Bewegender Vortrag von Johann van Doorn (Mitte) auf Einladung von Josef Gietemann, 1. Vorsitzender des Vereins Arenacum, (Mitte rechts) und Museumsleiter Frank Mehring (links). Foto: Peter Hendriks
7. Oktober 2024 · Kleve

„Destroy the Town“

Kleve im Fokus eines bewegenden grenzüberschreitenden Vortrags

KLEVE. Am vergangenen Samstag folgten rund 90 interessierte Bürger aus Kleve und Umgebung der Einladung des Arenacum-Vereins und der Airborne Vrienden Groesbeek, um einem fesselnden Vortrag des renommierten niederlaendischen Militärhistorikers Johan van Dorn zu lauschen. Im gut gefüllten Clivia-Gebäude entführte van Doorn die Anwesenden in die dramatischen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs, mit einem besonderen Fokus auf die Bombardierung von Kleve am 7. Oktober 1944.

Der Vortrag begann mit einer detaillierten Schilderung der Operationen im Vorfeld der Bombardierung. Van Doorn spannte einen historischen Bogen vom D-Day bis zu den dramatischen Tagen im Herbst 1944. Besonders im Vordergrund stand die Rivalität zwischen den beiden hochrangigen Alliierten-Kommandeuren, Feldmarschall Bernard Montgomery und dem Obersten Befehlshaber der alliierten Expeditionsstreitkräfte, Dwight D. Eisenhower. Mit Leidenschaft und Fachwissen erklärte van Doorn, wie Montgomery die „Operation Comet“ plante – eine militärische Offensive, die mit dem Vorstoss nach Wesel das Potenzial hatte, den Krieg möglicherweise noch vor Weihnachten 1944 zu beenden. Allerdings wurde der Plan von Eisenhower verworfen, was, so van Doorn, zu einem bedeutenden Wendepunkt führte. „Es hätten über eine Million Soldaten vor dem ultimativen Opfer bewahrt werden können“, sagte van Doorn, als er die möglichen Folgen dieser Entscheidung beleuchtete.

Im zweiten Teil des Vortrags richtete van Dorn das Augenmerk auf die spezifischen Gründe, die zur Bombardierung Kleves führten. Mit der berüchtigten Anweisung „Destroy the Town“ stand die Stadt vor einer völligen Zerstörung. Beeindruckend war der Einsatz von bislang unveröffentlichten Luftaufnahmen aus einer Höhe von 2,5 bis 3,5 Kilometern, die es den Zuhörern ermöglichten, die Zerstörung Kleves quasi minutiös nachzuvollziehen. Der Vortrag ließ die verheerenden Auswirkungen der Bombenangriffe in erschütternder Deutlichkeit lebendig werden und zeigte, wie strategische Ziele das Schicksal einer ganzen Stadt und deren Umgebung beeinflussten.

Im Anschluss an van Dorns Vortrag entbrannte eine lebhafte Diskussion. Die Teilnehmer setzten sich intensiv mit den unterschiedlichen militärischen Strategien auseinander, hinterfragten die Zielsetzungen und erörterten die Bedeutung von Kleve als Nachschubknotenpunkt der Wehrmacht. Auch die Unterscheidung zwischen gesicherten Fakten und möglichen Interpretationen sorgte für angeregten Gesprächsstoff.

Zum Abschluss bedankte sich Museumsleiter Frank Mehring im Namen des Arenacum-Vereins bei Johan van Doorn. Er würdigte den Vortrag als „complex, kennisrijk en belangrijk“ – komplex, sachkundig und bedeutend. Besonders hob er die Wichtigkeit des Austausches über die deutsch-niederlaendische Geschichte dies- und jenseits der Grenze hervor, der einen unverzichtbaren Beitrag zur gemeinsamen Aufarbeitung der Vergangenheit leiste.

Auch Josef Gietemann, der 1. Vorsitzende des Vereins Arenacum, schloss sich den Dankesworten an. Er betonte die bedeutende Unterstützung der Euregio Rhein-Waal, ohne die eine Veranstaltung dieser Größe mit Verkostung nicht möglich gewesen wäre. Zum Abschluss lud Frank Mehring die Anwesenden zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung „80 Jahre Befreiung“ am Sonntag, 13. Oktober, um 11 Uhr ins Museum Forum Arenacum ein. Diese Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit den Airborne Vrienden Groesbeek entstanden ist, verspricht weitere spannende Einblicke in die Geschichte der Region über die Medien Fotografie, Malerei, Film und Musik.

Um 17 Uhr endete eine außergewöhnliche Informationsveranstaltung, die den Teilnehmenden tiefgreifende neue Erkenntnisse und Perspektiven auf die Kriegsereignisse in ihrer Heimatstadt vermittelte. Die Resonanz der Besucher war durchweg positiv, und viele äußerten sich beeindruckt über die Tiefe und den Umfang der präsentierten Informationen.

Eine gelungene Veranstaltung, die Geschichte lebendig werden ließ und eindrücklich zeigte, wie wichtig es ist, sich grenzüberschreitend mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, um die Zukunft zu gestalten.

Bewegender Vortrag von Johann van Doorn (Mitte) auf Einladung von Josef Gietemann, 1. Vorsitzender des Vereins Arenacum, (Mitte rechts) und Museumsleiter Frank Mehring (links). Foto: Peter Hendriks