Bewegende Autorenlesung mit Kinofeeling in Rees
Schriftstellerin Maria Nikolai zu Gast in der Stadtbücherei
REES. Eine bewegende Autorenlesung mit Kinofeeling bot die Schriftstellerin Maria Nikolai in der Stadtbücherei Rees. Ihre Lesung aus ihrem Roman „Der Duft der Neuen Welt“ untermalte sie mit Filmausschnitten, Bildern und Musik.
Der Roman spielt vor über 120 Jahren und beschreibt die Auswanderung von zwei jungen Frauen von Deutschland nach Amerika. Die beiden Hauptfiguren aus dem Roman stammen aus sehr unterschiedlichen sozialen Schichten, sind aber beide auf der Flucht. Während das Dienstmädchen Lissy aus Stuttgart vom Sohn ihres Dienstherrn verführt und dann schwanger wegen unsittlichen Verhaltens vor die Tür gesetzt wurde, entstammt Julia dem Landadel. Die junge Frau hatte von einem Leben als Lehrerin geträumt, war aber dann von ihrem Vater mit dem Besitzer eines Gestüts verheiratet worden. „Als selbstbewusste Frau wollte Julia die ihr zugedachte Rolle als Ehefrau nicht akzeptieren“, beschrieb Maria Nikolai ihre zweite Hauptfigur.
Beide Frauen treffen sich in Bremerhaven, das vor 120 Jahren einer der wichtigsten Auswandererhäfen in Deutschland war. Um für den Hintergrund ihres Romans zu recherchieren, hat die Autorin das Auswanderermuseum BallinStadt in Hamburg besucht. „Über Hamburg gibt es aber bereits so viele Romane, so dass ich einen Teil meines Romans in Bremerhaven angesiedelt habe“, verriet die Autorin schmunzelnd.
„In der Kaiserzeit war eine Auswanderung eine Reise ins Ungewisse“, betonte Maria Nikolai. Im 19. Jahrhundert waren viele Deutsche aus wirtschaftlichen Gründen, wegen politischer Verfolgung oder um sich dem Militärdienst zu entziehen nach Amerika geflüchtet. Für die Reeder war Auswanderung dagegen ein lukratives Massengeschäft, für das sie die damals weltweit größten Schiffe bauen ließen. In der Stadtbücherei berichtete Nikolai ausführlich über die Bedingungen an Bord, die nicht mit einer modernen Kreuzfahrt zu vergleichen waren, sowie das Leben in Amerika. Dazu berichtete die Autorin von ihren weiteren Recherchen für ihre Bücher. Schon bei den Recherchen für ihre Erfolgsreihe „Die Schokoladenvilla“ hatte Nikolai so viel Material gesammelt, dass sie daraus einen weiteren Roman schreiben wollte. Für das Zuhause der Landadligen Julia suchte sie ein Gestüt, das sie in dem Rittergut „Eckerde 1“ bei Hannover fand. Sie nahm Kontakt mit der Eigentümerfamilie auf, die die Autorin auf das Gut einluden und schließlich ihre Zustimmung gaben, dass das Herrenhaus als Schauplatz für den Roman diente. „Die Figur der Julia ist aber völlig fiktiv und steht in keinem Zusammenhang mit der Besitzerfamilie“, betonte die Autorin. In dem Roman „Der Duft der Neuen Welt“ finden die beiden Frauen trotz Widrigkeiten und Rückschläge ihr Glück. Dennoch ist das Buch nicht nur ein historischer Roman zum Wohlfühlen, denn das Buch spricht deutlich Missstände der damaligen Zeit wie Kinderhandel oder die rechtlose Stellung von Frauen an. Für ihre professionell vorgetragene, aber atmosphärisch berührende Buchvorstellung erhielt Maria Nikolai von den über 30 vorwiegend weiblichen Zuhörerinnen langanhaltenden Applaus. „Ich war zum ersten Mal am Niederrhein“, gestand die in Baden-Württemberg lebende Autorin. Sie habe sich jedoch etwas in Rees verliebt und würde für eine weitere Lesung gerne wiederkommen, wofür sie weiteren Applaus vom Publikum erhielt.
Weitere Lesungen in Rees: 29. April Horst Eckert mit „Die Praktikantin“, 27. Mai Daniel Stenmans mit „Der Imitator“, 6. Mai Frank Mehring mit „Songs of Liberalisation“, 15. September Nicole Staudinger mit „Time for Tacheles“ und 15. Oktober Martina Bogdahn mit „Mirabellentage“. Eintrittskarten für die Lesungen gibt es in der Stadtbücherei, in der Touristeninformation am Markt und unter www.stadt-rees.de/shop.
Ihren Roman „Der Duft der Neuen Welt“ stellte Maria Nikolai in der Stadtbücherei Rees vor. Foto: Stadt Rees