Come together oder: Havekost im Museum Kurhaus
Die neue Ausstellung startet am 14. Juni
KLEVE. Der Chef ist in Bermudashorts unterwegs. Draußen sommert es – drinnen wird die neue Ausstellung aufgebaut: „Eberhard Havekost. Benutzeroberflächen“. Harald Kunde hat in jedem Ausstellungsraum einen Hängungsplan abgelegt.
Irgendwie sehen die Pläne aus, als seien sie aus einem Wimmelbuch entkommen. Miniaturabbildungen der Kunstwerke. Klappt man sie zur Seite, wird der Platz, an dem sie hängen sollen, offenbar. Alles ist akribisch vorgedacht. Merke: Wer vordenkt, muss erst einmal nachdenken. Kunde kennt „sein“ Haus nur allzu gut. Das erleichtert die Planung.
Jedes Bild ein Denkprozess
Die Kunstwerke: von verschiedensten Orten: New York, Berlin, Dresden, Oldenburg. Ein großes Treffen unterschiedlichster Formate und Motive: Come together. Ein Blick in die Wandelhalle: „Man könnte meinen, das hier sei eine Gruppenausstellung“, sagt Kunde. Ja. Vielleicht. Havekost hat Unterschiedliches probiert. Nein: Probieren klingt zu sehr nach Zufall. Jedes Bild ein Denkprozess: dokumentiert in Farbe. In der Pinakothek: Was vom Tage übrig blieb: Schrottautos. Fast ist man geneigt, PS zu zählen ... An der Stirnseite der Pinakothek: Ein riesiges Format, das einen Autofriedhof zeigt. Der Titel „Brandung“ verrät etwas vom Dahinter des Denkens. Da trifft eine Welt aus Schrott auf die Poesie eines Titels. Mehr Spreizung ist kaum denkbar.
Oberflächen
Das über allem oder unter allem liegende Thema: Oberflächen. Merke: Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen Oberfläche und Oberflächlichkeiten. Havekost macht irgendwie alles zum Thema: Da sind Landschaftsidylle, Porträts, Geisterbilder. Die Ausstellung: Dialoge eines Künstlers mit seinem Umfeld. Es ist wie so oft: Nichts ist wie es scheint. Was vordergründig bunt zu sein scheint, deckt im Hintergrund Weltzustände auf.
Havekost, erzählt Harald Kunde, war immer mal wieder auch als DJ tätig. Jetzt legt Kunde auf und man merkt ihm die Freude an dieser Ausstellung an. Das Kurhaus: eine Kreativbaustelle. Überall wuselt es. „Übermorgen“, sagt Kunde, „kommt der letzte große Transport.“ Absender: Dresden. Noch ist Zeit bis zur Eröffnung. Sie werden den Zeitplan halten. So viel steht fest.
Art
In Kundes Büro auf dem Tisch: eine Ausgabe von „Art“. Art ist gewissermaßen das Zentralorgan des Kunstbetriebes. Wer Up-to-Date sein möchte mit dem, was kommt, ist bei Art gut aufgehoben. Kunde blättert das Inhaltsverzeichnis auf. Paris: Madeleine de Sinéty; Hamburg: Munch/Lassnig; Basel: Carlo Fei; Stuttgart, Wolfsburg, Düsseldorf, Ruhrgebiet und …: Kleve: Eberhard Havekost. Das wäre dann mal eine Ansage. Das erzählt von Bedeutung. Es ist die Bedeutung eines Künstler, aber eben auch die Bedeutung eines Hauses. Und: Es erzählt etwas über die Bedeutung von Wechselausstellungen. „Alles so schön bunt hier“ lautet der Arte-Text und man ist geneigt zu fragendenken: und wie lange noch? Eine andere Baustelle.
Aber sowas von
Zurück zum Eigentlichen: Die Havekost-Ausstellung „Benutzeroberflächen. Arbeiten 1994-2019“ wird am Sonntag, 14. Juni, eröffnet und danach bis zum 18. Oktober zu sehen sein. Soll man den Besuch empfehlen? Aber sowas von. Harald Kunde muss zurück auf seine Baustelle.
Ausschnitt aus Eberhard Havekost: Brandung. NN-Foto: HF