Bunte Plätze der Erholung
Projekt mit Kita: Auf dem Friedhof in Walbeck stehen ab sofort zwölf bemalte Stühle bereit
WALBECK. Der Friedhof ist ein Ort des Gedenkens und der Besinnung. Nicht nur beim Grabbesuch, sondern vor allem bei der Grabpflege sorgen Sitzgelegenheiten daher für willkommene Pausen. Walbeck hat in dieser Hinsicht einen großen Schritt nach vorn gemacht: Unter der Leitung von Sterbeamme Nicole Füngerlings haben Kinder des katholischen Kindergartens St. Lucia in Walbeck zwölf Stühle gestaltet. Diese wurden nun auf dem gesamten Friedhof verteilt.
Ins Rollen kam die Idee im Februar, als der Vorsitzende der Stiftung „Dä Geldersche EnergieWende“, Bernd Wienhofen, Nicole Füngerlings eine Förderung von 2.000 Euro für ein Projekt versprach. „Damals hatte ich aber noch gar keine Idee“, gibt sie zu – bis ihre Großmutter ihr beiläufig von ihrem Wunsch nach Sitzmöglichkeiten auf dem Friedhof in Walbeck erzählte.
Beim Bereich Grünflächen und Friedhöfe der Stadt Geldern musste Füngerlings nicht groß für ihre Idee werben: „Christian Kronenberg war sofort begeistert. Er möchte den Friedhof lebendig halten, damit er auch eine Begegnungsstätte für Lebende ist“, erzählt sie.
Ähnlich verhielt es sich mit der Kita. Es stellte sich sogar heraus, dass weder der Friedhof, noch das Thema Tod den Kindern völlig fremd sind. „Die Einrichtungsleiterin und ihr Team laufen immer wieder mal mit den Kindern über den Friedhof“, erläutert Füngerlings. Zumal die Aktion wenige Wochen nach den Osterferien stattgefunden hat: „Dann haben die Kinder sowieso den Kreuzweg und Jesus besprochen. Dahingehend sind sie schon auf die Themen Sterben, Tod und Trauer vorbereitet.“ Themen, von denen man Kinder ohnehin nicht vollends fernhalten müsse. „Kinder kommen häufig auf irgendeine Weise mit dem Tod in Berührung, zum Beispiel wenn ein Haustier stirbt.“ Aber verglichen mit solch einer akuten Situation sei es sogar leichter, sie daran heranzuführen, wenn noch nichts derartiges passiert sei. „Kinder wollen außerdem etwas tun“, sagt Nicole Füngerlings. „Kinder brauchen nur ein paar Infos und dann legen sie los. Wir Erwachsenen müssen immer alles erklären können, aber die Kinder machen einfach.“
Das zeigte sich auch beim Projekt. Die zugrunde liegende Idee: gemeinsam mit den Kindern überlegen, wie die Stühle sein können. „Mutstühle, Kraftstühle, Ich-ruh-mich-aus-Stühle, Ich-denke-an-dich-Stühle oder, oder oder“, sagt Füngerlings. „Wir wollten den Kindern in der Entscheidung Freiheit geben.“ Nun, nach zwei Wochen Projektarbeit, stehen die Stühle bereits verteilt an strategisch sinnvollen Punkten für Besucher bereit.
Gestaltet werden sollten sie eigentlich mit Acrylfarbe, aber dafür wäre der Aufwand zu groß gewesen: „Dafür hätte ich alle Stühle schmirgeln müssen“, erläutert Nicole Füngerlings. Und selbst dann hätte es keine Gewissheit auf Erfolg gegeben. Stattdessen haben die Kinder die Plastikstühle nun mit Stiften, Glöckchen, Muscheln oder thematisch passenden Aufklebern verziert. Auch auf diese Weise sind sie schön auffällig geworden: egal ob Blütenthron, Wolkenplatz oder Schmetterlingsplatz – die Namen spiegeln die Kreativität der Gestaltung wider.
Damit hat sich das erklärte Ziel, vor allem älteren Menschen die Möglichkeit zum Verweilen zu geben, auf besondere Weise erfüllt: Dadurch, dass junge Menschen etwas für die älteren tun, soll der Friedhof in Walbeck noch mehr ein Ort der Begegnung werden. Sie hofft, durch die Stühle auch mehr Kinder zu einem Besuch am Grab zu motivieren. „In meiner Arbeit höre ich oft: ‚Was soll ich auf dem Friedhof? Da ist es so langweilig‘.“
Auch wenn vor allem die Vorarbeit viel mehr gewesen sei als erwartet, verbucht Nicole Füngerlings das Projekt schon jetzt als Erfolg. Das Feedback gibt ihr Recht: „Die Resonanz ist bis jetzt überwältigend.“ Selbst aus dem Ruhrgebiet habe sie lobende Zuschriften erhalten. Eine erste Anfrage für ein Folgeprojekt gibt es ebenfalls schon aus der Region. Kontaktdaten für weitere Anfragen gibt es unter www.sterbeamme-geldern.de.
Stellten mit den Kindergarten-Kindern die selbstgestalteten Stühle auf dem Walbecker Friedhof auf (hinten v.l.): Gerda Aben (Einrichtungsleiterin), Christian Kronenberg (Stadt Geldern) und Nicole Füngerlings. NN-Foto: Theo Leie