„Der Krebs hat mich stärker gemacht“
Elke Reouven aus Kleve hat ein (Tage)Buch über eine herausfordernde Zeit in ihrem Leben geschrieben
„Besser Krebs als Liebeskummer“ steigt da ein, wo alles angefangen hat. An dem Tag im März 2022, an dem sie den Knoten entdeckt hat. „Zu dem Zeitpunkt ging es mir nicht besonders gut“, blickt sie zurück. Ein seelischer Tiefpunkt, vielleicht war es sogar eine ausgewachsene Lebenskrise. Dazu die „äußeren Umstände“, noch während der Corona-Pandemie und nach Beginn des Ukraine-Kriegs. Viel Raum für Reflektion. Sowohl auf sich selbst bezogen, als auch aufs große Ganze. „So eine Diagnose erwischt einen ja nicht im luftleeren Raum“, sagt Reouven, die ihr Buch unter dem Pseudonym Ann-Marie Elkoven im Eigenverlag herausgegeben hat. „Es ist für mich okay, wenn die Menschen vor Ort meinen richtigen Namen wissen“, sagt sie. Nur weltweit im Internet, da wollte sie nicht mit ihrer doch sehr persönlichen Geschichte auftauchen. „Zumindest nicht so oft“, räumt sie ein. Im Schreiben hat Reouven Übung. Nicht beruflich. Da arbeitet sie im Betreuten Wohnen. Aber seit über 40 Jahren führt sie eisern Tagebuch. In dem Stil hat sie auch ihr Buch verfasst.
Der Krebs kam zu einer Zeit, in der sich Elke Reouven neu verliebt hatte. Es lief nicht wirklich gut. Hinzu kam, dass auch er damals sehr krank war. „Liebeskummer ist mein großes Lebensthema“, gibt Reouven ohne Umschweife zu. „Ich war über all die Jahre immer wieder sehr unglücklich verliebt!“ Gerade ist sie aber glücklich mit dem Mann, der sie mit ihrer Krankheit allein gelassen hat. „Er hatte mit sich selbst genug zu tun“, nimmt sie ihm das nicht übel. Später habe sie erfahren, dass seine Mutter an Krebs verstorben ist. „Er wollte nichts von meiner Krankheit wissen“, sagt sie. Diese Schlacht habe sie also ohne einen Partner, dafür aber mit tragfähiger Unterstützung aus ihrem Umfeld, geschlagen. Heute pflegt sie die Fernbeziehung, die sich für sie in diesem Moment richtig anfühlt. Mit Konventionen muss man ihr nicht kommen. Das interessiert sie wenig. „Man muss bereit sein, immer wieder die Spur zu wechseln“, ist ihre Erfahrung.
Reouven sagt auch: „Der Krebs hat mich stärker gemacht.“ Das sei nicht falsch zu verstehen: „Ich will die Erkrankung nicht beschönigen oder herunterspielen. Zwischenzeitlich ging es mir körperlich und auch seelisch wirklich schlecht“, sagt sie. Der Schwindel, die Übelkeit, der Haarausfall, das viele Allein-Sein und die Einbußen an Energie. „Am schlimmsten waren die Fingernägel“, erinnert sie sich. Die hätten irgendwann „gestunken und genässt“. „Als würde man von innen verwesen“, beschreibt sie. Mit einer Chemo-Pause und Antibiotika ging schließlich auch das vorüber. Dennoch habe sie den Brustkrebs keine Sekunde lang als ernsthafte Bedrohung oder gar als Todesurteil gesehen. „Da gibt es andere Dinge, die mir mehr Angst machen“, sagt sie. Manchmal ging´s sogar mit dem E-Bike zur Chemotherapie, gearbeitet hat sie trotzdem – trotz zahlreicher schlafloser Nächte, einer weiteren Nebenwirkung der „Chemiekeule“. Mittendrin unternahm sie mit ihren beiden Söhnen sogar noch eine Reise nach Israel. Ein Familientreffen, denn dort lebt der Vater ihrer Kinder. „Das war kurz vor der Operation und im Oktober kann man da noch ins Meer“, erklärt sie. Das habe sie nicht nach dem Eingriff machen wollen. Ganz pragmatisch eben. 16 Chemozyklen hat Elke Reouven mit dieser Einstellung ziemlich gut hinter sich gebracht. „Darum geht es in meinem Buch auch“, erklärt sie, „es geht um die Haltung.“ Und auch Kritik findet statt. Kritik am Gesundheitssystem. Im Großen und Ganzen fühlte sie sich gut begleitet, „aber es gab auch Momente, in denen es unpersönlich wurde“. Kritik übt sie auch am Umgang mit der Krankheit im persönlichen Umfeld. „Ich war dann plötzlich nicht mehr die Elke, sondern ich war die Elke mit Krebs“, fühlte sie sich zeitweise auf ihre Erkrankung reduziert.
„Besser Krebs als Liebeskummer“ sei kein Fachbuch. Vielmehr solle es dazu ermutigen, zu reflektieren und Mut zu fassen. „Mir hat der Krebs letztlich gut getan“, sagt Elke Reouven heute. „Weder Krebs noch Liebeskummer sollte einen in die Opferrolle drängen“, findet sie und betont: „Auch der auf manche Leute vielleicht provokant erscheinende Titel ist eine Haltung. Es ist mein persönlicher Standpunkt.“ Wer sich die 252 Seiten vornimmt und Reouven über diese eineinhalb Jahre lang begleitet, wird Höhen und Tiefen erleben, sich aber durchaus auch humorvoll unterhalten fühlen. Zumindest sind die Reaktionen bislang durchweg positiv. „Jetzt schreibe ich gerade an einem Buch über mein Leben“, hat Reouven Gefallen am Autorendasein gefunden. Da geht es auch um jede Menge Höhen und Tiefen, um prägende Erfahrungen, um Abenteuer, gute und schlechte Entscheidungen. Veröffentlichen will sie das aber wohl nicht. „Ich schreibe das alles für meine beiden Söhne auf“, sagt sie.
„Besser Krebs als Liebeskummer“ (Autorenpseudonym Ann- Marie Elkoven) kann man für 12,99 Euro im Buchhandel und online bestellen.
Elke Reouven schreibt über ihre Erkrankung und ihr großes Lebensthema: Liebeskummer. NN-Foto: vs