Diplom-Physiker Harald Gülzow analysiert eine Brunnenwasserprobe im Labormobil vom VSR-Gewässerschutzuntersucht eine Brunnenwasserprobe. Foto: Matthias Ahlbrecht
2. Mai 2024 · Uedem

Bäume auf den Feldern gegen das Nitrat im Brunnenwasser

VSR-Gewässerschutz: Ergebnisse der Untersuchungen in Uedem

UEDEM. Die Nitratbelastung im Brunnenwasser sinkt trotz vieler Auflagen zur Düngemenge und Düngezeitpunkt nicht so wie gehofft: Das stellte der VSR-Gewässerschutz bei der Auswertung der Mitte April in Uedem abgegebenen 41 Brunnenwasserproben fest.

Die gemeinnützige Organisation fordert noch mehr Unterstützung für das Anlegen von Baumstreifen auf den Feldern. Diese Agroforstsysteme führten nachweislich zu einer erheblichen Senkung der Nitratbelastung ohne den Ertrag auf dem Acker zu verringern.

Harald Gülzow und der Ehrenamtler Heinz-Wilhelm Hülsmans beantworteten am Informationsstand viele Fragen von besorgten Brunnenbesitzern zu der Nitratbelastung und der Verwendung des Wassers. Manche Bürger erkundigten sich, ob Bekannte oder Nachbarn auch noch Wasserproben untersuchen lassen können. „Auf der Homepage vsr-gewaesserschutz.de erfährt jeder, der den Termin verpasst hat, wie man noch eine Wasserprobe mit der Post zusenden kann“, erklärt Harald Gülzow. Alle bis Ende November zugeschickten Proben unterstützen die Messkampagne des Vereins und fließen in die Jahresauswertung für den Kreis Kleve ein.

Die Brunnenwasserergebnisse vom diesjährigen Termin in Uedem hat der Physiker Harald Gülzow bereits ausgewertet. In jeder vierten Probe aus den privat genutzten Brunnen stellte er eine Überschreitung von 50 Milligramm pro Liter (mg/l) Nitrat fest. Besonders erschreckend fand der Gewässerexperte die festgestellte Belastung in den Gartenbrunnen in Hassum mit 139 Milligramm Nitrat pro Liter (mg/l), in Pfalzdorf mit 110 mg/l, in Keppeln mit 107 mg/l, in Goch mit 99 mg/l, in Appeldorn mit 91 mg/l und in Hommersum mit 85 mg/l. Etwas weniger hoch belastet sei das Wasser in Kessel mit 77 mg/l Nitrat, in Uedem mit 64 mg/l und in Kalkar mit 60 mg/l im Grundwasser. Doch auch dort sieht Harald Gülzow noch Handlungsbedarf. Er betont, dass die Nitratrichtlinie, dazu verpflichtet eine Überschreitung des Nitratgrenzwertes von 50 Milligramm pro Liter im Grundwasser zu verhindern. „Im letzten Moment konnte gerade noch das Vertragsverletzungsverfahren mit hohen Strafzahlungen wegen der Nichteinhaltung der Richtlinie letztes Jahr abgewendet werden. Bis zur nächsten Überprüfung muss die Nitratbelastung deutlich sinken“, sagt Harald Gülzow.

Im Kreis Kleve bestünden die landwirtschaftlichen Flächen zu 66 Prozent aus Ackerflächen. Es dominierten Felder ohne Bäume. Diese verschwänden im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft. Das leichtlösliche Nitrat im Dünger werde durch Regenfälle schnell in tiefere Bodenschichten verlagert. Dort könnten die Feldfrüchte die Nährstoffe nicht mehr zum Wachstum verwenden. Im Gegensatz dazu könnten Bäume mit ihren tiefen Wurzeln das in die Tiefe transportierte Nitrat für sich nutzen. „Bäume auf den Feldern hilft, das Nitrat wieder an die Oberfläche zu befördern und so in der Zukunft die Nitratbelastung im Brunnenwasser zu verringern“, berichtet Harald Gülzow.

Dieses moderne Agroforstsystem, eine Kombination von Forst- und Landwirtschaft sei an die Technik und die Produktionsweise der heutigen Landwirtschaft angepasst worden. Auf dem Feld stünden Baumstreifen aus schnell wachsenden Bäumen wie Pappeln, Weiden oder Erlen, die alle vier bis sechs Jahre geerntet und als Hackschnitzel zur Energiegewinnung verkauft werden können. Der Abstand zwischen den Baumreihen biete genügend Platz für Trecker, Grubber und Erntemaschinen zur Bearbeitung von Getreide, Zuckerrüben, Mais und Raps. Die Angst, dass die Bäume zu Ernteeinbußen führen, habe sich nicht bestätigt. „Während an den Baumstreifen tatsächlich weniger Ertrag ist, beobachtet man ab einer gewissen Distanz zu den Bäumen in den meisten Fällen eine höhere Produktion als bei einem Vergleichs-Acker ohne Baumstreifen. Auch bei trockenen und heißen Sommer kommt es auch ohne Bewässerung zu weniger Ernteausfällen, da die Bäume vor Verdunstung schützen“, sagt Harald Gülzow. Außerdem weist er darauf hin, dass Landwirte mit Agroforst zum Klima- und Artenschutz beitragen.

Landwirte können seit Anfang 2023 für Agroforstflächen Förderungen beantragen. Harald Gülzow hat jedoch festgestellt, dass die Höhe und die Bedingungen zum Erhalt dieser Fördergelder nicht zu einer bedeutenden Zunahme der Agroforstfläche führte. Das liege daran, dass die Neuanlage von Agroforstsystemen sehr teuer sei und erst nach Jahren das Holz verkauft werden könne. „Deshalb erhalten die Landwirte in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern für die Neuanlage von Baumstreifen auf den Feldern bereits weitere Unterstützung. Das muss unbedingt auch für die Landwirte in NRW erfolgen. Die Landwirte dürfen mit den hohen Investitionskosten nicht allein gelassen werden“, betont Harald Gülzow.

Das gelbe Labormobil ist von April bis September unterwegs, um Brunnenwasserproben zu untersuchen und Bürger am Informationsstand zu informieren. Im Winter werden dann Flüsse und Bäche beprobt, um festzustellen, inwieweit die Nitrate im Grundwasser zur Belastung in den Flüssen und Bächen führen. Für viele Bäche stelle das Zusickern des nitratbelasteten Grundwassers eine Hauptursache für die starke Nitratbelastung dar.

Diplom-Physiker Harald Gülzow analysiert eine Brunnenwasserprobe im Labormobil vom VSR-Gewässerschutzuntersucht eine Brunnenwasserprobe. Foto: Matthias Ahlbrecht