Dr. Wolfgang Brüninghaus lädt zum Vortrag ein. Foto: privat
18. Juni 2025 · Kleve

„Da wird immer mehr möglich“

Pro und Contra: Der Kinderarzt Dr. Wolfgang Brüninghaus lädt zum Vortrag zum Thema Impfen

NIEDERRHEIN. Es gibt verschiedene Gründe, die Menschen dazu bewegen, sich gegen eine Impfung zu entscheiden. Das können religiöse Vorbehalte sein, ein tiefes (und ausschließliches) Vertrauen in die Naturheilkunde, die Angst vor Impfschäden oder schlichtweg genereller Zweifel an der Wirksamkeit der Impfung. Mit der Corona-Pandemie nahm die Bewegung noch einmal an Fahrt auf. Impfgegner sahen angesichts des sozialen Drucks zur Impfung nicht zuletzt auch ihre Persönlichkeitsrechte gefährdet. Ein klares „Ja“ zum Thema Impfen kommt von Dr. Wolfgang Brüninghaus. „Impfungen zählen zu den wichtigsten Errungenschaften der Medizin“, ist der Klever Kinderarzt, der sich vor einiger Zeit zur Ruhe gesetzt hat, überzeugt. Am 1. Juli hält er einen Vortrag zu „Pro und Contra“ in den Räumen der AOK am Bahnhofsplatz 10-14 in Kleve. Die Teilnahme ist kostenfrei – auch (und gerade) für Impfskeptiker.

Es sind die immer wieder aufflammenden „Fake News“, die Brüninghaus ärgern. „Ich möchte den Zuhörern genug Wissen an die Hand geben, um eine eigenverantwortliche Entscheidung zu ermöglichen und sachliche von unsachlicher Information zu unterscheiden“, sagt er mit Blick auf den anstehenden Infoabend. Mit Sorge verfolge er etwa die aktuelle Entwicklung in den USA. Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., ein bekennender Impfgegner, der jüngst ein komplettes Gremium von Impfexperten der Seuchenbehörde CDC entlassen hat, sorgt beinahe täglich mit abstrusen Verschwörungstheorien für Schlagzeilen. So wirft Kennedy der Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) vor, Autismus auszulösen. Dabei beruft er sich auf eine Studie aus dem Jahr 1998. „Man weiß längst, dass diese Studie gefälscht und von Eltern autistischer Kinder und deren Anwälten finanziert worden ist, trotzdem hält sich diese Theorie bis heute“, weiß Brüninghaus. Das Resultat: Derzeit grassiert in den USA, vor allem in Texas, eine Masernepidemie und erstmals seit zehn Jahren gab es wieder Maserntote zu vermelden. In Deutschland gilt seit März 2020 eine Masernimpfpflicht. Kinder, die in die Kita oder in die Schule gehen, müssen einen vollständigen Impfschutz vorweisen können. „Das ist eine Impfung, die wirklich jeder haben sollte“, sagt Brüninghaus. Gerade im Erwachsenenalter könne die Erkrankung einen schweren Verlauf nehmen. Zudem besteht als Folge einer Masern-Infektion das Risiko für eine SSPE, eine subakute sklerosierende Panenzephalitis. Diese Gehirnerkrankung ist nicht behandelbar und endet immer tödlich. „Diese Spätkomplikation kann Jahre nach dem Masernausbruch auftreten“, sagt Brüninghaus und verweist auf die hohe Schutzquote der Impfung, die bei über 98 Prozent liegt. „Zwei Dosen des MMR-Impfstoffs schützen lebenslang“, informiert dazu das Robert-Koch-Institut (RKI). Es sind diese und viele weitere Zahlen und Fakten, die Brüninghaus zusammengestellt hat und am 1. Juli teils ausführlich, teils nur am Rande, vorstellen wird. „Ich habe dazu Plakate erstellt – so kann man das wichtigste nachlesen und sich dann entscheiden“, sagt der Mediziner, der sich natürlich wünschen würde, dass auch Impfskeptiker die Veranstaltung besuchen, denn es wird reichlich Gelegenheit zur Diskussion und für Fragen geben. Seine persönliche Erfahrung aus dem Praxis-Alltag sei aber, dass diese nur „schwer zu erreichen“ seien. „Das ist schade“, findet er. Noch beunruhigender sei jedoch, dass manche pseudowissenschaftlich geführten Darstellungen auch Menschen verunsichern, die nach sachlichen Informationen suchen. „Niemand bestreitet, dass Impfungen auch Nebenwirkungen haben“, möchte Brüninghaus nichts kleinreden. Fieber oder Schwellungen seien zum Beispiel nicht selten, „entscheidend ist immer der Vergleich mit den Gefährdungen des Patienten durch die jeweilige Erkrankung“, sagt er. Im Zweifelsfall müsse man gemeinsam mit dem Hausarzt abwägen, was wann sinnvoll ist – oder eben nicht. „Ist eine Impfung aus medizinischen Gründen nicht möglich, etwa bei Tumortherapien, kann der geschwächte Patient durch eine konsequente Impfung seines Umfeldes geschützt werden“, sagt Brüninghaus. Das sorgfältige Abwägen gelte auch für Schutzimpfungen wie etwa gegen Tollwut oder das durch Zecken übertragene FSME-Virus, das hauptsächlich in Süddeutschland weit verbreitet, aber eben auch in einigen Regionen in NRW auf dem Vormarsch ist. „Wenn jemand Campingurlaub mit Kindern in Bayern machen möchte, würde ich das durchaus empfehlen“, nennt er ein Beispiel.

Als alternativlos sieht Brüninghaus allerdings die Grundimmunisierung von Kindern an. Rotaviren, Tetanus, Kinderlähmung, Meningokokken, Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken. „Erkrankungen, die man mit einer Impfung vermeiden kann und sollte“, findet der Arzt. Überhaupt sieht er die Medizin in Sachen Impfung auf einem guten Weg. „Da wird intensiv geforscht und immer mehr möglich“, ist er zuversichtlich.

Der Vortrag findet am 1. Juli von 17 bis circa 19 Uhr statt, eine Anmeldung, gerne auch schon mit konkreten Fragen, unter Telefon 02821/ 80533577 (AOK) wäre für die Planung hilfreich.

Dr. Wolfgang Brüninghaus lädt zum Vortrag ein. Foto: privat