Das Thema Schulstandort bewegt die Kesseler Bürger
Verwaltung und Bürger tauschten bei einem Treffen ihre Argumente aus – eine Einigung kam nicht zustande
Der Saal war voll besetzt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Stadtpressesprecher Torsten Matenaers; neben dem Bürgermeister standen Wolfgang Jansen, Betriebsleiter des Vermögensbetriebes der Stadt Goch, und Judith Boell, Fachbereichsleiterin für Jugend, Schule, Sport und Soziales, Rede und Antwort. Bürgermeister Knickrehm erläuterte zu Beginn der rund zweistündigen Veranstaltung noch einmal, wie es überhaupt zu der jetzigen Situation gekommen ist.
Der zunächst durch einen Ratsentscheid gebilligte Umbau des Standortes Kessel sei einzig und allein deshalb gestoppt worden, weil sich die dafür veranschlagten Kosten durch eine unvorhergesehene Sanierung feuchter Kellerräume um mehr als zehn Prozent erhöht hätten. „Da wurde überhaupt nichts ,künstlich‘ geregelt“, betonte er. „Dann mussten wir uns mit der zweiten Frage beschäftigen: Ab 2029 besteht von der 1. bis zu 4. Klasse ein Anspruch auf acht Stunden Betreuung in der Grundschule; die Unterrichtszeit wird darauf angerechnet, das heißt, dass man genauso viel Betreuungs- wie Unterrichtsraum braucht. Wie können wir das umsetzen und was können wir tun, damit wir bis dahin ,fit‘ sind?“, formulierte Knickrehm die anstehenden Aufgaben der Verwaltung. Dafür müsse unter anderem die Niers-Kendel-Schule dreizügig werden, das habe der Schulausschuss am 20. April einstimmig beschlossen. Kinder aus dem Einzugsbereich Kessel, Asperden, Nierswalde, dem Gocher Westen und gegebenenfalls Hassum sollen dort beschult werden. Ein Schulneubau in Asperden biete hier die besten Voraussetzungen. Inzwischen hat sich auch die Schulkonferenz für einen solchen Neubau ausgesprochen. Judtih Boell unterstrich, dass dies aus pädagogischer und schulfachlicher Sicht die beste Lösung sei. Eine Ansicht, die im Laufe des Abends allerdings auf wenig Gegenliebe stieß. Während seitens der Verwaltung vor allem mit der erforderlichen Neugestaltung der Grundschullandschaft argumentiert wurde, führten die Teilnehmer aus den Reihen der Bürgerinitiative Kessel und des Verkehrs- und Heimatvereins (VHV) die Frage nach den Kosten ins Feld und verwiesen auf „weiche Faktoren“, wie die Auswirkungen einer Schließung des Teilstandortes Kessel auf das Dorfleben.
Wolfgang Jansen machte deutlich, dass die Zahlen für Umbau, Sanierung oder Neubau eng beieinander lägen: „In der jetzigen Phase ist maximal eine Kostenvermutung möglich, wir neigen zum Neubau auf der grünen Wiese, weil sich der am ehesten kalkulieren lässt.“ Dies auch mit Blick auf das Konzept, das die Bürgerinitiative Kessel vorgelegt hat und damit gleichzeitig den Umbau und die Modernisierung der Standorte Kessel und Asperden favorisiert. Eines machte Bürgermeister Knickrehm aber auch ganz klar: Diese Ausarbeitungen der Bürgerinitiative sind nicht mehr entscheidungsrelevant und er musste sich dafür den Vorwurf gefallen lassen, dass eine Diskussion doch gar nicht gewünscht sei. Er konterte: „Wir hätten als Verwaltung auch hinter dem Berg halten können, aber wir wollten über das informieren, was für uns wesentlich und maßgeblich ist.“ Zudem würdigte er den Einsatz und die damit verbundene Arbeit der Initiative. „Die Sorge, dass das Dorfleben leidet, verstehe ich gut“, betonte er, „aber wir müssen auch die Interessen der Asperdener und Nierswalder Bürger berücksichtigen. Wir haben uns durchaus überlegt, was wir Kessel antun, aber es ist unumgänglich – da müssen wir fachlich durch.“
Den Standort einer neuen Schule habe man nicht an den Rand legen wollen, argumentierte Wolfgang Jansen. Asperden sei zentral gelegen, ein Neubau störe den laufenden Schulbetrieb nicht. Der in der Versammlung geäußerte Vorschlag, die Schule neben das GochNess zu setzen, sei baurechtlich nicht umsetzbar.
Was es brauche, um den Standort Kessel zu erhalten, wurde Ulrich Knickrehm gefragt. „Eine Bevölkerungsentwicklung, die dies gestattet und die Expertise der Schulrätin – doch hier haben wir das genaue Gegenteil.“
Eine erste Entscheidung fällt nun am 9. Mai in der Sitzung des Schulausschusses. Letztendlich entscheidet aber der Rat der Stadt Goch. „Hier hat die Verwaltung nur eine Stimme – meine“, unterstrich Bürgermeister Knickrehm. Wolfgang Jansen rechnet im Falle der Zustimmung zum Neubau mit dem Start von Baumaßnahmen im zweiten Halbjahr 2024. Ulrich Knickrehm warb darum, gemeinsam etwas für das Dorfleben zu tun: „Wenn die Schule geschlossen wird, dann bitte ich Sie, ihre starre Haltung aufzugeben, sich zusammenzusetzen und zu überlegen, was wir tun können.“
Wer sich für die Beschlussdrucksachen und weitere Informationen aus der Verwaltung interessiert, findet diese unter www.goch.de (Ratsinformationssystem).Corinna Denzer-Schmidt
Bürgermeister Ulrich Knickrehm hatte die Kesseler zum Austausch eingeladen.
Wolfgang Jansen, Betriebsleiter des Vermögensbetriebes der Stadt Goch.
Judith Boell, Fachbereichsleiterin für Jugend, Schule, Sport und Soziales.
Der Saal im Restaurant Rhodos war voll besetzt. NN-Fotos (4): CDS