Teilnehmer der Gedenk-Veranstaltung am jüdischen Gedenkstein auf dem Ehrenfriedhof Friedensstraße in Emmerich. Foto: Pro Kultur
28. Januar 2026 · Emmerich

Beeindruckende Beiträge am Holocaust-Gedenktag

Veranstaltung von Pro Kultur und Schülern am Ehrenfriedhof Friedensstraße

EMMERICH. „Wir haben es nicht in der Hand, Geschichte zu schreiben. Aber wir haben es in der Hand, unsere Kinder und Enkelkinder darüber aufzuklären, was passiert ist und nicht wieder passieren darf.“ Das sagte Bürgermeisterin Claudia Lindlahr anlässlich des Holocaust-Gedenktages auf dem Ehrenfriedhof Friedensstraße in Emmerich.

Weiter sagte Lindlahr: „Wenn wir vor 30 Jahren noch von der Vergangenheit der NS-Diktatur sprachen, so ist das Übel der damaligen Zeit, die Ausgrenzung anderer Menschen, bereits wieder zur Gegenwart geworden.“

Beeindruckend an dieser Veranstaltung war der in verschiedenen Rollen vorgetragene Text von Schülern des Willibrord-Gymnasiums auf Grundlage einer Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Schüler der Gesamtschule trugen ein Gedicht von Nelly Sachs vor. Lokalhistorisch relevant war ein selbstgereimter Text der Schüler des Förderzentrums, untermalt mit Foto-Tafeln, über das Textilhaus Leffmann (heute Alexander Moden). Sandra Wittig von der Gesamtschule umrahmte die Feier auf ihrer Querflöte.

Die Pro-Kultur-Vorsitzende Irene Möllenbeck hatte mehr als 150 Besucher am jüdischen Gedenkstein willkommen geheißen. Nur mit wohlgesetzten Worten an die politische und menschliche Katastrophe des Nationalsozialismus zu erinnern, reiche nicht mehr aus, sagte Möllenbeck. Vielmehr müssten heute bei allen Demokraten die Alarmglocken laut schrillen: „Noch nie war unsere Demokratie und die damit verbundene Freiheit und Menschlichkeit durch Aggressoren aus West und Ost und rechtsextreme Kräfte so gefährdet wie heute. Auch in Deutschland macht sich eine gewisse Faszination für Autokraten, autoritäre Strukturen und rechtsextreme Kräfte breit – leider ist Emmerich davon nicht ausgenommen.“

Es sei an der der Zeit, den Gefahren illusionslos ins Auge zu blicken, betonte Möllenbeck: „Wir dürfen nicht einfach abwarten, in unserer Komfortzone in Deckung gehen und warten nach dem Motto: ‚Es wird schon nicht so schlimm werden!‘“ Zurückweichen dürfe keine Option sein. Es gehöre freilich Mut dazu, deutlich Stellung zu beziehen. Wer das tue, sei vor „Unterstellungen und Falschbehauptungen rechter Kräfte“ nicht gefeit. Gemeinsames Zuhören und Tun bewahre Frieden und Demokratie. Sie richtete einen dringenden Appell an die Politik, die Begegnungsstätten in Emmerich, die gerade die Kultur biete, nicht zu beschneiden. Diese Ausgaben seien eine wichtige Investition in eine demokratische und friedliche Zukunft.

Teilnehmer der Gedenk-Veranstaltung am jüdischen Gedenkstein auf dem Ehrenfriedhof Friedensstraße in Emmerich. Foto: Pro Kultur