Ilias Gahlings hat eine App entwickelt, die glücklich(er) macht. NN-Foto: Rüdiger Dehnen
25. Juli 2025 · Kleve

Dem Glück auf der Spur

Die „happy:all“-App soll motivieren und auch gegen Einsamkeit helfen

KLEVE. Endorphine, Oxytocin, Dopamin und Serotonin: Das sind die Botenstoffe, die das Gehirn bei verschiedenen Aktivitäten freisetzt und Menschen „glücklich“ macht – zum Beispiel bei einem leckeren Essen oder beim Sport. „Auch zwischenmenschliche Beziehungen machen uns glücklich und zufrieden“, sagt Ilias Gahlings, der sich seit vielen Jahren mit dem Thema „Glück“ befasst. Jetzt hat der Klever eine App entwickelt, die dabei helfen soll, glücklicher zu werden und auch zu bleiben. Bevor sie an den Start geht, steht aber erstmal die Testphase an. Dafür sucht Gahlings noch Testpersonen.

„Die Teilnahme ist kostenfrei und unverbindlich“, versichert Gahlings, der zusammen mit einem Programmierer seit einigen Monaten intensiv an der App arbeitet, die nun auf Alltagstauglichkeit und Schwachstellen getestet werden soll. Bestimmte Voraussetzungen für die Teilnahme gibt es nicht. „Der Aufwand ist gering und man muss nur ab und an einige Fragen beantworten“, erklärt der 41-Jährige, was er erwartet.

Das Prinzip von „happy:all“ ist schnell erklärt: Aufgeteilt in fünf Glücks-Kategorien gibt die App Impulse und verteilt Aufgaben (Challenges). Wer sie erfüllt, bekommt dafür Punkte, die dann wiederum in Geschäften vor Ort eingelöst werden können. „Als Belohnung gibt es dann Rabatt in einem Café“, nennt Gahlings ein Beispiel. Erste Partner konnte er bereits von seiner Idee überzeugen, so ist auch eine Apotheke mit im Boot, ebenso Kino, Juwelier und eine lokale Schnellrestaurantkette. „Für die Einzelhändler ist es gute Werbung. Wenn man wegen des Rabatts kommt und das Einkaufserlebnis gut ist, wird derjenige wiederkommen und auch anderen davon erzählen“, sagt Gahlings.

„Positive zwischenmenschliche Beziehungen sind der stärkste Faktor für langfristige Gesundheit und Wohlbefinden“, verweist Gahlings auf eine Langzeit-Studie der Harvard-Universität. Diese Erkenntnis bilde das Fundament von happy:all. Es ginge darum, gut für sich zu sorgen (happy:me), eine ausgewogene Work-Family-Balance (happy:family), Vertrauen (happy:friends), ganzheitliches Denken (happy:nature) und um einen offenen, empathischen Umgang mit der Gesellschaft (happy:strangers). Gahlings: „Die App setzt wöchentlich einen anderen Schwerpunkt und gibt kleine Impulse, stellt Aufgaben oder schlägt Übungen vor, die Verbindung, Wertschätzung und Resilienz fördern.“ So könne es eine Aufgabe sein, einem Fremden ein ernst gemeintes Kompliment zu machen, eine Runde im Wald zu spazieren, gemeinsam zu kochen oder auch mal einen Tag ohne Plastikmüll auszukommen.

Weil sich das nicht nur positiv aufs Privatleben, sondern auch auf den Arbeitsalltag auswirkt, würde Gahlings für die Testphase gern auch Firmen gewinnen. „Emotionale Stabilität führt zu einer besseren Teamdynamik“, weiß Gahlings. Ein starkes Team sorge für Motivation und dafür, sich mit dem Unternehmen zu identifizieren. „Da geht es dann um Mitarbeiterbindung und natürlich auch um die Leistungsfähigkeit“, sagt Gahlings, der Medienwirt (Diplom) ist und in ganz unterschiedlichen Bereichen von Marketing bis Gastronomie gearbeitet hat. Nach einem Burnout hat er sich zur Fachkraft für Stressmanagement weitergebildet und ist heute beratend tätig. „Ich weiß, wie es ist, wenn man ständig unter Druck steht und sein persönliches Glück aus den Augen verliert“, erklärt er, wie er auf die Idee gekommen ist, eine App zu entwickeln. „Den Impuls gibt zwar die App, aber agieren müssen die Nutzer in der realen Welt“, ist ihm wichtig. Denn zum Glück findet man nicht ohne Eigeninitiative. Dabei ginge es dann auch um ein weiteres großes Problem in der heutigen Gesellschaft: Einsamkeit. Das macht nämlich auch unglücklich – und im schlimmsten Fall sogar krank. „Man kann von vielen Leuten umgeben sein und sich trotzdem einsam fühlen“, weiß Gahlings. „Viele Menschen brauchen keine App, um glücklich zu sein – sie haben erfüllende Beziehungen und Nähe im Alltag. Aber es gibt auch sehr viele Menschen, die sich oft einsam fühlen. Die sich nach echter Verbindung sehnen, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Für sie ist happy:all da – als sanfte Einladung, wieder mehr Zwischenmenschliches in ihr Leben zu bringen. Schritt für Schritt.“ Hier möchte er ansetzen und der App-Community Möglichkeit zum Austausch oder zum Verabreden gemeinsamer Aktivitäten bieten. „Man könnte zusammen Gutes tun, zum Beispiel ein Bauprojekt in einem Tierheim unterstützen, Müll sammeln oder Bäume pflanzen“, sind einige seiner Ideen. Ein weiterer Ansatz wäre, Punkte zu sammeln und diese dann in eine Spende für den guten Zweck umzuwandeln. Doch zunächst geht es jetzt in die Testphase, bevor „größer gedacht“ wird. Gahlings möchte zunächst die Menschen am Niederrhein erreichen, später soll die App bestenfalls bundesweit zum Einsatz kommen. Auf www.happy-all.de findet man weitere Informationen zur App. Wer als Testperson, Firma oder Punkte-Partner dabei sein möchte, kann sich per Mail (ilias@happy-all.de) bei Gahlings melden. Starten soll der Testlauf innerhalb der nächsten beiden Wochen.

Ilias Gahlings hat eine App entwickelt, die glücklich(er) macht. NN-Foto: Rüdiger Dehnen