Die Rückkehr des Basaltkreuzes nach Rees
Das Kunstwerk aus dem 17. Jahrhundert war lange Zeit in Kleve, ist jetzt aber wieder an seinen früheren Standort heimgekehrt
REES. Der Reeser Geschichtsverein Ressa hat ein historisches Grabkreuz nach Rees geholt und dort platziert, wo es schon vor fast 400 Jahren gestanden hat: auf dem Kirchplatz neben der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt. Einige Jahrzehnte lang hatte das etwa 70 mal 40 Zentimeter große Basaltkreuz die südliche Außenmauer der Stiftskirche St. Mariä Himmelfahrt in Kleve verziert.
Doch der Reihe nach: Bis der katholische (heute kommunale) Friedhof am Westring in Rees im Jahr 1823 eingeweiht wurde, bestattete die Gemeinde ihre Verstorbenen auf dem Kirchplatz. Nach dem Einsturz der Stiftskirche wurde bis 1828 eine neue Kirche im klassizistischen Stil erbaut. Diese hatte eine Süd-Nord-Ausrichtung, anders als die frühere Stiftskirche, die eine Ost-West-Lage hatte. So verschwand auch der frühere Friedhof auf dem Kirchplatz.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Pfarrkirche stark beschädigt. Während des Wiederaufbaus fanden Arbeiter 1964 im Erdreich nicht nur die Gebeine von Verstorbenen, sondern auch ein Basaltkreuz mit eingemeißeltem Christogramm „I H S“. Es steht für „Jesus Hominum Salvator“, übersetzt: „Jesus Heiland Seligmacher“ oder „Jesus, Retter der Menschen“. Der Buchstabe „H“ wird durch mehrere Kreuze besonders betont. Darüber schwebt eine Blüte.
Dechant Fritz Dyckmans, der von 1953 bis 1974 die Reeser Pfarrgemeinde in der wichtigen Zeit des Wiederaufbaus prägte, fand großen Gefallen an dem Kreuz. Er bewahrte es im Pfarrhaus auf und äußerte den Wunsch, dass es eines fernen Tages sein Grab zieren möge. Im November 1974 wechselte Dyckmans von Rees nach Kleve, wo er als Hausgeistlicher im Herz-Jesu-Kloster tätig war. Am 7. Oktober 1988 starb er im Alter von 81 Jahren und wurde in seiner Geburtsstadt Kleve beerdigt. Das Kreuz wurde allerdings nicht auf seinem Grab aufgestellt, sondern an der Klever Stiftskirche befestigt.
Das bis zu 400 Jahre alte Basaltkreuz zeigt die Buchstaben „IHS“, Kreuze und eine Blüte. Der Name des Verstorbenen stand vermutlich im unteren Teil, der verlorenging. Foto: Ressa/Michael Scholten Foto: Ressa/Michael Scholten
Die Kirchengremien in Kleve stimmten zu. Doch zunächst lagerte das schwere Kreuz noch mehrere Jahre an verschiedenen Orten in Rees, weil das Ende der umfassenden Renovierung der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt abgewartet werden musste. Das war 2025 der Fall.
Bei einem Ortstermin mit Pfarrer Berthold Engels, der im November 2025 seine Stelle in Rees antrat, und dem städtischen Bauhof war es dann der Geistliche, der den jetzt gewählten Platz für das Kreuz vorschlug: nicht versteckt an einer Kirchenwand, sondern prominent im Zentrum des mit Ziegelsteinen angedeuteten Labyrinths auf dem Kirchplatz. Dort wurde das Kreuz bereits im Juni aufgestellt, im September wurde es nun um eine Infotafel in direkter Nähe ergänzt.
Jedoch nennt das Kreuz weder den Namen noch die Lebensdaten des Verstorbenen, dem es gewidmet war. Ursprünglich dürfte das Kreuz etwas länger gewesen sein, und auf dem nun fehlenden Teil war der Name eingemeißelt. So kennt man es von vergleichbaren Kreuzen aus dem 17. Jahrhundert, die auf anderen katholischen Friedhöfen zu finden sind.
Die Ressa-Ehrenmitglieder Klaus Kuhlen und Hermann Venhofen mit Pfarrer Berthold Engels und den Vorstandsmitgliedern Heinz Wellmann, Peter Bongers und Ernst August Voß. Foto: Ressa/Michael Scholten