„Bilder müssen gesehen werden“
Neue Dauerausstellung im Haus der Diakonie in Goch: Kreuzweg von Hansjörg Krehl
„Wir haben den Künstlern immer große Freiheit gelassen“, so Joachim Wolff. Man sei mutig gewesen und habe die Auseinandersetzung angenommen, „die Werke mussten nur in den liturgischen Rahmen passen.“ Für Hansjörg Krehl war die Arbeit am Kreuzweg erst einmal mit viel Recherche verbunden, wie er erzählt: „Als protestantischer Christ hatte ich dazu keinen Zugang.“ Es habe ihn gereizt, sich in ein Thema zu „verbeißen“: „Was ist da vorgefallen, wie kann ich es den Menschen nahebringen? Was bedeuten Hinfallen, Aufstehen, Erniedrigung und das Urteil für den Verurteilten?“ Abschied nehmen unter Schmerzen, das sei etwas, was jeder kenne. Die Kreuzweg-Darstellungen hat Krehl bewusst abstrakt gestaltet – für ihn ist diese Ausdrucksform eine der größten künstlerischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts. Deshalb findet sich auch keine Darstellung von Jesus. Krehl hat sich allerdings dazu entschlossen, nicht nur 14 Stationen zu gestalten, sondern mit der Auferstehung Jesu am Osterfest ein 15. Bild mitaufzunehmen.
„Kreuzwege sind eher katholisch geprägt“, erläutert Joachim Wolff, „aber seit den 1970er-Jahren gibt es den ökumenischen Jugendkreuzweg, der mit einem gemeinsamen Abschlussgottesdienst endet. Seitdem ist das Thema auch in der evangelischen Kirche präsent.“ Evangelische Tradition sind die Passionsandachten, in deren Rahmen die Passionsgeschichte abschnittsweise erzählt wird. Auf ursprünglich weißem Papier hat Hansjörg Krehl die Motive mit Öl, Acryl, Kreide und Tusche geschaffen. Schriftfragmente bieten einen Interpretationsansatz für die elementaren Dinge, die dargestellt werden. Im Flyer, der zur Dauerausstellung entstanden ist, werden die einzelnen Stationen vorgestellt – die Stichworte stammen von Hansjörg Krehl – und passende Bibelstellen dazugestellt.
Geschenk
Seit der Ausstellung in Büderich war der Kreuzweg nie mehr in Gänze zu sehen; viele Jahre waren die Bilder im Atelier des Künstlers eingelagert. Zufällig trafen sich Wolff und Krehl Anfang dieses Jahres wieder und der Künstler erzählte, dass er sein Atelier in Krefeld aufgeben wird: „Es ist im Winter nicht beheizbar und darunter leiden die Arbeiten“, so Krehl. Nicht zuletzt sei auch die Finanzierung des Ateliers immer schwieriger geworden. Und so bot er Wolff den Kreuzweg als Geschenk an. „Darüber musste ich erst einmal schlafen, solch ein Geschenk ist ja auch eine Verpflichtung.“ Doch mit der Dauerausstellung sei eine sehr gute Lösung gefunden worden. Und Wolff betont: „Wer Interesse hat, kann sich gerne melden, wenn er die Bilder sehen möchte.“ Weitere Projekte mit Hansjörg Krehl sind in Planung. So soll am Standort der Diakonie in Geldern eine Ausstellung mit seinen Werken aus den vergangenen 50 Jahren realisiert werden, und beim ambulant betreuten Wohnen wird eine Kunstgruppe unter Krehls Leitung entstehen. Denkbar wäre hier zum Beispiel eine Teilnahme an den KreisKleverKulturtagen. Denn, so Krehl: „Bilder müssen gesehen werden!“
Corinna Denzer-Schmidt
Diakonie-Geschäftsführer Pfarrer Joachim Wolff (l.) und der Künstler Hansjörg Krehl (r.). NN-Fotos: CDS