Die Ausstellung ist noch bis zum 7. September zu sehen. Foto: ArToll
22. August 2025 · Bedburg-Hau

Die Korrespondenten

Außenposten: ArToll Kunstlabor zeigt eine äußerst facettenreiche Ausstellung

BEDBURG-HAU. Vielleicht ist es manchmal gut, den Außenposten zu besetzen – nicht im Zentrum zu residieren. Die Blickwinkel ändern sich. Werden weiter. Uangestrengter und auf eine andere Art intensiver.

„Außenposten“ heißt die Ausstellung zum „Fotolabor II“ die vom 23, August (Samstag) bis zum 7. September im ArToll Kunstlabor, Zur Mulde 10, in Bedburg-Hau (samstags und sonntags zwischen 14 und 18 Uhr) zu sehen ist.

Wenn jemand beim Wort Fotografie an Landschaften und Porträts denkt, ist ein Besuch dieser Ausstellung sehr zu empfehlen, denn sie bietet genau das nicht. Was im Kunstlabor zu sehen ist, sind (Grenz)-Erweiterungen des fotografischen Sehens und Denkens. Da werden Fotos zum Material von skulpturellen Inszenierungen; sie werden zur bebilderten Außenhaut von Dingen; sie treten ihre Position ab – bleiben nicht Foto.

Da werden 242 fotografierte Ecken von Räumen (Martin Plüddemann) zu einem groß angelegten Abstraktum. „Alles dokumentieren – nichts verraten“, sagt der Künstler. Da treten „ArToll Novizen“ an, „und die haben eine andere Herangehensweise an diesen Ort“, sagt Carla Gottwein, 2. Vorsitzende des ArToll Kunstlabor e. V. Stimmt, denkt man. Bei den Novizen muss das Terrain erst sondiert werden und der Ort, an dem sie arbeiten, ist wahrlich keine Allerweltslokalität. Am Ende jedoch spielt es keine Rolle, ob jemand zum ersten Mal dabei ist oder nicht. Es geht immer darum, dass der Besucher zum Eroberer des Gesehenen werden muss. Der Außenposten verdoppelt sich – geht von den Künstlern, die den Raum längst als Zentrum begreifen, auf den Betrachter über. Die Außenstellenbewohner werden zu Korrespondenten – zu Vermittlern zwischen dem Vorhandenen, dem daraus Entstehenden und den Betrachtern.

Man lernt, (s. o.), dass Fotografie weit mehr ist als ein Versuch des realistischen Abbildens. Fotografie kann verschobene Wirklichkeiten schaffen – neue Zusammenhänge (h)erstellen.

Eben hier liegt die Spannung von „Außenposten“. Da wird aus einem Stein von Handtellergrößße mit einem Mal eine Landschaft. Irgendwie fühlt man sich an Bilder aus Tarkovskys „Nostalgia“ erinnert.

Die zehn Ausstellenden treten mit höchst unterschiedlichen Sichtweisen auf das sie Umgebende an und manches, was beim Flüchtigen Hinsehen möglicherweise dekorativ wirkt, entfaltet ein Innenleben, mit dem nicht zu rechnen war. „Außenstelle“ ist eine Baustelle des Sicht- und Denkbaren und in jedem Fall sehenswert.

Die Beteiligten: Sabine Stein, Martin Plüddermann, Karin Pietzka, Miyuki Okuyama, Sigrid Neuwinger, Laura De Luca, Gisoo Kim, Harald Hilscher, Dirk Baxmann und Minno Baartmans.

Die Ausstellung ist noch bis zum 7. September, jeweils samstags und sonntags zwischen 14 und 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Zur Eröffnung am Samstag. 23. August, um 16 Uhre sprechen Carla Gottwein (2. Vorsitzende des ArtToll, der stellvertretende Bürgermeister von Bedburg-Hau, Alfred Derks und Werner Steinecke.

Die Ausstellung ist noch bis zum 7. September zu sehen. Foto: ArToll