„Aufmerksamkeit um jeden Preis brauchen wir nicht“
Klimaaktivisten suchen eine neue Bleibe und laden zum Klimastreik
KLEVE. Es geht um Sichtbarkeit und die Suche nach Raum, die Organisationen wie Fridays for Future bewegen. Sie arbeiten – wie der Name schon sagt – zukunftsorientiert für eine bessere Welt. Dabei sind sie nicht selten auf Spenden und die Solidarität von Mitmenschen angewiesen, um ihre Arbeit produktiv ausüben zu können. Auch jetzt ist der Aufruf um Unterstützung da: Das derzeitige Büro der Klever Gruppe an der Van-Den-Bergh-Straße in der Nähe des Bahnhofs, soll geräumt werden. Grund sind Sanierungsarbeiten des gesamten Altbau-Komplexes.
„Wir vermuten, dass wir früher oder später die Kündigung erhalten. Wenn das der Fall ist, haben wir Schwierigkeiten uns zu organisieren. Es fehlt der Platz, um Dinge, die wir für Demos brauchen, zu lagern, Menschen zu uns einzuladen und auch miteinander in den persönlichen Austausch zu kommen“, erläutert Anna Janssen, Mitglied der Klever Vereinigung.
Es gilt: Wer jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt... soll sich gerne mit Vorschlägen zu neuen Räumlichkeiten melden, das wäre der Wunsch der Gruppe. Janssen: „Die Hauptsache ist, einen Raum für unsere offenen Plenumssitzungen zu bekommen. Für uns wäre es auch eine Option, Räumlichkeiten mit einer anderen Organisation zu teilen, die sich mit denselben Werten identifiziert. Wir hoffen, dass jemand das hier liest und sich etwas passendes für uns ergibt.“
Die Gruppe um Anna Janssen und Mitgründer Jannik Berbalk besteht bereits seit Frühjahr 2019. Am 8. März fand im Klever Rathaus die erste Versammlung statt. Seitdem engagieren sich mal mehr, mal weniger, aktive Mitglieder für den guten Zweck. Aktuell zählen Janssen und Berbalk zehn bis 20 Aktive. „Mitglied kann jeder werden und wir freuen uns immer über Interessierte, die uns zuhören und offen sind“, betont Janssen, „Wir treffen uns derzeit etwa einmal im Monat, mittwochs um 18 Uhr.“ Die genauen Termine variieren, ließen sich aber gut über Social Media (fridaysforfuture.kleve auf Instagram) und per E-Mail unter kleve@fridaysforfuture.de erfragen.
Globaler Klimastreik
Momentan bereitet sich die Gruppe auf den nächsten globalen Klimastreik vor. Am Freitag, 15. September, ab 16 Uhr, wird es eine große Fahrrad-Demonstration geben. „Wir werden vom Bahnhof aus mit den Fahrrädern einmal quer durch Kleve und die Innenstadt fahren, um ein Zeichen für mehr Klimafreundliche Fortbewegung zu setzen“, wie Berbalk erklärt. Zum Ende der Demo wird das Rathaus angesteuert, wo um 17.15 Uhr eine Abschlusskundgebung geplant ist. Allgemein liegt der Fokus der Organisation momentan auf der Verkehrswende. Dazu habe man schon diverse Anträge bei der Stadt gestellt, die politisch diskutiert werden. Ein Beispiel hierfür sei die Sperrung für den Durchfahrtsverkehr für Autos an der Hafenstraße um „qualitatives Leben möglich zu machen“, sagt Berbalk weiter.
Ein weiteres Anliegen der Gruppe ist es, denjenigen zu helfen, die Ideen haben, um Kleve klimafreundlicher zu gestalten: „Wir wollen eine Anlaufstelle werden, um Bewohnern aus Kleve bei ihren Bürgeranträgen zu helfen. Jeder hat das Recht, Anträge für Veränderungen an die Stadt zu stellen, beispielsweise für das Errichten einer Fahrradstraße oder verkehrsberuhigten Zone“, erklären die beiden Aktivisten.
Trotz viel positiver Resonanz haben die Klimafreunde auch mit viel Ablehnung zu kämpfen. Insbesondere die Konflikte, die durch die neuere Organisation „Die Letzte Generation“ herbeigeführt werden, bereite Fridays for Future Probleme. „Viele Menschen scheren uns mit der Letzten Generation über einen Kamm oder beleidigen uns, drücken extra aufs Gaspedal. Wir sind aber wesentlich gemäßigter in unserem Vorgehen“, betont Janssen und Berbalk erläutert: „Unsere Demonstrationen sind alle bei der Polizei angemeldet und genehmigt. Wenn wir früher die Schule geschwänzt haben, um zu demonstrieren, hatte das auch nur Auswirkungen auf uns selbst. Wir haben nie andere Menschen in Mitleidenschaft gezogen. Aufmerksamkeit um jeden Preis brauchen wir nicht.“ Damit spielt der Aktivist auf die „Klima-Kleber“ an, welche mit ihren Aktionen für Straßenstaus sorgen und in extremen Fällen sogar Krankenwägen behinderten.
Janssen und Berbalk erhoffen sich, dass sie noch länger mit ihrer Gruppe bestehen können, um für ihr Herzensprojekt zu kämpfen: Klimaschutz.
Jacqueline KurschatkeKlimaschutz als Herzensprojekt bei den Aktivisten von Fridays for Future.Foto: Julius Wolf