„Dem Hass entgegentreten“
Grüne besuchen Issumer Synagoge
NIEDERRHEIN. Die Grünen-Landtagskandidatin Paula Backhaus, Julia Bauermeister und Frank Schulmeyer von den Grünen Issum und der Co-Sprecher der Grünen-Kreistagsfraktion, David Krystof, waren jetzt zu Gast in der ehemaligen Synagoge in Issum. Im Mittelpunkt des Besuchs standen die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Issum, die Bedeutung des Erinnerungsortes und die ehrenamtliche Arbeit des Arbeitskreises Jüdisches Bethaus Issum. Eine Arbeit, die nach Meinung der Grünen weiterhin unterstützt werden muss. Sie beziehen sich dabei auf die Aussage des Nordrhein-Westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst, wonach Schüler in NRW künftig während ihrer Schulzeit mindestens einmal eine NS-Gedenkstätte besichtigen sollen. „Es ist wichtig, die Erinnerung wachzuhalten, damit sich Geschichte nicht wiederholt“, so Paula Backhaus, Landtagskandidatin der Grünen Kreis Kleve I. Einen Tag vor dem Besuch gab es einen Anschlag auf die Synagoge in Wuppertal.
Die Geschichte der Synagoge in Issum reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Weil sie 1935 verkauft und nicht mehr als Synagoge genutzt wurde, überstand sie die Naziherrschaft. Die Gemeinde Issum erwarb den Gebäudekomplex 1987 und richtete sie als Gedenkstätte ein. Heute ist die ehemalige Synagoge ein besonderer Erinnerungsort: Sie gehört zu den wenigen erhaltenen historischen Synagogen in Nordrhein-Westfalen und ist die einzige erhaltene Dorfsynagoge am unteren Niederrhein. Der Arbeitskreis Jüdisches Bethaus Issum kümmert sich darum, die Erinnerung wachzuhalten und richtet Führungen durch das Gotteshaus aus. „Gerade in Zeiten des wachsenden Antisemitismus ist es wichtig, die lange Tradition jüdischen Lebens bei uns sichtbar zu machen. Die Arbeit des Arbeitskreises kann man deshalb gar nicht hoch genug einschätzen“, sagen Backhaus, Bauermeister, Schulmeyer und Krystof. Sie sind überzeugt, dass eine solche Erinnerungsarbeit auch verlässliche personelle und finanzielle Rahmenbedingungen braucht. „Nur so können solche Orte auch künftig für Bildungsarbeit und öffentliche Vermittlung zur Verfügung stehen“, sagen die Grünen Politiker.
Der Besuch in Issum verdeutlichte, welche Bedeutung konkrete Erinnerungsorte für die Vermittlung jüdischer Geschichte und für die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Verfolgung haben. Die ehemalige Synagoge mache dabei Geschichte am konkreten Ort erfahrbar. Die Grünen Politiker schlagen aber auch einen Bogen zur Gegenwart. „Heute sind jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger in Deutschland wieder bedroht. Und wir müssen alle dieser Bedrohung und diesem Hass entgegentreten und klarstellen: Jüdisches Leben gehört zu unserer Gesellschaft – schon seit Jahrhunderten.“
Julia Bauermeister, Frank Schulmeyer, Werner Brall, Paula Backhaus und David Krystof (v.l.).