DTG-Zoos schreiben Artenschutzgeschichte
Vom Rot ins Grün: Wie zoologische Einrichtungen der Roten Liste trotzen
KLEVE. 4. Februar – Artensterben ist kein Naturgesetz. Mit dem Internationalen Reverse the Red Day am 7. Februar zeigt die Deutsche Tierparkgesellschaft (DTG), dass Artenschutz wirkt – wenn Zoos, Naturschutzorganisationen und Gesellschaft zusammenarbeiten. Das Ziel der globalen Initiative: Arten auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN vom roten Status (bedrohte Arten) ins Grüne (erholte Populationen) zu verschieben.
„Nur was wir kennen können wir schützen“ – das ist nicht nur ein Leitsatz der DTG, sondern das Fundament unserer gesamten Artenschutzarbeit. Unsere 103 Mitgliedseinrichtungen spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie bewahren Arten vor dem endgültigen Aussterben, züchten bedrohte Spezies nach und bereiten ihre Rückkehr in die Natur vor. Parallel dazu vermitteln sie Millionen von Besuchern jährlich, warum dieser Schutz so entscheidend ist“, sagt Marie-Christine Kuypers, Geschäftsführerin der Deutschen Tierparkgesellschaft.
Erfolgsgeschichten,
die Hoffnung machen
Die Fakten sprechen eine klare Sprache: Weltweit wurden bereits Hunderte Arten mit Unterstützung von Zoos vor dem endgültigen Aussterben bewahrt. Auch die DTG-Mitgliedseinrichtungen haben daran bedeutenden Anteil.
Das Przewalski-Pferd galt in der Natur als ausgestorben – heute streifen wieder Herden durch die Steppen der Mongolei und Kasachstans, ermöglicht durch koordinierte europäische Zuchtprogramme in Zoos.
Die Moorea-Baumschnecke wurde sogar von der IUCN hochgestuft: vom Status „in der Natur ausgestorben“ zu „vom Aussterben bedroht“ – ein Zeichen, dass Reverse the Red möglich ist. Der Zoo Schwerin koordiniert hier die Zucht und Auswilderung.
Die Vietnamesische Krokodilschwanzechse konnte dank des Expertenwissens in Zoos erfolgreich nachgezüchtet werden; zwölf Tiere wurden im Herbst 2025 nach Vietnam zurückgeführt und sollen Teil des ersten Wiederansiedlungsprojekts werden.
Auch in Deutschland wird Artenschutz konkret und erlebbar: DTG-Zoos engagieren sich aktiv bei der Rückkehr bedrohter heimischer Arten wie dem Luchs, Bartgeier und Waldrapp.
Von der Amphibie bis zum Nerz
Die Deutsche Tierparkgesellschaft unterstützt derzeit fünf zentrale Arten- und Naturschutzprojekte in Deutschland und darüber hinaus:
•Zootier des Jahres 2026 – Kronenkranich: Ein Vogel, dessen afrikanische Feuchtgebiete-Lebensräume zunehmend unter Druck geraten
•Citizen Conservation: Ein Netzwerk auf zoologischen Einrichtungen und privaten Experten, das bedrohte Amphibien nachzüchtet und erhält
• Amphibienfonds der Stiftung Artenschutz: Direkte Unterstützung von Schutzprojekten für Amphibien in ihren natürlichen Lebensräumen
• Euronerz e.V.: Fokus auf die Erhaltung des europäischen Nerzes – eine der am stärksten bedrohten Arten Europas – durch koordinierte Nachzucht in zoologischen Einrichtungen
• Steinkautz-Wiederansiedlung (AGESA e.V.): Rückkehr des Steinkauzes in den Harz
„Mit diesen Projekten zeigen unsere Mitgliedseinrichtungen, dass es um mehr geht als nur Tierhaltung. Es geht um die Schließung der Lücke zwischen ex-situ Schutz in Zoos und in-situ Schutz in der Natur. Das ist echter Artenschutz in all seinen Facetten,“ unterstreicht Kuypers. „Haltung und Zucht, Wiederansiedlung, Bildung, Forschung und tiermedizinische Versorgung – alle diese Bausteine müssen ineinandergreifen.
Genau dafür steht Reverse the Red: Die Überzeugung, dass wir mit konsequentem, koordiniertem Handeln Arten retten können.“
Artenschutz
als Gemeinschaftsaufgabe
Der Reverse the Red Day verdeutlicht: Artenrettung ist keine Aufgabe einzelner Institutionen, sondern eine Gemeinschaftsaufgabe. Sie hängt ab von aktivem Engagement, Spenden, persönlichen Entscheidungen zum Schutz von Lebensräumen – und von der Bereitschaft, Hoffnung zu verbreiten. Denn nur mit Hoffnung verändern sich Haltungen. Und nur wenn sich Haltungen ändern, ändert sich die Welt für bedrohte Arten.
Für Rückfragen steht Ihnen die Geschäftsstelle der DTG gerne zur Verfügung.
Der Waldrapp, ein sehr seltenes Tier und vom Aussterben bedroht. Foto: privat