"Die neuen Ritter aus Rees: Johannes Erlebach, René Bolk, Benedikt Brömling, Gruppenfoto von TobiasHerbstMedia"
1. Mai 2026 · Emmerich

Der neue Ritter aus Elten: „Es ist weniger Auszeichnung als Aufgabe“

René Bolk und sieben weitere Schützen aus dem Landesbezirk Niederrhein sind im Rahmen einer EGS-Tagung in die Ritterschaft vom Heiligen Sebastianus in Europa aufgenommen worden.

EMMERICH/REES. Einen Ritter erkennt man nicht zwangsläufig an Schwert, Schild und Pferd. Manchmal deutet nur eine eher unscheinbare Plakette darauf hin. Zumindest, wenn es um die Ritterschaft vom Heiligen Sebastianus in Europa geht. Ihr gehört seit kurzer Zeit auch René Bolk an. Der stellvertretende Brudermeister der St.-Martinus-Schützenbruderschaft Elten wurde im Rahmen der Frühjahrstagung der Europäischen Gemeinschaft Historischer Schützen (EGS), gemeinsam mit sieben weiteren Schützenbrüdern vom Niederrhein, in die Ritterschaft aufgenommen. „Das war ein wirklich schöner Moment“, erinnert sich Bolk.

Während eines feierlichen Pontifikalamtes in der Kirche Heilige Dreifaltigkeit in Weißenthurm in Rheinland-Pfalz, zelebriert unter der Leitung des Trierer Weihbischofs Robert Brahm, erhielten Bolk sowie Benedikt Brömling und Johannes Erlebach (beide aus Haldern) aus dem Bezirk Rees den Ritterschlag. Ebenfalls aufgenommen wurden Linus Wollny und Wilhelm Willemsen (beide Wardt), Hans-Georg Angenendt (Birten) sowie Wilfried Welbers und Maurice Ratajczak (beide Xanten) aus dem Bezirk Moers. Der Ritterschlag erfolgte durch EGS-Präsident Albert-Henri Prinz de Merode.

Nun 17 Ritter vom Niederrhein

"Maurice Ratajczak beim Ritterschlag durch EGS-Präsident Albert-Henri Prinz de Merode, Foto von TobiasHerbstMedia"

Maurice Ratajczak beim Ritterschlag durch EGS-Präsident Albert-Henri Prinz de Merode. Foto: TobiasHerbstMedia Foto: TobiasHerbstMedia

Mit den Neuaufnahmen wächst die Zahl der Ritter aus der Region Niederrhein auf insgesamt 17, in der EGS besteht die Gemeinschaft derzeit aus rund 1.000 Rittern aus zehn europäischen Ländern. Die Investitur ist Teil der regelmäßig stattfindenden internationalen Treffen der EGS, die an wechselnden Orten in Europa ausgerichtet werden. Die 1955 gegründete Gemeinschaft vereint heute etwa 2.800 Bruderschaften und Vereine mit etwa einer Million Mitgliedern und versteht sich als Netzwerk zur Pflege von Tradition, Brauchtum und europäischem Austausch.

Für den 46-jährigen René Bolk kam die Aufnahme in die Ritterschaft eher überraschend: „Am Niederrhein läuft die EGS ein Stück weit unter dem Radar. Ich selbst kannte sie auch erst seit zwei oder drei Jahren“, berichtet er. Erst durch eine Begegnung mit EGS-Vizepräsident Horst Thoren auf einem Schützenfest in Korschenbroich sei er auf die Organisation wirklich aufmerksam geworden. „Mir war seine EGS-Plakette aufgefallen – und plötzlich stand ich mitten im ‚Who is who‘ des europäischen Schützenwesens.“

Ritterschlag: Für ein friedliches, vereintes Europa

Aus einem Gespräch mit Horst Thoren entwickelte sich schließlich ein Gesuch für die Ritterschaft, unterstützt durch seine Empfehlung sowie die des Diözesanbundesmeisters Ludger Koppers. Dass er tatsächlich zum Ritter geschlagen würde, habe er zunächst mit einem leichten Schmunzeln aufgenommen, sagt Bolk. „Ich kannte so etwas nur aus dem Fernsehen.“ Die Investitur selbst habe ihn dann aber tief beeindruckt: „Die Kirche war bis auf den allerletzten Platz besetzt. Jeder klopfte einem auf die Schulter und gratulierte – das war schon etwas Einmaliges.“

"Aufnahme in die Ritterschaft in der Kirche Heilige Dreifaltigkeit, Weißenthurm, Rheinland-Pfalz"

In der Kirche Heilige Dreifaltigkeit in Weißenthurm in Rheinland-Pfalz fand die Aufnahme in die Ritterschaft statt. Foto: Foto: TobiasHerbstMedia

Dennoch sieht Bolk den Titel nicht als persönliche Ehrung. „Es ist weniger eine Auszeichnung als vielmehr eine Aufgabe“, betont er. Als sogenannter Devotionsritter gehe es vor allem darum, die Werte der EGS zu vertreten – etwa den Einsatz für ein friedliches, vereintes Europa und die Pflege christlicher Traditionen. Gerade in der heutigen Zeit gewinne dieser Gedanke an Bedeutung: Der Austausch über Ländergrenzen hinweg und das gemeinsame Feiern verschiedener Generationen seien zentrale Elemente.

Zugleich sieht Bolk die neuen Ritter als Chance für die Region. „Der Niederrhein ist in der EGS bislang unterrepräsentiert. Ich hoffe, dass wir das ändern können.“ Ziel sei es, die Gemeinschaft bekannter zu machen und auch neue Impulse zu setzen – etwa durch caritative Projekte. „Da gibt es schon einige Ideen“, sagt er.

Mit Vorbildcharakter, für Tradition und Gemeinschaft

Die Rolle als Ritter versteht Bolk auch mit einem gewissen Vorbildcharakter, gerade für jüngere Menschen, „auch wenn ‚Vorbild‘ natürlich ein großes Wort ist“. Tradition und Gemeinschaft hätten wieder an Bedeutung gewonnen: „Eine Ankerstelle für Menschen zu sein, speziell für Jugendliche, ist wieder schick geworden.“ Gleichzeitig relativiert er: Viele engagierte Schützen hätten eine solche Aufnahme ebenso verdient. „Ich war wohl zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“

Mit Blick nach vorne hofft René Bolk, die Verbindung zwischen Niederrhein und EGS weiter zu stärken, zudem positive Werbung für das Schützenwesen zu betreiben. Denkbar sei langfristig sogar eine Veranstaltung der Gemeinschaft in der Region. „Vielleicht gelingt es uns ja, eine EGS-Tagung an den Niederrhein zu holen.“

Die neuen Ritter aus dem Bezirk Rees: (v. l.) Johannes Erlebach, René Bolk und Benedikt Brömling. Foto: TobiasHerbstMedia