"Finn Baumann, Fahnenschwenkmeister der Keppelner St.-Sebastianus-Bruderschaft, beim Kirmessonntag-Auftritt"
4. Oktober 2026 · Uedem

Die Fahnenschwenker und der Heilige Sebastian

Brauchtum gehört fest zur Kirmes in Keppeln

KEPPELN. Bei den Proben auf einem Hof in Keppeln geht es ruhig zu. Es gibt keine Lautsprecherbox, aus der Musik schallt, während Fahnen mit unterschiedlichen Motiven nach einer festen Choreografie durch die Luft flattern. Geführt werden sie an diesem Nachmittag von vornehmlich jungen Schwenkerinnen und Schwenkern, deren Blick fest auf Finn Baumann gerichtet ist. Der 23-Jährige ist der Fahnenschwenkmeister der St.-Sebastianus-Bruderschaft Keppeln.

Ihren großen Auftritt haben die rund 30 aktiven Mitglieder im Alter von zehn bis 65 Jahren am Kirmessonntag, 11. Oktober, direkt nach dem Festumzug. Der beginnt um 10.30 Uhr an der Kirche. Die Fahnenschwenker versammeln sich anschließend auf dem Sportplatz neben der Bürgerbegegnungsstätte Zur Dorfschule. Dann zeigen sie zum traditionellen Niederrheinischen Fahnenwalzer, was sie in den vergangenen Wochen einstudiert haben. „Ein Durchgang dauert rund sieben Minuten“, erzählt Baumann. Was viel Zuschauerinnen und Zuschauer nicht wissen: Mit der sorgsam einstudierten Abfolge unterschiedlicher Schwenkbewegungen erzählen die Aktiven eine ganze Geschichte. „Wir stellen die Fesselung und Entfesselung des Heiligen Sebastian nach“, erläutert Baumann. Der Legende nach war Sebastian ein römischer Soldat, der im 3. Jahrhundert der Christenverfolgung zum Opfer fiel. Er wurde an einen Baum gefesselt, dann schossen Bogenschützen Pfeile auf ihn – allerdings überlebte er diese Tortur und wurde erst später erschlagen. „Das Schwenken folgt einem festen Muster“, erklärt der Fahnenschwenkmeister, „es beginnt über dem Kopf, dann wird die Fahne mit verschiedenen Bewegungen um den Körper bis hin zu den Füßen geführt, danach geht es wieder zurück.“ Mal geht es um den Bauch herum, mal hinter dem Rücken her, dann wieder diagonal – was beim Zuschauen so leicht wirkt, erfordert von allen Teilnehmern viel Konzentration und Übung.

„Wir treten vor allen Dingen bei der Kirmes auf, aber auch zu besonderen Anlässen wie etwa Hochzeiten unserer Mitglieder und auch bei Wettkämpfen“, sagt Baumann. Denn das Schwenken ist nicht nur Pflege des niederrheinischen Brauchtums, sondern auch eine sportliche Disziplin. Die Ursprünge des Fahnenschwenkens reichen viele Jahrhunderte zurück, im Laufe der Zeit entwickelten sich verschiedene Disziplinen. So gibt es neben der Niederrheinischen Art des Schwenkens zum Beispiel auch die Rheinische Art, die sogenannte Deutsche Reihe und den Münsteraner Fahnenschlag. „Ich finde es spannend, dass unser Sport eine Mischung aus Tradition und Moderne ist, die immer wieder unser Publikum begeistert“, zieht Baumann sein Fazit.

Finn Baumann (4.v.l.) ist der Fahnenschwenkmeister der Keppelner St.-Sebastianus-Bruderschaft. Mit seiner Gruppe wird er am Kirmessonntag das Publikum begeistern. Foto: Christian Breuer)