Die Alte Kirche Herongen: Ein neues Kapitel beginnt
Ein Ort der Begegnung, der Kultur und des Miteinanders – bereit, das Dorfleben zu bereichern

Der neue Anbau an der Alten Kirche.
Nach einer umfassenden Sanierung und der Fertigstellung eines neuen Anbaus mit barrierefreiem Zugang und Sozialtrakt, konnte die Alte Kirche Herongen nun feierlich eröffnet werden. Mit zahlreichen Gästen, den beteiligten Handwerksbetrieben, Geldgebern und unter Mitwirkung sämtlicher Heronger Vereine blickt der Verein Alte Kirche Herongen auf einen gelungenen Festtag zurück. „Dieser Ort wird künftig einen besonderen Platz im Dorfleben einnehmen“, freut sich Peter Heykamps, 1. Vorsitzender des Vereins.
Blick in die Geschichte
Die Geschichte der Alten Kirche reicht weit zurück. Bereits im Jahr 899 begründete Amandus, Benediktiner aus dem Kloster Elno in Frankreich, mit einem Holzbau die erste Errichtung einer Kirche in „Heringa“, exakt an dieser Stelle. „Die erste urkundliche Erwähnung einer Kirche in Herongen stammt aus dem Jahr 1107“, führt Walter Verbücheln aus. Der 2. Vorsitzende hat sich intensiv mit der Geschichte der Alten Kirche beschäftigt und eine Chronik für interessierte Besucher erstellt. Der Bau des heutigen Gebäudes begann im Jahr 1400 mit dem Chorraumbau aus Mergelstein. 1500 konnte das Langschiff fertiggestellt und 1552 der Grundstein für den Kirchturm gelegt werden. Mit dem Bau einer neuen Pfarrkirche in Herongen in den Jahren 1903 bis 1905 drohte der Alten Kirche der Abriss, der jedoch verhindert werden konnte. Stattdessen wurde 1910 eine Restaurierung veranlasst und das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. In Herongen stehen seitdem zwei katholische Kirchen in der Ortsmitte. Da das Dach der neuen Kirche für circa eine Million Euro erneuert werden musste, entschied das Bistum Münster im Jahr 2022, die Alte Kirche aufzugeben und zu veräußern. Daraufhin gründet sich im April 2023 der Verein Alte Kirche Herongen, der im August 2024 das Gebäude samt Chorgestühl, Hochaltar aus dem 18. Jahrhundert, Figuren und Kreuz aus dem 16. Jahrhundert plus Grundstück für einen symbolischen Euro erwirbt.
Diakon Ludwig Wolf weihte die Räumlichkeiten ein.
Im Oktober 2025 konnten die Bauarbeiten für den Anbau beginnen, der mit Küche und Sanitäranlagen ausgestattet ist. Im August 2026 wird im Kirchenraum eine neue Heizungsanlage eingebaut, eine neue Bestuhlung und Tische erworben, die Elektroinstallation überarbeitet, die Außenbeleuchtung, erneuert und erweitert, ein Innenanstrich vorgenommen und eine neue Veranstaltungstechnik (Licht und Ton) eingebaut.
Neue Mitglieder willkommen
Die finanziellen Mittel für die Sanierung und den Anbau kamen von verschiedenen Seiten. Die Stadt Straelen, die Kirchengemeinde St. Marien, die Leader-Region „Leistende Landschaft“ sowie die NRW-Stiftung unterstützten das Projekt tatkräftig. Auch die Mitglieder des Trägervereins, der derzeit aus acht aktiven Vorstandsmitgliedern und über 370 Mitgliedern besteht, trugen ihren Teil dazu bei. „Um die Betriebskosten zu decken, sind wir weiterhin unter anderem auf Mitgliedsbeiträge angewiesen“, betont die 1. Kassiererin Margret Schlüpen-Peeters und wirbt um weitere Unterstützung. Ein Vereinsbeitritt ist mit einem Jahresbeitrag von mindestens 15 Euro jederzeit möglich.
Lebendiges Miteinander
Die Zukunft der Alten Kirche sieht vielversprechend aus. Die erste standesamtliche Trauung konnte hier bereits gefeiert werden, und zahlreiche Anfragen für weitere Trauungen liegen beim Standesamt Straelen vor. In Kooperation mit dem Kulturring Straelen, der den Verein in Sachen Veranstaltungen und Technik berät, sind bereits erste Veranstaltungen durchgeführt worden, und viele weitere sind geplant (www.kulturring-straelen.de). Feste Termine im Veranstaltungskalender sind der Weihnachtsmarkt des Vereins Oss Dörpke an der Alten Kirche in Herongen am 6. Dezember und das Adventssingen mit dem Jugendorchester des Musikvereins Herongen am 23. Dezember (mit Glühweinausschank durch den Trägerverein). „Dann werden auch die Turmbläser auf dem Glockenturm zum Einsatz kommen“, freut sich Walter Verbücheln. Auch ein Weinfest im nächsten Sommer und das 30-jährige Bestehen des Frauenchors Heringa im Juni 2027 stehen auf der Agenda.
Zahlreiche Besucher folgten der Einladung zur feierlichen Eröffnung.
Neben kulturellen Veranstaltungen wird die Alte Kirche auch für kirchliche Zwecke genutzt. Andachten zu verschiedenen Anlässen, darunter Schulandachten und Rosenkranzgebete, finden hier statt. Zudem kündigt Peter Heykamps an, eine alte Tradition in der Alten Kirche wieder aufleben zu lassen. „Wir möchten in der Alten Kirche Beerdigungskaffees ermöglichen, bei denen die Nachbarschaften die Bewirtung übernehmen.“ Gerne nimmt der Verein weitere Ideen zur Nutzung des Gebäudes entgegen, „wobei wir immer den Blick auf das ehrwürdige Gebäude richten müssen“, betont Heykamps. „Dieser Ort soll auch keine Konkurrenz zu anderen bereits bestehenden festen Veranstaltungen werden. Vielmehr soll er das Dorfleben bereichern und das gemeinschaftliche Miteinander fördern.“ Mit der feierlichen Wiedereröffnung der Alten Kirche Herongen beginnt ein neues Kapitel, das sowohl die reiche Geschichte des Gebäudes ehrt als auch den Blick in eine lebendige Zukunft richtet.
Weitere Informationen unter www.alte-kirche-herongen.de.
Die feierliche Eröffnung der Alten Kirche Herongen. NN-Fotos: Theo Leie