Katja Jansen mit ihrem neuen Buch. Foto: privat
18. Dezember 2024 · Kleve

Die Herausforderungen der Zukunft

Biomedizinerin Katja Jansen (33) hat eine Social Sci-Fi-Kurzgeschichtensammlung veröffentlicht, in denen es um (mögliche) neue Technologien geht

KLEVE. „Guardie“, flüsterte sie. Er mochte es, wenn sie ihn so nannte. Dadurch hob er sich von den anderen LifeGuards seiner Herstellungsreihe ab. Geduldig wartete er darauf, dass Maria weitersprach. Er vermutete, dass sie sich bei ihm bedanken würde. Doch das Wort, das ihr über die Lippen kam, ergab für ihn keinen Sinn: „Warum?“ Warum? Weil es seine Aufgabe war, sie zu pflegen. Weil ihr Wohlergehen oberste Priorität hatte. Weil Menschen das Recht hatten, so lange wie möglich zu leben. Dafür waren LifeGuards wie er erschaffen worden. Warum, hatte sie gefragt. Und warum, fragte er sich selbst im Standby-Modus, hatte in diesem einen Wort eine derartige Schwermut gelegen?“ Die alte Frau nimmt ihren Roboter daraufhin mit auf eine Reise, um ihm zu zeigen, dass das Leben eben endlich ist. So wie ein Fluss in einer Quelle seinen Ursprung hat und später ins Meer fließt. Sie erklärt ihm: „Das Meer, mein lieber Guardie, ist der Ort, an dem der Fluss seine Reise beendet. Es ist ein würdiger Abschluss, findest du nicht? Der Fluss übergibt sich dem weiten Ozean und wird Teil eines größeren Ganzen.“

„Echoes from Tomorrow“ heißt die Kurzgeschichten-Sammlung von Katja Jansen, die soeben erschienen ist. Die 33-jährige Kleverin, die mittlerweile in den Niederlanden lebt und arbeitet, hat es schon als Jugendliche geliebt, in fremde Welten abzutauchen. Dabei ist „Echoes from Tomorrow“ vermutlich weit weniger „fantastisch“ als ihr Debut-Roman „Schatten über Yagrolor“, den sie 2022 veröffentlicht hat. „Beruflich befasse ich mich mit medizinischen Innovationen, beschäftige mich also mit Technologien, die es heute noch nicht gibt“, erklärt Jansen. Als Wissenschaftlerin (mit einem Doktortitel in Biomedizin) findet sie es spannend, „Was-wäre-wenn“-Szenarien zu erschaffen und einen Blick in die Zukunft zu wagen. Ihre Kurzgeschichten-Sammlung befasst sich mit verschiedenen Technologien, die es im Zuge des rasanten technischen Fortschritts bald geben könnte. „Und das muss nicht zwangsläufig etwas Gutes bedeuten“, gibt Jansen zu bedenken. Social Sci-Fi nennt sich das Literaturgenre, das gar nicht so neu ist, denkt man an die Dystopien, die einst Aldous Huxley („Schöne neue Welt“ erschien 1932) oder George Orwell („Farm der Tiere“ 1945) erdacht haben. Im Kern geht es darum, gesellschaftliche Ideale und mögliche negative Folgen wissenschaftlicher und technischer Errungenschaften kritisch zu hinterfragen. „Das Genre kann zum einen dabei helfen, die gesellschaftlichen und ethischen Herausforderungen der Zukunft zu verstehen und zum anderen auch auffordern, verantwortungsvoll mit aufkommenden Technologien wie KI, Genetik und Überwachung umzugehen“, findet Jansen. Es ginge auch darum, emotionale und philosophische Fragen zu stellen, die aufkommen, wenn Maschinen mehr und mehr einen Platz in dieser Welt einnehmen. Kurzum: Wer sich darauf einlässt, wird reichlich Stoff zum Nachdenken haben. Erschienen ist „Echoes from Tomorrow“ im Selfpublishing und kann über diverse Online-Plattformen und den Buchhandel für 14,99 Euro als Taschenbuch bestellt werden. Das ebook gibt es exklusiv über kindle unlimited.

Katja Jansen mit ihrem neuen Buch. Foto: privat