Die Arbeiten in Haldern schreiten bereits voran, ab Mai 2026 sollen hier auf drei Gleisen die Züge verkehren. NN-Foto: Gerhard Seybert
12. Oktober 2024 · Rees

Betuwe: Im Norden wenig Neues

DB wartet im Raum Emmerich und Rees auf Abschluss der Planfeststellungsverfahren und Baurecht

EMMERICH/REES. Es dauert noch knapp drei Wochen, dann startet am 1. November auf der Ausbaustrecke zwischen Emmerich und Oberhausen ein wahrer Baumarathon. Über 80 Wochen bündelt das Projektteam ein riesiges Bauvolumen. Zwar liegt der Fokus dabei auf dem rund 3,5 Kilometer langen Bauabschnitt zwischen Voerde-Friedrichsfeld und Wesel. Doch auch im Raum Emmerich und Rees finden verschiedene Arbeiten statt. Das gilt ebenfalls für die Zeit nach der 80-wöchige Bauphase, die mehrere Totalsperrungen umfasst.

Aktuell liegt der Deutschen Bahn (DB) für sieben von zwölf Planfeststellungsabschnitten zwischen Emmerich und Oberhausen der Planfeststellungsbeschluss – und damit das offizielle Baurecht – vom Eisenbahn-Bundesamt (EBA) vor. „Das heißt, dass das Projektteam für den dreigleisigen Ausbau auf mehr als 31 der 73 Kilometer langen Strecke zwischen Niederrhein und Ruhrgebiet bauen kann“, erläutert eine Bahnsprecherin. „Für den südlichen Teil der Strecke zwischen Oberhausen und Wesel liegt der DB durchgehendes Baurecht vor. Für den nördlichen Teil der Strecke – mit Ausnahme des Abschnitts Haldern – laufen aktuell noch die jeweiligen Planfeststellungsverfahren beim EBA.“

In Haldern, wo die DB bereits Baurecht hat, stehen während der 80 Wochen weitere intensive Baumaßnahmen an. Diese umfassen neben Gleis- und Oberleitungsarbeiten entlang der Strecke auch den Bau der beiden neuen Bahnsteige und der Schallschutzwand am Haltepunkt Haldern, den Einbau von zwei Weichen sowie den Bau einer neuen Schallschutzwand zwischen Brahmelsgraben und dem Eisenbahnüberführung (EÜ) Sonsfeld. „Bis Mai 2026 sind alle Arbeiten auf einer Länge von drei Kilometern abgeschlossen, sodass wir dann das dritte Gleis nicht nur fertig haben, sondern damit auch in Betrieb gehen“, betont Stefan Ventzke, Gesamtprojektleiter für den Betuwe-Ausbau und die Generalsanierung.

Für den Abschnitt Rees, der insbesondere die Ortsteile Empel und Millingen betrifft, konnte im September das Anhörungsverfahren durch die Bezirksregierung Düsseldorf abgeschlossen werden. „Sämtliche vorliegenden Einwendungen und Stellungnahmen wurden an das EBA übergeben. Das EBA wägt nun alle Argumente gleichermaßen gegeneinander ab und fällt die Entscheidung im Rahmen des Planfeststellungsbeschlusses und erteilt damit das Baurecht“, sagt die Bahnsprechern. „Erst wenn der DB dieses offizielle Baurecht vorliegt, können die Vorbereitungen für den Ausbau intensiviert werden. Dazu zählt beispielsweise die europaweite Ausschreibung der Bauleistungen sowie die Anmeldung von Sperrzeiten.“

Auch für die drei Emmericher Abschnitte läuft aktuell noch das Planfeststellungsverfahren beim EBA. „Auch hier gilt: Erst wenn das offizielle Baurecht vorliegt, kann das Projektteam die Ausbaumaßnahmen detailliert weiterplanen“, berichtet die Bahnsprecherin. „Klar ist aber auch: Wo immer möglich, hat die DB in den vergangenen Jahren entlang der Strecke bereits erste vorbereitende Arbeiten umgesetzt. Dazu zählen beispielsweise umfangreiche Kampfmittelsondierungen sowie Vegetationsarbeiten oder das Umverlegen von Leitungen.“

Ein Knack- beziehungsweise Streitpunkt ist der Abschnitt Elten rund um den Eltenberg. Dazu teilt die Bahn nur mit: „Nach Veröffentlichung des Planfeststellungsbeschlusses besteht für Betroffene die Möglichkeit, vor dem Bundesverwaltungsgericht Klage einzureichen. Falls es dazu kommen sollte, kann sich das Verfahren nochmal verzögern.“

Auch ein konkretes Datum, wann die Ausbaustrecke fertiggestellt sein wird, nennt die Bahn nicht. „Wir bitten um Verständnis, dass wir erst nach Abschluss der aktuell laufenden Planfeststellungsverfahren eine seriöse Aussage zur Gesamtinbetriebnahme der Strecke treffen können“, sagt die Bahnsprecherin.

Vor allem Bahnkunden, aber auch Anwohner und entlang der Betuwe-Linie ansässige Unternehmen warten nun darauf, dass der Ausbau abgeschlossen wird. Immer wieder wird dabei der lange Zeitraum moniert, ist die Erweiterung doch bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten ein Thema. „In der Wahrnehmung vieler Menschen beginnt ein Infrastrukturprojekt erst, wenn die Bagger rollen. Tatsächlich vergehen bei vielen Großprojekten Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte von der ersten Idee bis zum Baubeginn“, erläutert die DB dazu. „Die Planungs- und Genehmigungsphase ist bei großen Bauvorhaben oft länger, als es die tatsächlichen Bauarbeiten sind. Die Gründe dafür liegen in der oft technisch anspruchsvollen Aufgabenstellung sowie in komplexen rechtlichen Rahmenbedingungen, zeitaufwändigen Genehmigungsverfahren und intensiven Abstimmungsprozessen mit allen Betroffenen.“

Der im August 2021 angepeilte Ausbau bis 2025 ist jedenfalls vom Tisch. 2026 dürfte nun zumindest als wichtiger Zwischenschritt in Richtung Abschluss der Betuwe-Erweiterung gelten.

Die Arbeiten in Haldern schreiten bereits voran, ab Mai 2026 sollen hier auf drei Gleisen die Züge verkehren. NN-Foto: Gerhard Seybert