Das Problem mit der Milch
Der Kreislandwirt erklärt, warum die Butter teurer geworden ist / Auch auf der „GreenLive“ ist das Thema
„Im vergangenen Jahr hatten wir nicht so viel Sonneneinstrahlung, wodurch die entsprechenden Nährstoffe im Futter fehlten. Deshalb ist der Fettgehalt nun auch in der Milch nicht so da wie sonst“, erläutert Seegers. Der fehlende Fettanteil sei deshalb in diesem Jahr der Knackpunkt und führe zu Preissteigerungen von Milchprodukten aller Art.
Allgemein stünde die Molkereibranche und Milchviehhaltung vor großen Problemen, was sich bereits in rückläufigen Milchmengen widerspiegele. Der Verband der Milchviehindustrie rechnet zudem mit einem weiteren Rückgang der Milchproduktion von fünf bis sieben Prozent in den kommenden Jahren. Besonders die strengen Umwelt- und Tierschutzauflagen seien die Gründe dafür. „Heute müssen Milchviehbetriebe regelmäßig in ihre Betriebe investieren. Wer fünf Jahre nichts investiert, kann das nicht mehr aufholen“, sagt Seegers. Die Krux dabei sei zudem, dass die meisten Landwirte zwar in ihre Betriebe investieren würden, dadurch aber keinen höheren Ertrag erwirtschaften könnten. Sie würden nur investieren, um die Auflagen der Politik erfüllen zu können.
Darüber hinaus hätten sich die notwendigen Investitionssummen deutlich vergrößert. „Früher reichte ein sechsstelliger Betrag aus, heute ist es ein siebenstelliger“, sagt Seegers. Allein der Futterroboter hätte sich in den letzten zehn Jahren von 180.000 Euro auf 280.000 Euro verteuert: „Dabei kann er nichts mehr. Er ist komplett baugleich.“
Unterm Strich sei aber das größte Problem in der hiesigen Landwirtschaft der fehlende Nachwuchs. „Heute möchte kaum einer mehr die Betriebe übernehmen“, sagt Seegers – und das sei irgendwo sogar verständlich. Denn bei hohen (Investitions-)Kosten, hohen Auflagen seitens der Politik, viel Arbeit und gleichzeitig verhältnismäßig wenig Ertrag sei die Landwirtschaft für junge Leute nun mal nicht mehr sehr lukrativ und attraktiv. Der aktuelle Milchpreis von 50 Cent pro Liter, den die Landwirte bekämen, sei immer noch zu wenig, um in der Landwirtschaft wirtschaftlich gut und gleichzeitig noch tierfreundlich arbeiten zu können. „Am Ende ist da aber auch der Verbraucher gefragt: Will er wirklich regionale Produkte oder nur das günstigste Produkt? Regionalität kostet eben auch“, betont Seegers.
Die Zukunft sehe nicht besonders rosig aus, da immer mehr Milchviehbetriebe keinen Nachfolger bekämen und dementsprechend ihre Produktion einstellen müssten. „Und da reden wir nicht wie früher von Betrieben mit 30 Kühen, sondern mit 200 und mehr, die da aufgegeben werden“, sagt Seegers. Die übriggebliebenen Milchviehbetriebe würden von dieser Entwicklung zwar auch profitieren, die ganze Landwirtschaft und am Ende der Verbraucher jedoch nicht.
Die GreenLive-Messe vom 2. bis 4. Dezember in der Messe Kalkar bietet der Molkereibranche und der Milchviehhaltung in diesem Jahr eine Plattform zum Austausch. So werden die fünf größten Molkereien als Aussteller vertreten sein. Zudem schaffe sie die perfekte Kulisse für den Dialog zwischen Erzeugern und Molkereibetrieben, wie Georg Remy von der Messe Kalkar betont. Sabrina PetersGeorg, Remy (Messe Kalkar), Kreislandwirt Michael Seegers, Carolin Semelka (Wunderland Kalkar), Maria Liethof (Rewe) und David Steffen (Kreisbauernschaft Kleve; v.l.) zeigen symbolisch den Gang der Milch.NN-Foto: SP