Ein starkes Trio: Janis Krebbers, Lena Frost und Janna Körner leiten als Team. NN-Foto: Rüdiger Dehnen
28. August 2025 · Kleve

Drei Halbe sind ein Ganzes

Das „Theater im Fluss“ wird seit Anfang Juli von einem Führungstrio geleitet

KLEVE. Kunst – auch Theaterkunst – gehorcht eigenen Regeln. Kann passieren, dass ein Ganzes sich aus drei Hälften zusammensetzt. Geht nicht? Doch!

Das „Theater im Fluss“ ist (neben dem XOX-Theater) eine von zwei Klever Theaterinstitutionen. Wer „Theater im Fluss“ sagt, hat mindestens einen Namen im Kopf: Harald Kleinecke. Zum 1. Juli hat eine Staffelübergabe stattgefunden. Das Theater wird jetzt von einem Trio geleitet. Janna Körner, Lena Frost und Janis Krebbers werden künftig die Geschicke des Vereins leiten. Janna Körner hat Bürokauffrau gelernt, Lena Frost studiert in Köln Medienkulturwissenschaft und Intermedia, Janis Krebbers ist gelernter Theaterpädagoge. Richtungen sind vorgedacht: Janna Körner wird sich vornehmlich um Verwaltungsaufgaben kümmern, Lena Frost ist zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Antragstellungen, Janis Krebbers kümmert sich um den theaterpädagogischen Teil. Es liegt in der Natur der Sache, dass Überschneidungen stattfinden.

Spricht man mit dem Trio über die Zukunft, spürt man Tatendrang und Optimismus. Da sind drei am Start, die zu schätzen wissen, welches Erbe sie antreten. „Trotzdem gibt es natürlich Dinge, über die wir nachdenken“, sagt Lena Frost. Janna Körner: „Du stellst dir bei manchen Dingen natürlich die Frage: Warum haben wir das nicht längst?“

Zu nennen wären beispielsweise die Kartenreservierung oder Bezahlung über das Internet. Auf dem Wunschzettel wäre noch eine neue Website. Lena Frost: „Das ist natürlich nicht zum Nulltarif zu haben. Da müssen Anträge gestellt werden.“

„Momentan sind wird in einer Übergangsphase und wir sind froh, dass Harald [Kleinecke; Anm. d. Red.] uns bei vielen organisatorischen Dingen noch bis zum Jahresende unterstützt“, sind sich die drei einig.

„Wir haben darüber hinaus eine wirklich tolles und hochmotiviertes Team aus Ehrenamtlichen..“ Janis Krebbers: „Zum Ende der Ferien mit dem Start der Kurse gilt ja für uns: Jeder Tag bringt ein neues Fragezeichen.“ Nicht, dass der Spiel- und Probenterminplan ungeplant ist, aber für Jannis und Lena – Janna ist bereits länger fest angestellt – müssen die Grenzen zwischen Hobby und Beruf neu gezogen werden. „Wenn ich mich jetzt entscheide, unseren Garten auf Vordermann zu bringen, dann gehört das ja eher in den Bereich Hobby“, sagt Lena Frost. Bei 20 Wochenstunden für jeden aus dem Trio muss das Zeitmanagement stimmen.

Als es um die Nachfolge von Harald Kleinecke ging, stand relativ schnell fest, „dass es wahrscheinlich am sinnvollsten ist, die Aufgaben auf verschiedene Schultern zu verteilen“, erklären die Drei. Eine Vorgabe seitens des Dachverbandes LKD (Landesarbeitsgemeinschaft Kulturpädagogische Dienste / Jugendkunstschulen NRW e.V.) ist, dass für die Leitungsfunktion ein Studium zu den Voraussetzungen gehört. Als Harald Kleinecke Lena Frost fragte, ob sie sich vorstellen könne, in die Leitung des Theaters einzusteigen, sagte sie nach kurzer Bedenkzeit zu. „Es war allerdings klar, dass ich nicht mit einer vollen Stelle würde einsteigen können.“ Die Idee vom Leitungsteam nahm Gestalt an und wurde umgesetzt. Frost: Wie die Neuen so dasitzen und von ihren Vorstellungen erzählen, wird ein positiver Grundakkord spürbar. Da sind sich drei Leute ihrer Verantwortung bewusst, freuen sich auf die Aufgaben und balancieren auf der Ideallinie zwischen Bewahren und Erneuern.

Fragt man nach Daten und Fakten in Sachen „Theater im Fluss“, ergibt sich für das Jahr 2024: Circa 1.500 Kinder nahmen und Kursen, Workshops und Projekten aus den Bereichen Theater, Tanz, Film, Gestalten und Bildende Kunst teil. Dabei konnte die Arbeit der Jugendkunstschule mit circa 2.095 Projektstunden (pädagogische Kontaktstunden, ohne Vorbereitung und Organisation) etwa auf dem gleichen Stand wie in den Jahren zuvor gehalten werden. Zusätzlich zu diesen Bereichen bot die Jugendkunstschule noch weitere diverse Aktivitäten an, zumeist in Form von Lesungen, Konzerten, Zusammenkünften, Kochworkshops und anderen Veranstaltungen.

Die Kooperation zu weiterführenden Schulen wurde durch ein Projekt mit dem Kinderschutzbund erweitert und vertieft. Durch die Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum Kalle und der Move Factory ergaben sich obendrein mehrere hundert Stunden.

Lena Frost: „Leider waren viele Ferienprojekte so ausgebucht, dass mehrere Kinder und Jugendliche nicht daran teilnehmen konnten, darunter viele mit sozialen Benachteiligungen oder in Risikolagen. Insgesamt arbeiteten bis zu zwölf Honorarkräfte beim Theater im Fluss. Daneben gibt es einen Pool von zehn regelmäßig arbeitenden Ehrenamtlern und 30 weiteren, die vor allem aus der Jugendinitiative stammen.“

Ein gut bestelltes Haus also. Aber im Theater gibt es keine Automatik. Jedes Projekt ist das Wichtigste. Ausruhen ist für die anderen. Was halten Körner, Frost und Krebbers in ihrem neuen ‚Job‘ für wichtig? „Das lässt sich nicht in einem Begriff zusammenfassen“, sagen die Drei, „aber es geht sehr viel um gute Kommunikation. Und das gilt für die Kommunikation nach innen und nach außen.“

Derzeit wird am neuen „Zuhause“ für das Leitungstrio gearbeitet. Lena Frost: „Wir werden zeitnah in ein neues Büro umziehen.“ Momentan ist das neue Büro noch eine Baustelle, aber das soll sich in den nächsten Wochen ändern. „Wir müssen dann, um ins Büro zu kommen, nicht mehr über den Hof in ein anderes Gebäude laufen, sondern sind quasi gleich neben dem Theater.“ Klingt nach kurzen Wegen. Man wünscht alles Beste.

Ein starkes Trio: Janis Krebbers, Lena Frost und Janna Körner leiten als Team. NN-Foto: Rüdiger Dehnen