Team des "Freiraum" mit Tim Jansen bereitet Ferienspaß vor, Gruppenfoto, Sommeraktivitäten
31. Juli 2026 · Rees

„Die Kinder rennen uns die Bude ein“

Der Halderner Ferienspaß startet in wenigen Tagen in seine nächste Auflage. Organisator Tim Jansen erläutert im NN-Sommerinterview, warum das offene Konzept seit mehr als 30 Jahren funktioniert und weshalb die Freiheit der Kinder dabei im Mittelpunkt steht.

HALDERN. Seit mehr als 30 Jahren gibt es mittlerweile den Ferienspaß in Haldern. Das offene Angebot findet wieder von Dienstag, 11., bis Freitag, 14. August, sowie Montag, 17., bis Donnerstag, 20. August, jeweils von 14 bis 19 Uhr auf dem Schulhof der Grundschule Haldern statt. Es richtet sich an Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren; die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich, die Kinder können flexibel kommen und gehen. Organisiert wird der Ferienspaß inzwischen vom Team des „Freiraum“ um Leiter Tim Jansen. Im NN-Interview spricht er die Vorbereitung auf die kommende Ausgabe des Ferienspaß, die Entstehung und das Konzept als offenes Angebot.

Herr Jansen, noch knapp anderthalb Wochen, dann startet wieder der Halderner Ferienspaß. Wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen?

Tim Jansen: Grundsätzlich ist es so, dass bei uns nach dem Ferienspaß gleichzeitig vor dem Ferienspaß ist. Ein wesentlicher Punkt bei den Vorbereitungen ist es, die Jugendlichen dafür zu gewinnen, im nächsten Jahr mitzumachen beziehungsweise wieder mitzumachen. Dazu gehören auch kleine Aktionen und Betreuertreffen in der zweiten Jahreshälfte nach dem Ferienspaß. Und im neuen Jahr geht es dann los mit regelmäßigen Treffen, die dann aber vom Charakter her eher in Richtung Schulung und inhaltlicher Vorbereitung gehen. Dann geht es beispielsweise um ein Logo und einen Slogan für den nächsten Ferienspaß, aber auch mögliche Geräte und Aktivitäten. Parallel dazu gibt es noch eine zweite Gruppe, das sind die Erwachsenen.

Wer gehört alles zum Team dazu?

Jansen: Als Hauptamtlicher leite ich das Team gemeinsam mit meiner Kollegin Johanna Peters. Sie ist meine Vorgängerin und arbeitet heute immer noch als Minijobberin bei uns. Sie ist hier nicht wegzudenken. Dazu gehören auch drei Frauen, ehemalige Besucherinnen, die den Ferienspaß schon seit 25 Jahren begleiten und sich um die Anmeldung beziehungsweise um das leibliche Wohl in der Küche kümmern. Und dann gibt es die etwa 35 Betreuer im Alter zwischen 14 und 21 Jahren, die uns ehrenamtlich unterstützen.

Hüpfburgen sind bestellt, letzte Treffen stehen an

Was steht in den letzten Tagen noch an?

Jansen: Die Hüftburgen haben wir natürlich schon weiter im Vorfeld bestellt. Die Abstimmung mit der Stadt Rees und mit dem Hausmeister der Lindenschule beziehungsweise mit der Ogata ist ebenfalls gelaufen. In den Tagen unmittelbar vor dem Ferienspaß geht es um letzte Treffen, weil man zum Beispiel mit den Jugendlichen etwas vorführen will, dann T-Shirts bestellen, Material packen und zum Schulhof bringen und schließlich schauen, dass alles da ist, was wir für die zwei Wochen benötigen.

Wie Sie sagen, ist ein wesentlicher Teil der Vorbereitung das Gewinnen der Jugendlichen für die Betreuer-Arbeit. Wie schwierig ist es, jedes Jahr wieder Betreuer zu finden?

Jansen: Wir haben das große Glück, dass wir unsere Besucher haben, die das Jahr über unsere Einrichtung besuchen und die immer wieder auch sagen: Ja, da möchte ich mit einsteigen. Es gibt einfach einen guten Stamm an Jugendlichen, der uns die Treue hält. So haben wir einen Stab an Betreuern, den wir punktuell ergänzen. Wir waren noch nie in der Situation, dass wir öffentlich nach Betreuern suchen mussten – das hat sich immer aus dem Tagesgeschäft in der Jugendarbeit herauskristallisiert.

Kinder versinken „fast meditativ“ in Angeboten

Wie anspruchsvoll ist es für Sie und Ihr Team, immer neue Angebote für die Kinder und Jugendlichen zu finden?

Jansen: Wir haben einen Grundstock an Material und Equipment, das Jahr für Jahr ein wenig weiterentwickelt wird. Wir wissen auch, welche Hüftburgen sich bewährt haben, da wird ab und zu mal eine ausgetauscht. Zuletzt haben wir mal eine Trike-Bahn neu eingeführt, die ist sehr gut angenommen worden, auf sie können wir nun auch weiterhin setzen. Selbstverständlich gibt es auch mal die Frage nach einem besonderen Gerät. Aber wir müssen immer schauen, was sich auch finanzieren lässt und für uns auch gut bespielbar ist. Es gibt einfach sehr viel Bewährtes, zum Beispiel das Angebot mit Speckstein: Da werkeln Kinder wirklich Stunden an einem kleinen Stückchen Speckstein, um daraus einen Anhänger oder ein Tier zu formen – und wirklich ganz konzentriert, fast meditativ, versinken sie richtig darin. Solche Angebote möchte ich gar nicht ersetzen.

Es muss also nicht immer etwas tolles Neues sein?

Jansen: Ich glaube, das wird tatsächlich von uns Erwachsenen überbewertet. Wir organisieren mit Jugendlichen ein kostenloses Angebot für Kinder, und das ist auch ein pädagogisches Angebot. Natürlich erneuern wir hin und wieder mal etwas, wenn wir gute Ideen haben und überzeugt davon sind, aber wir setzen auch gerne auf das Bewährte.

„Das Bedürfnis der Kinder steht im Mittelpunkt“

Ferienspaßaktionen gibt es in der Region viele, aber in der Regel gilt eine Anmeldepflicht. Nicht so bei Ihnen in Haldern. Wie ist dieses offene Angebot entstanden?

Jansen: Ich denke, das Konzept ist deshalb entstanden, weil hier das Bedürfnis der Kinder im Mittelpunkt gestanden hat und – mit Verlaub – nicht das Bedürfnis der Eltern. Kinderferienspaß-Betreuung könnte man auch unter dem Gesichtspunkt von Eltern betrachten, was ja durchaus legitim wäre. Das Interesse bei uns ist aber, dass die Kinder kommen und gehen können, wie sie Lust haben und wie es ihrem Interesse entspricht. Eben ein freiwilliges Angebot.

Wird es auch so genutzt, oder kommen die meisten Kinder doch mittags, sobald es losgeht?

Jansen: Ganz klar, die rennen uns die Bude ein. Die meisten stehen um 14 Uhr vorne an der Anmeldung. Aber es gibt auch Kinder, die kommen eine halbe Stunde später oder gehen, wenn sie möchten. Das ist eine Freiheit, die aus meiner Sicht total wichtig ist. Das sind für mich Ferien.

Macht dieses Konzept die Aufgabe für Sie und das Betreuerteam anspruchsvoller oder aufwendiger?

Jansen: Würden wir mit Anmeldung arbeiten, müssten wir trotzdem gewährleisten, dass die Kinder kommen und gehen können, wie sie möchten. Oder es wäre ein geschlossenes Angebot, bei dem wir sicherstellen müssten, dass die Kinder die nächsten fünf Stunden genau an diesem Ort bleiben. Das wollen wir aber nicht. Die Kinder fühlen sich wohl bei uns und bleiben hier, gerade weil sie sich wohlfühlen.

Mehr als 200 Kinder im Schnitt beim Ferienspaß

Wie viele Kinder kommen im Schnitt täglich?

Jansen: Im vergangenen Jahr hatten wir täglich im Schnitt 205 Kinder. Davor waren es 150 und davor 100. Jetzt rechne ich weiter mit dieser steigenden Tendenz. Das ist eben ein Riesenvorteil des offenen Angebots: Wir lassen niemanden auf der Straße stehen, der spontan auf unser Angebot aufmerksam wird. Alle dürfen teilnehmen.

Gab es auch schon mal die Überlegung, das Angebot auszuweiten und den Kindern beispielsweise ein Mittagessen anzubieten?

Jansen: Wir bieten immer Snacks an und auch kleine Aktionen, bei denen wir Waffeln backen oder Zuckerwatte und Popcorn machen. Wir haben den Ferienspaß aber bewusst von 14 bis 19 Uhr angelegt, damit die Kinder nach dem Mittagessen gut gestärkt bei uns auflaufen. Dann bekommen sie hier auch mal etwas Süßes und natürlich Getränke – alles kostenlos. Und abends geht es dann zum Abendessen nach Hause. Denn 250 Kinder richtig zu verköstigen, dazu sind wir nicht in der Lage, das würde den Bogen völlig überspannen.

Vielfältiges Angebot an Spielen und das „bunte Schiff“

Welche Highlights gehören in diesem Jahr zum Programm beim Halderner Ferienspaß?

Jansen: Was auf jeden Fall immer sehr gut ankommt, ist die Kombination aus Airbrush, Tattoos, Schminken und Haarstyling. Gleiches gilt für unser vielfältiges Angebot an Spielen, zum Beispiel Diabolos und Teller, die man jongliert. Außerdem alles, was mit Freispielen zu tun hat: Wenn man den Kindern 1.000 Holzbauklötze hinstellt, dann bauen sie immer irgendetwas daraus. Und natürlich darf man auch das kreative Zelt, das „bunte Schiff“, wie es bei uns heißt, nicht vergessen. Hier bietet Birgit Fischer diverse Angebote, von Specksteinarbeiten über Betonarbeiten bis zu Ohrringen und Schmuck basteln; das ist immer total gut besucht. Daneben alles, was mit Bewegung zu tun hat, wie die Hüftburgen und bestimmt auch die Trike-Bahn, bei der man mit kleinen Gokarts durch einen Parcours fährt.

Wie groß ist bei Ihnen und dem Betreuerteam die Vorfreude, dass es bald wieder losgeht?

Jansen: Ich denke, dass sich die Betreuer schon riesig freuen, sie haben richtig Lust drauf. Bei mir steht aktuell noch dieser „Ich muss an alles denken“-Teil im Vordergrund. Wenn aber alles steht und aufgebaut ist, dann stellt sich auch bei mir genau diese Vorfreude ein. Und sind die Kinder erst einmal da und nehmen die Angebote an, dann herrscht sofort eine ganz andere Stimmung – dann startet auch für uns der Ferienspaß so richtig.

Und wenn die zwei Wochen vorbei sind?

Jansen: Ich sag‘s ganz ehrlich: Wenn man danach rausgeht, war es total schön, aber man freut sich nach weiteren zwei, drei Tagen mit Verwaltungsarbeiten dann auch auf zwei Wochen Urlaub. Denn die Zeit ist schon kräftezehrend.

Das Team des „Freiraum“ um Tim Jansen (2. v. r.) ist bereit für den nächsten Ferienspaß. Foto: privat