Durchblick-Preis 2026 vergeben
BVDA vergibt zum 21. Mal den Medienpreis für herausragende publizistische Leistungen
NIEDERRHEIN. Tomas Cabanis, Stefan Seitz, Roderich Trapp und Jörn Koldehoff sind die Gewinner des vom Bundesverband kostenloser Wochenzeitungen (BVDA) ausgeschriebenen und mit 5.000 Euro dotierten Durchblick-Preises 2026. Die Jury würdigte damit das von der Wuppertaler Rundschau zur richtungsweisenden Oberbürgermeister-Stichwahl zwischen Miriam Scherff (SPD) und Matthias Nocke (CDU) organisierte, zweistündige „OB-Duell“ mit Publikum. Das Projekt zeige, wie Lokalmedien politische Auseinandersetzungen begleiten und den direkten Austausch zwischen Kandidierenden und Bürgerschaft ermöglichen können.
Platz zwei (3.000 Euro) ging anlässlich der BVDA-Jahrestagung in Essen an die Rheinischen Anzeigenblätter nach Köln. Mit der Serie „80 Jahre Kriegsende“ erinnerten Lars Kindermann und weitere Kollegen an die Kriegsereignisse im Frühjahr 1945, als die alliierten Streitkräfte auf ihrem Weg nach Köln durch das heutige Verbreitungsgebiet im Rhein-Erft-Kreis vorrückten.

Prof. Dr. Wiebke Möhring beleuchtete in ihrem Vortrag die Aufgaben und Herausforderungen lokaler Berichterstattung.
Der BVDA vergibt bereits zum 21. Mal den Durchblick-Medienpreis für herausragende publizistische Leistungen der Anzeigenblattverlage. 2026 wurde die Würdigung neu ausgerichtet und stellt die publizistische Qualität und gesellschaftliche Relevanz kostenloser Wochenzeitungen eindeutig in den Mittelpunkt. Neu ist auch die Dotierung der Auszeichnungen, die dank des Sponsors Haiberg möglich wurde. BVDA-Ehrenpräsident Alexander Lenders sagt dazu: „Damit rücken wir die publizistische Qualität und die gesellschaftliche Relevanz unserer kostenlosen Wochenzeitungen noch stärker in den Fokus. Zugleich setzen wir ein klares Signal an Öffentlichkeit, Politik und Werbewirtschaft: Unsere Medien leisten einen wichtigen Beitrag zu Information, Orientierung und gesellschaftlichem Zusammenhalt.“
Warum Lokaljournalismus wichtig ist
Beim Durchblick-Preis des BVDA werden unter anderem Engagement und journalistischer Content für die lokale Community geehrt. Um lokalen Journalismus ging es zuvor auch schon in einem Expertenvortrag von Prof. Dr. Wiebke Möhring. Die Medienwissenschaftlerin von der TU Dortmund zeigte auf, dass lokale Nachrichten ein wichtiges Bedürfnis nach sozialer Orientierung vor Ort erfüllen und helfen, gesellschaftliche Komplexität zu reduzieren. Untersuchungen zufolge interessiere mehr als 80 Prozent der Menschen an lokalen Nachrichten aus der Gegend interessiert sei, davon 48 Prozent „äußerst und sehr“. Auffällig sei, dass das Interesse an lokaler Information mit zunehmendem Lebensalter wachse. Unter typischen Nachrichten-Themen wie Politik, Internationales, Umwelt/Klimawandel, Kriminalität/Sicherheit oder Wissenschaft/Technologie sei das Lokale mit insgesamt 59 Prozent Interesse führend.
„Die Nutzung lokaler Nachrichten hängt positiv mit erlebter sozialer Integration zusammen und mit zivilgesellschaftlicher Aktivität – zum Beispiel der Mitgliedschaft in Vereinen oder Teilnahme an lokalen Initiativen“, erklärte Möhring. Lokale Nachrichten seien zudem die wichtigste Informationsquelle über kommunale Politik, und öffentliches Handeln von Amtsträgern. Damit leiste Lokaljournalismus durch Transparenz und Kontrolle einen entscheidenden Beitrag zur Demokratie in der Gemeinde. Was geschieht, wenn lokale Presse fehlt, verdeutlichte Möhring anhand wissenschaftlicher Studien: In Gebieten ohne Lokalzeitungen und kostenlose Wochenzeitungen sinkt die Qualität ortsbezogener Informationen; Gemeinsinn und Zugehörigkeit werden geschwächt; Gesetzesverstöße und Korruption nehmen zu und die Qualität politischer Arbeit leidet. Kurz: In „Nachrichtenwüsten“ sinkt die Leistungsfähigkeit der Zivilgesellschaft.
Einsatz von KI führt zum „Raubmordkopier-Effekt“
Vor dem unbedachten Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) warnte David Schraven (Correctiv). Seine These: Die traditionellen Medien werden durch Social Media zunehmend abhängig – und sie werden von ihrem Publikum immer stärker abgeschnitten. Mit dem Versprechen, eine „immer noch tollere Reichweite zu kriegen, hat man uns dazu gebracht, dass wir enorm viel Geld in soziale Medien investieren“, und zwar ohne, dass Geld zurückfließe. „Früher wurden wir ‚raubkopiert‘ von den sozialen Medien, zugegeben mit unserer Mithilfe. Heute werden wir ‚raubmordkopiert‘“, kritisiert Schraven. Er macht deutlich, dass wir „nicht viele Wege haben, wie wir unser Publikum noch erreichen können“. So sei es bisher theoretisch möglich gewesen, das Publikum über die Telefonnummer zu erreichen. Nun schafften die Sozialmedienbetreiber über ihre Messengerdienste die Telefonnummern ab und ersetzten diese durch Nutzernamen. Damit gehe der direkte Kontakt verloren. Ganz ähnlich sehe es bei Geschäftsmodellen aus, die über Newsletter funktionieren, „also den zweiten Kontaktpunkt, den wir zu unserem Publikum haben, die E-Mail-Adresse. Jetzt macht die KI aus den Newslettern Zusammenfassungen und verhindert damit, dass wir unsere Information direkt an unsere Nutzer bringen können.“ Der Effekt: sinkende Öffnungsraten und damit weniger Erlöse.
David Schraven, CEO von Correctiv, bei seinem Impulsvortrag im Rahmen der Preisverleihung.
„Das letzte, womit wir arbeiten können, sind die Postadressen der Haushalte. Die kann uns keiner nehmen“, ermutigt Schraven zugleich. Damit habe die Branche „enorme Chancen“. Statt den Betreibern der großen Plattformen „noch mehr Geld in den Rachen zu werfen“ und zu versuchen, sich in deren „Algorithmen einzusliden“, sollten die Medien ihre Kernfunktion erfüllen: Erlebnisse und Gemeinschaft für die Medien vor Ort schaffen. Schravens Überzeugung: „Wenn wir relevante Themen auf interessante Art und Weise für ein Publikum erlebbar machen, passieren Dinge.“
Die diesjährigen Gewinner mit Alexander Lenders, Ehrenpräsident des BVDA, der durch die Preisverleihung führte. Fotos: BVDA / Bernd Brundert).