoppe verweist außerdem auf die rund 20 Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren: „Für viele davon ist der Markt weit mehr als nur ein Arbeitgeber. Über Jahre sind dort Freundschaften, Vertrauen und ein starkes soziales Umfeld entstanden.“ Hinzu kommen aus seiner Sicht „die wirtschaftlichen Folgen für die Region: Verlust von Kaufkraft im Ort, steigende Belastungen durch mögliche Arbeitslosigkeit und die weitere Schwächung der lokalen Infrastruktur.“

„Besonders wichtig“ ist es ihm dabei klarzustellen, dass der Pächter Jürgen Gommers und sein Team „keinerlei Verantwortung für diese Situation“ tragen. „Im Gegenteil: Viele Kunden erleben dort täglich eines der engagiertesten, herzlichsten und hilfsbereitesten Teams überhaupt“, betont Hoppe.

Sein Appell an die Verantwortlichen: „Prüfen Sie alle Möglichkeiten zum Erhalt des Standortes. Unterstützen Sie Gespräche mit möglichen Nachfolgern oder Investoren. Entwickeln Sie gemeinsam Lösungen für die Nahversorgung in Millingen. Lassen Sie unser Dorf nicht weiter an Infrastruktur und Lebensqualität verlieren.“

CDU Rees: „Tragfähige Lösung für Millingen entwickeln“

Die CDU-Fraktion in Rees hat bereits mit einem Schreiben an Bürgermeister Sebastian Hense auf die Schließungspläne von Edeka reagiert. Darin regt die Fraktion an, „frühzeitig Gespräche mit potenziellen Betreibern von Nahversorgungsangeboten aufzunehmen, um eine tragfähige Lösung für die Nahversorgung in Millingen zu entwickeln“.

Darüber hinaus soll die Verwaltung prüfen, ob „möglicherweise eine ortsteilverbindende Lösung sinnvoll sein könnte. In diesem Zusammenhang könnten weitere Flächen sowie die Einbindung weiterer Ortsteile in einem zukunftsfähigen Nahversorgungskonzept berücksichtigt werden.“

Die CDU Rees werde sich weiterhin „konsequent für den Erhalt einer wohnortnahen Versorgung in Millingen einsetzen. Dabei gilt unser Engagement ausdrücklich nicht nur dem bestehenden Edeka-Standort, sondern auch möglichen alternativen Konzepten eines leistungsfähigen Nahversorgers.“

Bürgermeister Hense: „Führen intensive Gespräche“

Wie die Stadt Rees auf Anfrage der NN mitteilt, sei man von der Nachricht der bevorstehenden Schließung ebenfalls überrascht worden. „Die Entscheidung des Inhabers, die Edeka-Filiale in Millingen zum Ende dieses Jahres aufzugeben, hat uns überrascht“, teilt Bürgermeister Sebastian Hense in einem Statement mit. „Die Stadt Rees hat bereits in der Vergangenheit Maßnahmen getroffen und damit Möglichkeiten der Weiterentwicklung geschaffen. In konstruktiven Gesprächen mit den Eigentümern des Gebäudes, dem Betreiber der Filiale, Vertretern des Edeka-Stammhauses sowie der Stadt Rees konnten wir diese Entwicklungsmöglichkeit aufzeigen. Wir setzen uns mit voller Energie dafür ein, auch weiterhin einen Vollsortimenter für Millingen zu gewinnen, um sowohl den Bürgerinnen und Bürgern als auch den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Perspektive geben zu können. Dazu führen wir weiterhin intensive Gespräche.“

Aus zum 31. Dezember 2026: Der Edeka-Markt in Rees-Millingen soll geschlossen werden. Foto: privat