Mart Hennemann auf dem Wakeboard auf der Xantener Südsee, wo er am Samstag einen neuen Weltrekord aufstellte. NN-Foto: Theo Leie
19. Mai 2025 · Xanten

Auf der Xantener Südsee: Mart Hennemann knackt den Weltrekord im Wakeboarden

Der 37-Jährige aus Kalkar fuhr am vergangenen Samstag über elf Stunden lang mit einem Wakeboard über die Xantener Südsee

XANTEN/KALKAR. Ein Anruf seiner Frau nach der achten Stunde setzte in Mart Hennemann am vergangenen Samstag nochmal neue Kräfte frei. „Das war der Zeitpunkt, wo ich mir gesagt habe: Egal was passiert, jetzt werde ich es schaffen“, berichtet der 37-Jährige aus Kalkar, der am Samstag auf der Xantener Südsee einen neuen Weltrekord im Wakeboarden aufstellte. Unglaubliche elf Stunden, drei Minuten und 46 Sekunden stand er ununterbrochen auf dem Wakeboard und stellte damit einen neuen Weltrekord in der Disziplin „Longest Wakeboarding Marathon“ auf. Hennemann überbot damit den vorherigen Weltrekord von 10:36:47 Stunden – aufgestellt im September 2022 von Ken Laumets aus Estland – nochmals um fast eine halbe Stunde.

Doch für diesen Erfolg hat Hennemann in den vergangenen acht Monaten hart arbeiten müssen. Angefangen hat alles mit einer „Schnapsidee“, wie Hennemann bereits im Vorfeld berichtete. Der 37-Jährige setzte sich mit dem Thema „Wakeboarding Marathon“ auseinander. „Nach den ersten Selbstversuchen, bei denen ich auch meine Zeit hab messen lassen, dachte ich: Es könnte funktionieren, ihn zu toppen. Da ich schon immer sportlich und verrückt war und zudem der Jugend beweisen wollte, dass man mit Ehrgeiz und Disziplin etwas erreichen kann, wollte ich es versuchen“, sagt Hennemann, der schon in seiner Jugend das erste Mal auf dem Wakeboard stand: „Mit der Ausbildung und der ersten Freundin hatten sich dann meine Prioritäten aber geändert, sodass ich 17 Jahre Pause gemacht habe. Seit einigen Jahren stehe ich nun aber wieder auf dem Brett und liebe alles daran. Wenn ich schlechte Laune habe, gehe ich zum Wasser, fahre ein paar Runden, und habe direkt wieder gute Laune.“

Die Vorbereitung auf den Weltrekord brachte Hennemann dann aber schon an seine Grenzen. Seit September hat er sechs Mal pro Woche Sport gemacht. „Zusätzlich bin ich noch einmal pro Woche schwimmen gegangen“, berichtet Hennemann. Das sei allerdings die meiste Zeit die einzige Disziplin im Wasser gewesen. Der Rest fand fast ausschließlich im Kraftraum statt. Trainiert habe er vor allem die Muskeln, die für das Wakeboarden wichtig seien. Da Wakeboarden ein Ganzkörpersport ist, seien das aber fast alle gewesen. „Der Fokus lag dann auf der Kraftausdauer, da es bei mir nicht um die Maximalkraft ging, sondern darum, Kraft für elf Stunden zu haben“, erklärt Hennemann. Unterstützt worden sei er in der nicht immer leichten Vorbereitung von Physio+ Schwarz in Alpen, den Cable Friends Xanten, mit denen er auf der Xantener Südsee immer fährt, dem Shop Wakeworld Xanten, dem Freizeitzentrum Xanten (FZX) als Betreiber der Wakeboard-Anlage in Xanten und natürlich seiner Familie. „Ohne dieses Team wäre das nicht zu schaffen gewesen. Das sind wirklich die Helden der zweiten Reihe“, betont Hennemann.

Harte Vorbereitung

Mehrfach habe der 37-Jährige in der Vorbereitung keine Lust mehr gehabt. „Ich habe zu meiner Frau gesagt, wenn ich von der Arbeit gekommen bin: Ich darf mich jetzt nicht hinsetzen. Ich muss sofort meine Sportklamotten anziehen und zum Sport. Dabei hätte ich mich oft lieber auf die Couch gelegt“, berichtet Hennemann. Meistens sei er erst um 22 Uhr wieder nach Hause gekommen. Für seine Frau und seine beiden fünf- und zwölfjährigen Söhne habe er in den vergangenen acht Monaten daher nur wenig Zeit gehabt. Hinzu sei der Verzicht gekommen. „Ich hatte natürlich auch einen strikten Ernährungsplan, an den ich mich halten musste. Bier und meine geliebten Weingummis waren – bis auf ganz wenige Ausnahmen – tabu“, berichtet Hennemann.

Es überrascht daher nicht, dass in den vergangenen Wochen die Aufregung und Anspannung beim 37-Jährigen stieg: „Ich wollte es jetzt natürlich schaffen, aber man denkt doch immer wieder: Reicht es?“ Erst im März ging es für Hennemann im Wakepark Xanten wieder aufs Wasser. In der Generalprobe stand der Kalkarer dann 9,5 Stunden auf dem Wakeboard. „Meine Vorbereitung war zuletzt wie die eines Marathonläufers, der zwar auch seine Distanzen zurücklegt, aber nie bis zum Äußersten geht. Das hebt er sich auch für den großen Tag auf“, erklärt Hennemann. Eine Woche vor dem großen Tag habe er deshalb gar keinen Sport mehr gemacht, sondern voll auf Regeneration gesetzt.

Am Freitagabend sei die Aufregung dann aber ins Unermessliche gestiegen. „Irgendwie habe ich es aber doch noch geschafft, sieben Stunden zu schlafen. Als ich um 6 Uhr aufstand, fühlte ich mich gut erholt“, berichtet Hennemann. Um 8.03 Uhr startete er dann offiziell seine Weltrekord-Jagd. Das erste Drittel sei auch noch okay gewesen. „Im zweiten Drittel kommen dann aber die körperlichen Beschwerden. Meine Tapes an den Händen hatten sich leider schnell abgelöst. Aber da ging es auch vor allem darum, den Schmerz, solange es geht, nach hinten hinauszuzögern“, erklärt Hennemann. Seine Hände hätten irgendwann aber doch Risse und Blasen bekommen. Eine davon sei sogar aufgeplatzt. „Der ganze Körper hat irgendwann angefangen, nur noch weh zu tun. Deshalb ist das letzte Drittel wirklich nur noch eine Willensfrage. Man muss mental schon echt stark sein“, sagt Hennemann. Und auch da habe ihm sein Team, seine Familie und seine Freunde, die ihn am Streckenrand lautstark anfeuerten („Das habe ich sogar trotz lauter Musik auf meinen Kopfhörern gehört“), sehr geholfen. Nach 10:36:47 Stunden fiel der Weltrekord. „Danach ging es dann noch darum, wie lange ich noch weitermachen möchte“, so Hennemann, der erst nach 11:03:46 Stunden die Stange der Wasserski-Anlage losließ. Zu seinen ersten Gratulanten gehörten anschließend seine Frau und seine beiden Söhne („Die sind unheimlich stolz auf mich“) sowie seine Freunde und weiteren Unterstützer.

Am Tag nach dem Weltrekord überraschte eine Freundin Mart Hennemann schließlich mit einem selbstgemachten Video. „Da sind bei mir alle Dämme gebrochen und ich musste weinen“, berichtet der 37-Jährige. So richtig sei das Geschehene aber noch nicht bei ihm angekommen. „Das wird wohl auch noch dauern“, meint Hennemann. Auch der Weltrekord ist noch nicht offiziell. Diesen wird Hennemann nun aber offiziell bei der Organisation „Guinness World Records“ einreichen. Mit dieser habe er bereits in den vergangenen Monaten in Kontakt gestanden und sich über die notwendigen Regularien informiert. Auf mehreren hundert Seiten sei in englischer Sprache genau festgelegt, welche Bedingungen für den Weltrekord erfüllt und wie diese dokumentiert werden müssen. Deshalb wurde Hennemanns komplette elfstündige Fahrt per Video aufgezeichnet. Am Ufer waren zudem unabhängige Zeugen anwesend, die den Rekordversuch bestätigten, und zusätzlich liefen mehrere Stoppuhren zur genauen Zeitmessung mit.

In dieser Woche will sich Mart Hennemann, der insgesamt 422 Kilometer zurücklegte und mit seiner verrückten Idee auch viele Zuschauer an die Xantener Südsee lockte, nun aber erst mal ausreichend Zeit für die Regeneration lassen. „Das habe ich am Sonntag auch gemerkt, als ich wieder auf dem Wasser war. Es hat nur für drei Runden gereicht, weil ich doch noch Schmerzen am ganzen Körper gespürt habe“, sagt Hennemann, der aber schon schnell wieder richtig aufs Wasser zurückkehren möchte. Einen neuen Weltrekord-Versuch wolle er aber nie wieder wagen.

Sabrina Peters
Familie und Freunde unterstützten Hennemann an Land. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits acht Stunden absolviert. NN-Foto: Theo Leie

Familie und Freunde unterstützten Hennemann an Land. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits acht Stunden absolviert. NN-Foto: Theo Leie Foto: Theo Leie NiederheinNachrichten

Mart Hennemann auf dem Wakeboard auf der Xantener Südsee, wo er am Samstag einen neuen Weltrekord aufstellte. NN-Foto: Theo Leie