Besuchergruppe des Netzwerks Agrobusiness Niederrhein vor dem Hofladen Janßen in Walbeck.
24. Juni 2026 · Niederrhein

Betrieb zieht Bilanz: „Interesse an Walbecker Spargel war enorm“

Agrobusiness Niederrhein besucht den Walbecker „Spargelhof Janßen“ zum Ende der Spargelsaison

NIEDERRHEIN. Agrobusiness Niederrhein besuchte mit einer Gruppe von Mitgliedern den Spargelhof Janßen in Walbeck. Vor Ort erhielten die Teilnehmenden umfassende Einblicke in die Geschichte des traditionsreichen Walbecker Spargels, seine Entwicklung sowie den aktuellen Stand des Anbaus dieses besonderen Wurzelgemüses. Ergänzt wurde der Besuch durch Einblicke in den Betriebsalltag – von Herausforderungen und Innovationen bis hin zu einem Rückblick auf die diesjährige Spargelsaison, ihre Trends und Vermarktungswege.

Tradition und Pioniergeist im Spargeldorf Walbeck

„Dass Walbeck heute als Spargelhochburg gilt, ist keineswegs selbst-verständlich“, berichtet Dirk Janßen. Geprägt von sandigen Böden und als „armes Schmugglerdorf“ bekannt, galt der Spargelanbau hier lange Zeit als kaum möglich. Erste Pioniere wurden belächelt, legten jedoch den Grundstein für eine beispiellose Entwicklung. Denn gerade diese sandigen Böden sorgen für den besonders guten Geschmack des Spargels. Bereits 1929 wurde die erste Spargelbau-Genossenschaft mit 55 Mitgliedern gegründet, und zeitweise baute nahezu jedes fünfte Haus in Walbeck Spargel an. Früh entwickelte sich auch der Tourismus rund um das „weiße Gold“, das bis heute Besucher aus der gesamten Region anzieht.

Qualität aus Boden, Erfahrung und Klima

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor liegt im mineralischen, sandigen Boden, der als ehemaliges Flussgebiet ideale Voraussetzungen bietet. „Grund-sätzlich wächst Spargel überall – nur eben nicht so gut wie in Walbeck!“, fügt Dirk Janßen lächelnd hinzu. Schätzungsweise werden rund 60 Prozent des Geschmacks dem Boden zugeschrieben, Sorte und Anbaumethode tragen jeweils etwa 20 Prozent bei. Entscheidend für die Qualität sind zudem Sonne und insbesondere warme Nächte, die das schnelle Wachstum und damit die Zartheit des Spargels begünstigen.

Anbau zwischen Erfahrung und moderner Technik

Auf dem Spargelhof Janßen wird deutlich, wie viel Know-how und Pla-nung im Spargelanbau steckt: Schon das Setzen der Jungpflanzen hat enorme Auswirkungen auf die Gesundheit der Pflanzen und damit auch auf die Ertragsdauer. Je nach Nutzung und Pflege kann ein Feld über acht bis zehn Jahre beerntet werden. Nach dieser Zeit erfolgt für den Acker eine mindestens 15-jährige Spargelpause. Die häufig verrufene Arbeit mit Folien ist heute unverzichtbar, um Temperatur und Wachstum optimal zu steuern. Durch Tunnel, schwarze und weiße Ab-deckungen lässt sich das Wachstum des gesunden Gemüses zeitlich etwas steuern. So werden Wetterschwankungen etwas ausgeglichen und Überangebot sowie Knappheit vermieden. „Die Folien sind auch längst nicht so schädlich wie viele Leute denken. Sie sind sehr langlebig und bleiben häufig länger im Einsatz als die Spargelpflanzen selbst. Zudem sind sie gut recycelbar.“

Herausforderungen im Betriebsalltag

Neben den fachlichen Anforderungen stehen die Betriebe vor wirt-schaftlichen Herausforderungen. Steigende Lohnkosten – insbesondere durch den Mindestlohn – führen zu einem erhöhten Kostendruck. Gleichzeitig wird versucht, durch technische Hilfsmittel Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten. Erste Ansätze zur Mechanisierung des Spar-gelstechens sind bereits vorhanden, jedoch noch nicht vollständig aus-gereift. Langfristig gilt die maschinelle Ernte jedoch als wahrscheinlich.

Auch die Vermarktung stellt die Betriebe vor Entscheidungen: Auf dem Spargelhof Janßen erfolgt sie ausschließlich über Direktvermarktung - ein Modell, das sich in den vergangenen Jahren als deutlich wirtschaftlicher als die industrielle Vermarktung erwiesen hat. „Zu Beginn haben einige Kollegen uns belächelt. Natürlich ist es deutlich einfacher die Produkte zum Großhandel zu bringen, als einen eigenen Kundenstamm aufzubauen. Mittlerweile ist die Direktvermarktung aber sicherlich die wirtschaftlichste Möglichkeit für den Anbauer, gerade bei einem regio-nal so gefragten Produkt wie dem Walbecker Spargel, da wollen die Leute wissen wo er herkommt“, berichtet Janßen.

Ein besonderes Produkt: Walbecker Spargel

Der Walbecker Spargel steht für höchste Qualität und Regionalität. Nur vier Betriebe verfügen derzeit über eine entsprechende Lizenz, verbun-den mit klar definierten Qualitätsstandards – beispielsweise einer Mindestlänge von 22 Zentimetern. Gleichzeitig entsteht mit einem neuen Spargelverein, der bereits mehr als 50 Mitglieder zählt, eine starke Plattform für Austausch und gemeinsame Interessenvertretung. Dennoch bleibt das Produkt rar – ganz im Sinne des Mottos: „Walbecker Spargel ist knapp – und genau das macht ihn so besonders.“
"Frischer Walbecker Spargel auf hölzernem Tisch, regionales Gemüse, Frühjahrsspezialität"

Ein besonderes Produkt: der Walbecker Spargel.

Kurz vor dem Ende der Spargelsaison zieht Dirk Janßen ein erstes Fazit „Die Saison 2026 war geprägt von überwiegend kaltem und nassem Wetter, besonders zum Ende der Saison. Die kalten Temperaturen -insbesondere nachts - haben den Spargel zeitweise nur wenig wachsen lassen. Das Interesse an Walbecker Spargel war trotzdem enorm, be-sonders auch Grünspargel wird immer häufiger nachgefragt und auch junge Menschen haben großes Interesse an Walbecker Spargel, aus diesem Grund blicken wir weiterhin optimistisch in die Zukunft.“

Spargel als wichtiger Bestandteil der regionalen Agrarwirtschaft

Für Agrobusiness Niederrhein wurde beim Besuch einmal mehr deutlich, welche zentrale Rolle die Spargelproduktion für die Region spielt. „Der Spargelanbau verbindet Tradition und Innovation, schafft Wertschöpfung vor Ort und stärkt die Identität des Niederrheins sowohl in der Landwirtschaft als auch im Tourismus. Gerade vor dem Hinter-grund steigender Anforderungen und wirtschaftlicher Herausforderungen ist der Austausch innerhalb der Agrarbranche für uns sehr wichtig, um diese bestmöglich zu unterstützen“, zieht Anke Schirocki, Geschäftsführung von Agrobusiness Niederrhein das Fazit des Besuchs.

Die Besuchergruppe des Netzwerks Agrobusiness Niederrhein vor dem Hofladen der Familie Janßen in Walbeck. Fotos: Agrobusiness Niederrhein