Ihre Nichte kannte Marta Selimi bislang nur von Fotos. Auf der Beerdigung hat sie die kleine Isabella zum ersten Mal gesehen. NN-Foto: vs
28. März 2026 · Bedburg-Hau

„Das Einzige, was geblieben ist“

Die Eltern sind beide tot: Marta Selimi sammelt Spenden für ihre beiden Nichten

BEDBURG-HAU. „Die beiden Kinder sind das Einzige, was von ihr geblieben ist.“ Marta Selimi (38) würde die Zeit gern zurückdrehen, aber sie weiß, dass ihr nichts anderes bleibt, als weiterzumachen. Nach vorn zu blicken. Für Wiwiana und Isabella – ihre beiden Nichten, die nun Vollwaisen sind. Gerade eben ist Marta aus Polen zurückgekehrt. Dort hat sie ihre Schwester Isabella beerdigt, die Anfang März auf einer niederländischen Landstraße tödlich verunglückt ist. „Die Polizei ermittelt noch“, sagt Marta. Doch egal, was am Ende dabei herauskommt, Marta weiß: Es bringt Isabella nicht zurück.

„Ich hatte nicht viel Kontakt zu meiner Schwester“, erzählt Marta. Fünf Jahre haben sie sich nicht gesehen. Dann kam der Anruf. „Sie wollte mich besuchen. Wir waren spazieren, haben geredet, etwas zusammen gegessen. Dann ist sie wieder gefahren.“ Es war ein vorsichtiges Wiederannähern – und zugleich ein Abschied, ohne dass es jemand wusste. „Am nächsten Tag war sie tot“, sagt Marta. Ein schwerer Autounfall. „Sie waren zu zweit und sind wohl beide direkt gestorben.“ Das Fahrzeug war gegen einen Baum geprallt. Mit großer Wucht. „Der Motorblock wurde 20 Meter weit weggeschleudert.“ Wie es zu dem Unfall gekommen ist, wird man vielleicht nie erfahren. Zurück ließ Isabella ihre beiden Töchter, 16 und vier Jahre alt. „Ihr Vater ist vor zweieinhalb Jahren an Krebs gestorben.“ Die beiden Mädchen leben bei Michaels Mutter in Polen. „Beide haben in Deutschland und in den Niederlanden gearbeitet, schon seit vielen Jahren. Sie wollten, dass es ihren Kindern später besser geht, dass sie eine Chance haben.“

Marta ist 2002 nach Deutschland gekommen und geblieben. Sie hat hier die Schule besucht, ihre Ausbildung gemacht, eine Firma und eine Familie gegründet. „Es läuft gerade nicht gut“, sagt Marta. Sie ist krank, die Wirtschaftslage ist schwierig und sie hat selbst drei Kinder, für die sie sorgen muss. „Die Kosten für die Beerdigung habe ich allein getragen“, sagt Marta. Es war das erste Mal seit 24 Jahren, dass sie wieder in Polen gewesen ist. Ihre jüngste Nichte hat sie dort zum ersten Mal gesehen. „Ich möchte, dass Isabella nah bei ihren Kindern und bei unserer Oma ist“, weiß sie, dass sich ihre Schwester das so gewünscht hätte. Bei der Oma sind die beiden aufgewachsen. Kontakt zu den Eltern hatten sie kaum.

Nun versucht Marta, den beiden Kindern zu helfen. Auf einer großen Spendenplattform hat sie einen Aufruf gestartet. „Ich danke allen, die gespendet haben“, sagt sie. Doch die Resonanz ist bislang verhalten. „Früher habe ich selbst immer gern geholfen, wenn ich konnte“, ist sie enttäuscht. Seit 20 Jahren spendet sie monatlich für eine Kinderrechtsorganisation. Nun braucht sie selber Hilfe. Sie hat Kirchen und Konsulate kontaktiert, in sozialen Netzwerken um Unterstützung gebeten. Ihr Ziel ist es, ein finanzielles Polster für die Zukunft der Mädchen aufzubauen. „Sie haben nur noch ihre Oma. Was ist, wenn sie das irgendwann nicht mehr leisten kann?“ Marta vermutet, dass fehlendes Vertrauen eine Rolle spielt. „Es gibt leider auch viele Betrugsfälle“, hat sie dafür Verständnis. Dennoch will sie nicht aufgeben. „Das bin ich Isabella schuldig.“ Für sie steht fest: Sie wird weiterkämpfen – für ihre Nichten und für die Hoffnung, ihnen ein Stück Sicherheit geben zu können. „Es wäre eine große Erleichterung für mich, zu wissen, dass für die Kinder gesorgt ist.“ Wer Marta Selimi und ihre Nichten unterstützen möchte, kann sich bei ihr melden, per Mail an martasara2006@gmail.com, Telefon 01520/ 6069427.

Ihre Nichte kannte Marta Selimi bislang nur von Fotos. Auf der Beerdigung hat sie die kleine Isabella zum ersten Mal gesehen. NN-Foto: vs