Dr. Rüdiger Kerner, Dr. Elke Kleuren-Schryvers und Bischof Roger Anoumou vor Gradierwerk, APH-Vorstandspause.
16. Juni 2026 · Kevelaer

Bischof aus Benin zu Gast in Kevelaer

Aktion pro Humanität und die Diözese Lokossa planen Kooperation

KEVELAER. Zweimal Applaus während einer Predigt – das gibt es selbst im Marienwallfahrtsort Kevelaer nicht alle Tage. Monsignore Roger hat das geschafft - der Bischof aus Benin spricht nicht nur in seinem Heimatland in Westafrika den Menschen aus der Seele, er hat das auch am Niederrhein umgesetzt.

Fröhlich, verschmitzt, klar und direkt sprach der 53-Jährige die Gemeinde in der Marienbasilika an, erinnerte daran, dass jeder und jede – gerade auch die Laien in der Kirche – aufgerufen und auch berufen sei, in der Kirche und im ganz normalen Alltag einen Auftrag, eine Mission zu erfüllen – eben jene, eine bessere, gerechtere und friedliche Welt nicht nur anzustreben sondern sich auch dafür einzusetzen.

In Afrika, erklärte der Monsignore schmunzelnd, sei es in den Kirchen viel lauter, fröhlicher. „Wir singen. Wir tanzen. Wir feiern ein Fest“, aber die festliche Messe mit Chor und Orgel in der Basilika sei auch „wunderbar ergreifend.“ Und als Botschaft: „Wir müssen uns nicht schämen, Katholiken, Christen zu sein.“

Roger Anoumou ist Bischof von Lokossa, jener Diözese, in der die Stiftung Aktion pro Humanität (APH) vor 30 Jahren ein Krankenhaus mitten im Busch aufgebaut hat und unterhält. Eine Woche lang ist der Bischof nun auf Einladung der APH in Kevelaer zu Gast, um unter anderem Kooperationsgespräche zu führen, die APH und die Diözese im westafrikanischen Benin in eine gemeinsame Zukunft führen sollen. Und natürlich steht auch ein Besuch bei Weihbischof Rolf Lohmann in Xanten auf dem Programm, ein „Abstecher“ nach Münster zu Weihbischof Stefan Zekorn (Weltkirchereferat) und zum Ende der Woche die Teilnahme an der feierlichen Amtseinführung des neuen Bischofs von Münster, Heiner Wilmer.

Intensive Gespräche

Mit der APH gab es gleich an den ersten Tagen schon intensive Gespräche – und ein kleines Freizeitprogramm mit einem privaten Bummel über den Kapellenplatz und in den Solegarten. Sichtlich bewegt verweilte der Geistliche aus Benin vor dem Gnadenbild und erinnerte später daran, dass vor 170 Jahren die Missionierung Benins begann, dank der Sendung vieler Geistlicher aus Europa. Heute seien viele beninische Geistliche in Europa, auch in Deutschland im Einsatz. „Das zeigt: Wir brauchen einander.“

In Benin ist vor wenigen Wochen ein neuer Staatspräsident gewählt worden. „Ich blicke mit Optimismus und Hoffnung in die Zukunft“, so der Bischof. Der Kontakt zu den Nachbarländern sei wieder aufgenommen, ein kleiner Grenzverkehr wieder möglich nach langer Zeit der Isolation Benins. Zu den größten Aufgaben gehörten die Lösung der sozialen Probleme, wie Arbeitslosigkeit, Armut, Gesundheitswesen, Bildung/Schulen und der Ausbau der Straßen. „Die Arbeit der Aktion pro Humanität ist auf dem Gesundheitssektor für uns nicht wegzudenken.“

Roger Anoumou, geboren am 30. Juli 1972, wurde 2023 zum Bischof der Diözese Lokossa geweiht. Am Priesterseminar in Benin hat er unter anderem Deutsch gelernt, er spricht zudem Italienisch, Englisch und Französisch, studierte unter anderem in Rom und hat im Fach Psychologie gleich zweimal erfolgreich promoviert.

Vor dem Gradierwerk ein Päuschen zum Durchatmen zwischen (v.l.) Dr. Rüdiger Kerner, Dr. Elke Kleuren-Schryvers (beide APH-Vorstand) und Bischof Roger Anoumou. Foto: APH