Das Museums-Einszweidrei
Ein Kurator, zwei Ausstellungen, drei Künstlerinnen – ab Sonntag im Schloss
MOYLAND. Eins, zwei, drei – ein Kurator (Dr. Alexander Grönert), zwei Ausstellungen und drei Künstlerinnen. Ein strammes (und höchst unterschiedliches) Programm für Kopf und Augen, das im Museum Schloss Moyland ab Sonntag zu sehen ist.
Hier Mutter und Tochter (Gitta van Heumen-Lucas und Andrea Anatas) – zwei Generationen also – und dort Marianne Pohl (1930-2010). Es geht höchst unterschiedlich zu in den beiden Flügeln der ersten Etage und schnell erwischt man sich beim Vergleichen. Vergleiche aber werden dem Gesehenen nicht gerecht und verzerren die Wahrnehmung durch Vor-Bilder.
Von unterschiedlichen Angängen ist zu berichten. „Van Heumen-Lucas verfolgt seit vielen Jahren mit großer Konstanz einen Ansatz, der den konkreten konzeptionellen Strömungen in der Kunst verpflichtet ist“, heißt es in einem Text zur Ausstellung. Und weiter: „Ihr Thema ist der Raum. Zeitlichkeit kommt vor allem durch die Betrachtenden ins Spiel.“
Als „Gegensatz“ wird Anatas‘ Ansatz formuliert: „Anatas hingegen setzt auf Malerei. In ihren Werken werden zeitliche Aspekte des Malprozesses zum Gestaltungsmoment.“ So kann vielleicht der Titel der weitgehend von den Künstlerinnen konzipierten Ausstellung „just time“ als Denkhilfe gelesen werden. Da ist einerseits jeweils ein Raum, der von einer der beiden Künstlerinnen solistisch bespielt wird, aber es gibt auch einen künstlerischen Dialog, der sich in gemeinsam erstellten Arbeiten darstellt. Während bei van Heumen-Lucas und Anatas die Auslöser im Unkonkreten bleiben und die Arbeiten gleichzeitig eine Unmittelbarkeit im besten Sinne ausstrahlen, scheint es bei den Arbeiten von Marianne Pohl (mehr als 700 nennt das Museum sein eigen) umgekehrt zu sein. Was da in positivster Abstraktheit zu sehen ist, lässt sich anhand von Beschreibungen der Künstlerin und detailliert ausgearbeiteten Skizzen im Vor-Konkreten nachvollziehen und erreicht einen gänzlich abstrakten Endpunkt. Schnell wird klar, dass hier Entdeckungen zu machen sind. Man wünschte sich mehr Arbeiten.
Pohl zeigt wie aus wirklicher – also wirkender – Umgebung die Illusion der Kunst wird; wie mittels Analyse und Abstrahierung der realen Vorlage im Lauf eines künstlerischen Prozesses eine abstrakt erscheinende Zweiwirklichkeit entsteht. Die „Lösungswege“ werden quasi mitgeliefert. So entsteht ein Gesamtkunstwerk, das der Betrachter vom Original bis zur individuell umgestalteten Wirklichkeit wie in einem Kartenwerk abfahren kann.
Am Ende sind beide Ausstellungen eine perfekte Ergänzung für einander und man fragt sich, ob das, was man sieht, als jeweiliges Gegenteil gelesen werden sollte oder als eine Art Eineiigkeit der Wahrnehmung – eine Art Schaltskizze für die Verdrahtung von Realität und Vorstellung
Dr. Alexander Grönert ist Kurator der neuen Ausstellung. NN-Foto: Rüdiger Dehnen