Noch gibt es die Rikscha nur als Foto. Sobald die erforderlichen 6.500 Euro gesammelt sind, kann es losgehen. (v.l.): Petra Boßmann, Herbert Looschelders und Elisabeth van Gemmeren. NN-Foto: Rüdiger Dehnen
6. Februar 2026 · Kleve

Boßmanns Rikschaprojekt

Infotreffen am 26. Februar: Petra Boßmann sucht Mitstreiter, um eine Idee zu verwirklichen

KLEVE. Beim Wort „ansteckend“ denkt man leider viel zu oft zuerst ans Kranksein. Dass auch Optimismus hochgradig ansteckend sein kann – dafür ist Petra Boßmann ein leuchtendes Beispiel. Eigentlich müsste man von einem strahlenden Beispiel sprechen, denn wenn Boßmann von ihrer Idee erzählt, braucht es kaum Licht im Raum ... ihr Strahlen reicht.

Boßmanns Idee: Rikscha-Fahrten für Senioren und ja – die Boßmann hat sich das nicht selber ausgedacht, aber sie möchte, dass „eine Superidee demnächst auch in Kleve zuhause ist“.

Erstmals in Kontakt mit der Idee „Rikschafahrten für Senioren“ kam die Boßmann bei einem Besuch in Bonn. Aha – daher also stammt die Idee? Von wegen. „Das Ganze stammt ursprünglich aus Dänemark, aber mittlerweile gibt es das auch bei uns – und das nicht nur in Bonn. Ich habe mich mal ein bisschen schlau gemacht und herausgefunden: Das gibt‘s auch im Kreis Kleve. In Emmerich zum Beispiel, in Rees, Haldern, Goch und Uedem. Und das sind nur die Orte, von denen ich es weiß.“

Worum geht es denn eigentlich? Es geht darum, Senioren mit einer Rikscha spazieren zu fahren. Das klingt gut, ist aber nicht einfach, denn: „Zunächst einmal braucht man ja das Gefährt“, erklärt Boßmann und beschreibt ein motorisiertes E-Bike für zwei Personen, versehen mit einem Verdeck, einer Fußplatte und Sicherheitsbügeln – um mal ein paar Ausstattungsmerkmale zu nennen. Rund 6.500 Euro kostet eine solche Rikscha und die Boßmann ist nicht Architektin von Traumschlössern. „Wir haben das Geld noch nicht ganz zusammen, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das hinbekommen. Die ersten Spenden haben wir bereits bekommen.“

Mit im Boot: Die „Herbert Looschelders Sozial- und Ökologiestiftung“. „Der Herbert hat sich bereit erklärt, jede eingehende Spende zu spiegeln. Das bedeutet: Wenn uns jemand – sagen wir – 50 Euro spendet, legt Herr Looschelders den gleichen Betrag dazu.“

Auch die Sparkasse Rhein-Maas hat bereits 1.500 Euro für das Projekt gespendet. Und dann wären da noch 350 Euro von der Firma Hörmehr und Spenden von Freunden und Bekannten.

Apropos Spenden: Man – pardon frau – braucht, wenn es um Spenden geht, eine Schirmherrschaft – eine Organisation, die für eingehende Spenden auch eine Quittung ausstellen kann. Im Fall des Rikscha-Projektes ist das die schon erwähnte „Herbert Looschelders Sozial- und Ökologiestiftung“.

Damit aus der Idee „fahrbare Wirklichkeit“ wird, muss – quasi backstage – jede Menge Aufwand betrieben werden. Die Boßmann hat zum Termin mehr als „nur“ die Idee im Gepäck. Die Schirmherrschaft ist geregelt, die Rikscha im Internet konfiguriert, weitere Sponsoren sind ins Auge gefasst. Schließlich gilt: Von nix kommt nix.

Aber: Mit den Förderanträgen ist das so eine Sache. „Da wäre es einfach toll, wenn Menschen mitarbeiten würden, die sich mit so was auskennen“, sagt Boßmann. Gibt es denn für das Projekt schon eine Internetseite? Einen Winzmoment lang wird das Optimismusstrahlen unterbrochen. Zwei Sekunden mögen es sein – nicht mehr. „Natürlich wäre es richtig gut, wenn wir auch da Unterstützung bekämen. Wir sind einfach keine Computerspezis.“

Haltstopp: Wer ist ‚wir‘? Petra Boßmann ist nicht allein erschienen. Mit dabei: Elisabeth van Gemmeren. Die hat den Erstkontakt zum Schreiber hergestellt – sitzt jetzt dabei und macht sich Notizen nach dem Motto: Was wäre noch zu tun? Antragsunterstützer finden? Check. Computerleute finden, die beim Aufsetzen einer Homepage helfen? Check. „Wir suchen Menschen, die das ehrenamtlich machen möchten“, sagen die beiden Mädels. Petra Boßmann: „Momentan gibt es ja bezogen auf das Projekt erst mal nur Elisabeth und mich.“ Das soll sich im Idealfall möglichst bald ändern.

Frage? Wie heißt denn eigentlich das Projekt? „Ach wissen Sie, sagt die Boßmann, „darüber haben wir noch nicht nachgedacht. Wir sind ja erst seit Oktober in der Planung.“

Demnächst soll es ein erstes Treffen geben, denn da wäre noch ein Faktor, mit dem das Rikschaprojekt steht und fällt: Fahrer werden gesucht – und natürlich auch Fahrerinnen. „Da wäre es toll, wenn sich auch jüngere Menschen für unser Projekt begeistern würden“, sagt Boßmann. Ist die Rikscha erst einmal da, könnte es dann direkt losgehen.

Zunächst einmal geht es um das Terrain Klever Unterstadt, aber Petra Boßmann denkt weiter: „Es wäre toll, wenn wir irgendwann zwei Rikschas hätten: Eine für die Unter- und eine für die Oberstadt.“ Mit der Rikscha mal eben die Gruft hoch – das dürfte nicht ganz einfach sein.

Wie ist denn die Rikscha konfiguriert. „Das dürfen Sie mich jetzt so genau nicht fragen“, sagt die Boßmann. Aber sie schiebt hinterher: „Das mit der Konfiguration habe ich natürlich nicht alleine gemacht. Da hat mit ‚Der Fahrradschrauber‘ aus Rindern geholfen. Der Mann heißt Daniel Diehl und wird sich demnächstens auch um die Wartung der Rikscha(s) kümmern. Wie genau stellt man sich eine Rikscha vor? Boßmann: „Eine Rikscha ist eine praktisch eine Bakfiets mit Verdeck, Fußplatte, Sicherheitsbügel und elektrischem Antrieb.“

Zurück zu den Grundzutaten. Bei den noch zu klärenden Punkten wären zu nennen: Eine Rikschagarage, die Klärung der Versicherung. Boßmann: „Das ist natürlich ein ganz wesentlicher Punkt.“ Und apropos „groß denken“: Die Boßmann hat auch bereits an die Stadt Kleve geschrieben. Die Idee: „Für die Landesgartenschau könnten wir unsere Rikschas zur Verfügung stellen.“ Als „kleinen Ausgleich“ würde die Stadt anschließend eine Rikscha (oder vielleicht zwei?) spenden. „Die haben sogar schon geantwortet“, sagt die Boßmann. Demnächst wird es einen Termin geben.

Was steckt eigentlich als Idee hinter der ganzen Sache? „Die kostenlosen Fahrten, die sich an Menschen richten, die in der Klever Unterstadt und in den umliegenden Ortschaften wohnen, und nicht mehr mobil sind und sowohl in Einrichtungen als auch zuhause wohnen, sollen im Idealfall Jung und Alt zusammenbringen und Menschen zu Mobilität verhelfen, um zum Beispiel einen Ausflug ins Lieblingscafé zu machen oder Orte aufzusuchen, an denen Erinnerungen geweckt werden.

Wer mithelfen möchte, kann Petra Boßmann per email unter petra.bossmann@web.de erreichen. Spenden können mit dem Stichwort „Rikschaprojekt“ an die Herbert Looschelders Sozial- und Ökologiestiftung überwiesen werden.

Das erste Treffen, für alle, die beim Rikschaprojekt mitarbeiten möchten (Ob nun auf dem „Kutschbock“ oder in der Abteilung Logistik) findet am Donnerstag, 26. Februar, um 18.30 Uhr in den Räumen der Looschelders Sozial- und Ökologiestiftung, Römerstraße 32, in Kleve statt.

Wenn alles klappt, könnten schon im Frühling die ersten Ausfahrten folgen. Petra Boßmann und Elisabeth van Gemmeren jedenfalls sind ganz sicher: „Das wird funktionieren.“ Und mit dem Strahloptimismus der Boßmann, wirken selbst leiseste Zweifel irgendwie als Spielverderber.

Noch gibt es die Rikscha nur als Foto. Sobald die erforderlichen 6.500 Euro gesammelt sind, kann es losgehen. (v.l.): Petra Boßmann, Herbert Looschelders und Elisabeth van Gemmeren. NN-Foto: Rüdiger Dehnen