Die Struktur des Raumes ändern
Der Künstler Herbert Warmuth zeigt im Museum Goch fünf Interventionen
GOCH. Per Definition greift eine Intervention in das Geschehen ein, sie kann Ergebnis und Verlauf entscheidend ändern. Oder aber, sie lädt dazu ein, einen anderen, neuen Blick einzunehmen.
Im Museum Goch sind zurzeit fünf Interventionen des Malers und Bildhauers Herbert Warmuth zu sehen. Wer diese Arbeiten entdecken möchte, muss ganz genau hinschauen: In den verschiedenen Räumen des Museums finden sich Arzneimittelverpackungen an den Wänden, deren Farbgestaltung sich in den Raum hinein fortsetzt: „Die Proportion und die Farbe begründen sich aus der Verpackung heraus“, erklärt Warmuth, der unter anderem beim Beuys-Schüler Felix Droese studiert hat. Der Besuch einer Beuys-Ausstellung war für Herbert Warmuth ein prägendes Erlebnis: „Ich dachte, ich sehe die Welt neu“, erinnert er sich. Im Lauf der Zeit stellte er jedoch fest, dass ihn Farbe und Malerei noch mehr interessierten. „Kunst als heilendes Mittel“ – das könnte ein Aspekt seiner Arbeit sein, der die Beuys‘sche Idee „eventuell auch ironisiert“ aufgreift, wie Warmuth sein konzeptuelles und minimalistisches Vorgehen erläutert. Der Inhalt der Arzneimittelverpackungen ist für ihn dabei nicht ausschlaggebend, wichtig ist der Prozess der Umgestaltung. Design und Farbe setzen sich in den Raum fort; die Struktur, die sich daraus ergibt, gliedert den Raum auf eine neue Weise. Nicht zuletzt können die Arbeiten auch verschiedene Emotionen auslösen, etwa wenn der Betrachter eines der Medikamente kennt und/oder selbst einnehmen muss. Es ergibt sich eine Berührung zum Menschen. Wie bei einem von Warmuths Projekten mit Kindern, die zu der Medikamentenschachtel einen „Beipackzettel“ mit ihren Wünschen und Ängsten gestalten konnten.
In Goch ist Herbert Warmuth kein Unbekannter, bereits 2008 hatte er im Museum eine Ausstellung „Mein Hemd usw.“ (mehr dazu gibt es unter www.museum-goch.de/Bereich ausstellen).
„Uns ist es wichtig, dass wir die Künstler auch weiterhin begleiten und sie nicht ‚nur‘ eine Ausstellung durchlaufen lassen“, so Museumsdirektor Dr. Stephan Mann.
Die Arbeiten treten mit der Sammlung quasi in einen Dialog. Foto: Herbert Warmuth