Helmut Schaffeld (r.) mit Manfred Daleske. Foto: privat
5. Juli 2024 · Rees

„Die Vereinsarbeit muss vernünftig fortgeführt werden“

Helmut Schaffeld übernimmt für Manfred Daleske: Der erste Brudermeister von St. Josef Haldern im Interview

HALDERN. 23 Jahre lang hat Manfred Daleske als erster Brudermeister die Geschicke der Schützenbruderschaft St. Josef Haldern gelenkt. Seit März übernimmt diese Aufgabe sein langjähriger Stellvertreter Helmut Schaffeld. Der 65-jährige Bauingenieur und Leiter des Bauhofs in Emmerich ist bereits seit 1977 Mitglied im Verein und spricht im Interview mit NN-Redakteur Thomas Langer über die Aufgaben eines Brudermeisters, wie es im Verein weitergeht und welche Bedeutung der Nachwuchs bei alledem hat.

Jetzt wo sie Manfred Daleske als Brudermeister abgelöst haben: Wie bewerten Sie seine über zwei Jahrzehnte währende Arbeit?

Helmut Schaffeld: Hervorragend. Er war sehr lange Brudermeister, etwas über 20 Jahre. Das sind wirklich große Fußstapfen, in die ich da trete. Er hat sich um viele Dinge gekümmert, die manche gar nicht direkt mitbekommen haben. Es ist schon eine Nummer, das muss man sagen.

Was war Ihre Motivation, das Amt zu übernehmen?

Schaffeld: Ich war jetzt 26 Jahre lang stellvertretender Brudermeister. Irgendwo steckte das immer schon ein bisschen drin, auch einmal erster Brudermeister zu sein. Das hat mich eigentlich immer schon motiviert.

Kurz zusammengefasst: Was macht ein Brudermeister eigentlich?

Schaffeld: Er hat viele repräsentative Aufgaben, aber auch viele im Hintergrund. Wir haben Gott sei Dank einen gut funktionierenden Vorstand, Kollegen, die in alle Richtungen arbeiten: Sei es der Kassierer oder der Schriftführer, jeder hat seinen Aufgabenbereich. Wir arbeiten aber auch hervorragend zusammen und vertreten uns gegenseitig, das ist eine tolle Sache. Zum Beispiel: Wenn runde Geburtstage von älteren Mitgliedern anstehen und der erste Brudermeister einmal nicht gratulieren kann, dann übernimmt das natürlich jemand anderes. Somit bleibt auch nicht alles am erstem Brudermeister hängen. Gerade bei einem so großen Verein wäre das auch kaum zu schaffen. Da muss ich meinen Vorgänger bewundern: Wie er das alles neben der Arbeit geschafft hat, das war schon enorm.

Sie sprachen gerade von einigen Aufgaben im Hintergrund: Was sind Beispiele dafür?

Schaffeld: In erster Linie organisatorische Dinge, zum Beispiel bei unseren internen Treffen, die wir in der Vorstandsrunde organisieren. Wir treffen uns einmal im Monat, um laufende Geschäfte zu besprechen und abzuwickeln und haben immer eine recht gefüllte Tagesordnung. Die muss natürlich irgendwo zusammenlaufen und vernünftig geregelt werden. Es ist auch die Aufgabe eines Brudermeisters, hier die Fäden in der Hand zu halten. Man muss ja nicht alles selbst machen, aber irgendwo muss es sauber laufen.

Hat ihr Vorgänger Ihnen für die Zukunft bereits bestimmte Aufgaben ins Heft geschrieben?

Schaffeld: Nicht ins Heft geschrieben, aber es ist ja so ein schleichender Übergang. Wir haben das ja schon viele Jahre zusammen gemacht, Manfred Daleske als erster Brudermeister und ich. Im Vorfeld habe ich ihn vertreten, wenn er nicht konnte, von daher wusste ich, was auf mich zukommt. Ich muss natürlich sagen, ich stehe nun auch kurz vor der Rente. Da ist das mit Terminen, die tagsüber stattfinden, irgendwo leichter zu regeln als sonst.

Haben Sie sich darüber hinaus auch selbst schon etwas Bestimmtes vorgenommen, das Sie angehen oder verändern möchten? Gibt es vielleicht bestimmte Projekte, die Sie umsetzen wollen?

Schaffeld: Nein, feste Projekte, die spruchreif sind, gibt es noch nicht. Jeder hat ja so seinen eigenen Stil, grundsätzlich ist aber vieles in so einer Schützenbruderschaft, sagen wir mal, natürlich gewachsen. Da wird nicht alles von jetzt auf gleich auf den Kopf gestellt. Das wäre auch schade. Wichtig ist: Die gesamte Vereinsarbeit muss vernünftig fortgeführt werden. Wir sind Gott sei Dank ein Verein mit sehr, sehr vielen Jungschützen – wir haben irgendetwas um die 140 Jungschützen. Wir sind stolz darauf, dass wir so viele von ihnen haben und keine Nachwuchsprobleme, toi, toi, toi. Aber daran muss man auch arbeiten, das versteht sich nicht alles von selbst. Darauf darf man sich nicht ausruhen, das wollen wir weiter pflegen. Sie sind unsere Zukunft.

Woran denken Sie liegt es, dass das so gut bei Ihnen funktioniert? Wie gehen Sie bei der Nachwuchsförderung vor? Machen Sie etwas anders als andere Vereine?

Schaffeld: Das kann ich so gar nicht sagen. Ich glaube nicht, dass wir es wirklich anders machen. Wir haben Gott sei Dank toll engagierte Leute, die im Jugendbereich tätig sind. Sei es bei regelmäßigen Treffen mit Jugendlichen oder den Schießgruppen für Jugendliche. Das motiviert sie, dazuzustoßen. Hinzu kommt die Teilnahme an Angeboten des Bezirksverbandes und der Diözese. Das Schützenwesen beschränkt sich ja nicht nur auf die Bruderschaft vor Ort.

Das ist einfach das, was bei der Arbeit in jedem Verein wichtig ist: dass man die Jugendlichen A) ernst nimmt und B) soweit es möglich ist fördert und unterstützt und nicht irgendwo als Anhängsel betrachtet. Da muss man schon großes Augenmerk drauf richten.

Wie ist das mit den Besuchern bei den Schützenfesten? Die fehlen ja vielerorts mittlerweile auch. Ist das bei Ihnen anders?

Schaffeld: Wir haben bei unseren Umzügen Gott sei Dank guten Zulauf aus der Bevölkerung. Wenn wir beispielsweise am Sonntag und am Montag um 18 Uhr Treffen auf dem Markt haben, dann ist der voll. Das ist eine tolle Sache, da sind viele Halderner oder auch Leute aus der näheren Umgebung dabei, die wissen: da ist was los, da gehen wir mal gucken. Das wird auch dieses Jahr wieder so sein, da können wir uns nicht beklagen. Auch die Tanzveranstaltungen abends: Die sind ja ohne Eintritt, da ist also jeder willkommen.

Natürlich gibt es auch mal Schwierigkeiten. Ehrenamt ist immer so ein Thema, aber ich glaube, das ist tatsächlich bei uns nicht ganz so schwierig. Wir haben glücklicherweise immer noch Leute. Ich bin jetzt 65 Jahre alt, ich werde das Amt auch nicht auf ewig übernehmen. Da muss dann auch für Jüngere im Vorstand Platz sein, damit Sie eine vernünftige Stimme haben und auch ihre Anliegen einmal zu Wort bringen können.

Haben Sie viele junge Leute im Vorstand?

Schaffeld: Die gesamte Bruderschaft besteht ja aus den einzelnen Zügen, der jeweilige Zugführer gehört zu unserem Gesamtvorstand. Und wenn es jetzt ein Jungschützen-Zug ist, dann ist auch der Zugführer ein Jungschütze. Von daher sind schon viele junge Leute dabei. Viele Züge entstehen bei uns aus Freundschaften und Bekanntschaften, die sich im Dorf regelmäßig treffen oder aus Messdienergruppen und Fußballmannschaften. So war es 1976/77 auch bei mir. Das hat natürlich auch Nachteile: Irgendwann werden die Züge älter und noch älter und dann fehlt es in den Zügen an jungen Leuten. Aber es herrscht ein tolles Verhältnis innerhalb der Züge. Wenn dann zum Beispiel ein Zug altersmäßig nicht mehr so viele Leute hat, die mit auf die Straße gehen, dann gehen die übrigen einfach mit einem anderen Zug mit, der die entsprechende Nummer des Zuges übernimmt und in dessen Fußstapfen tritt. Das ist wunderbar geregelt. Dann gibt es einen älteren Zug und einen jüngeren Zug und die laufen einfach zusammen. Da bleibt keiner allein im Regen stehen. Unsere Schützenbruderschaft versteht sich als generationsübergreifende Vereinigung, in der jede Altersgruppe auch ihre Berechtigung findet.

Helmut Schaffeld (r.) mit Manfred Daleske. Foto: privat