„In die Zukunft denken, für die Zukunft handeln“, wünscht sich Maria Beate Reifenberg für Haus Aspel. Foto: privat
31. August 2023 · Rees

„Aspel hat schon viel erlebt“

Im NN-Interview spricht „Chefin“ Maria Beate Reifenberg auch über die Zukunft von Haus Aspel

REES. Auf der Visitenkarte von Maria Beate Reifenberg ist als Adresse „Rainweg 38, 52224 Stolberg-Venwegen“ angegeben. Die E-Mail Adresse lautet: orden@hausaspel.de. Was ist Heimat? Beate Maria Reifenberg ist „zu Besuch“ in Haus Aspel. Sie ist – wie soll man sagen – noch immer die Chefin in und von Haus Aspel. Ein Gespräch.

Frau Reifenberg, erinnern Sie sich noch an den letzten Tag in Haus Aspel?

Maria B. Reifenberg: Das war schon eigenartig. Wir haben morgens noch eine Heilige Messe gefeiert und sind dann nicht sofort nach Stolberg gefahren, sondern erst einmal zum Essen in den Doppeladler in Haldern. Als wir dann ins Auto stiegen, kamen vielen die Tränen. Mir auch.

Sie sind zwischendurch immer mal wieder in Aspel?

Reifenberg: Das ist richtig. Es gibt noch immer Sachen auszuräumen. Ich muss nach dem Rechten sehen. Unsere Handwerker sind ja weiterhin beschäftigt. Denken Sie beispielsweise an die Wasserleitungen. Wenn da nichts passiert, haben Sie schnell Legionellen. Da muss also jemand sein, der immer wieder die Kräne aufdreht und das Wasser laufen lässt. Auch die Außenanlagen müssen gepflegt werden.

Wie oft denken Sie an Haus Aspel?

Reifenberg: Jeden Tag.

Wie ist der Stand der Dinge?

Reifenberg: Wir haben stehen in gutem Kontakt zur Stadt Rees und zum Kreis Kleve. Da sprechen wir in erster Linie mit der dortigen Baubehörde.

Sie haben auch schon mit dem Reeser Bürgermeister gesprochen?

Reifenberg: Natürlich. Der war übrigens 1998 für drei Monate Zivi bei uns. Er kennt sich also bestens aus und erinnert auch noch die Namen vieler Schwestern.

Wann hat das Nachdenken über Aspels Zukunft begonnen?

Reifenberg: Ich würde sagen, das ging 2016, 2017 los. Es ging darum, hier ein Hotel einzurichten und damals war unser Plan, weiterhin hier zu bleiben – im gelben Trakt. Es stellte sich dann heraus, dass der zweite Investor umbauen wollte, und wir hätten nicht im rechten Flügel bleiben können. Wir hätten umziehen müssen, und es hätten auch nur diejenigen Schwestern bleiben können, die noch mobil waren. Das hätte eine Gemeinschaft in unserem Sinn unmöglich gemacht. Da entstand dann die Erkenntnis: Wir können hier nicht bleiben.

Und das war wann?

Reifenberg: Das war im April 2021. Im November haben wir den Angestellten mitgeteilt, dass wir im Dezember 2022 weggehen werden. Am Ende hat es ein bisschen länger gedauert.

Sie wollten weg. Aber wohin?

Reifenberg: Wir haben uns damals zunächst in der Gegend umgehört. Bei Pfarreien und beispielsweise auch beim Doppeladler in Haldern. Die hatten vor, etwas mit Appartments zu bauen. Wir haben auch in Kleve Materborn gefragt. Burg Ranzow. Eine wunderschöne Anlage, aber auch da hätten wir nicht zusammen bleiben können. Es gab nur fünf Plätze für betreutes Wohnen.

Wie kam Stolberg ins Spiel?

Reifenberg: Ich bekam die Information: Da ist eine Ordensgemeinschaft mit einem ähnlichen Problem: Zu großes Haus – zu wenig Schwestern.

Zurück nach Aspel. Was sind Ihre Wünsche?

Reifenberg: Aspel ist ein großer Komplex. Hier könnte vieles geschehen: Wohnen, Pflege, Bildung, Kultur. Die Gartenanlagen können genutzt werden. Wir haben bereits ein solches Modell entwickelt. Es geht um eine Mehrfachnutzung einerseits, aber auch um einen Investor, der in der Lage ist, das zu managen. Wir verhandeln nur mit einem Investor. Wir werden in jedem Fall genau hinschauen und natürlich auch unsere Wirtschaftsprüfer dazu holen. Wenn es um Finanzen geht, dann sind unsere Fachleute am Zug.

Hat eigentlich die Stadt ein Mitspracherecht, oder liegt das alles einzig in Ihrer Verantwortung?

Reifenberg: Im Grunde ist es unsere Verantwortung. Die Stadt ist insofern involviert, als ja zunächst einmal der Flächennutzungsplan geändert werden muss. Momentan wären ja nur ein Altenheim beziehungsweise kirchliche Zwecke umsetzbar. Die wichtigen Dinge in Sachen Nutzung haben wir in die Wege geleitet, und unser erster Ansprechpartner war der Kreis.

War der Rückzug des Bistums aus dem Projekt „Bildungseinrichtung“ ein Sargnagel für Aspel?

Reifenberg: Ja. Auf jeden Fall. Die haben damals ein anderes Objekt gekauft und dann musste das hier geschlossen werden.

Schmerzt das noch heute?

Reifenberg: Ja. Ein bisschen schon.

Wie würden Sie Ihre Gefühlslage bezüglich Aspel beschreiben? Verhalten optimistisch?

Reifenberg: Es geht darum, in einer verhältnismäßig überschaubaren Zeit eine Lösung zu finden. Sehen Sie: Ich bin jetzt 81, und ich möchte noch erleben, dass Haus Aspel den Schritt in die Zukunft tun kann. Wir suchen einen Investor mit Respekt vor dieser Anlage – einen, der in der Lage ist, unsere Visionen zu teilen. Es geht um Vertrauen. Vertrauen braucht Zeit.

Zeit ist also ein Faktor?

Reifenberg: Sehen Sie es so: Wir sind jetzt schon lange mit diesem Projekt befasst, und ich sage immer: Das muss doch einen Sinn haben. Anders gesagt: Durch alle Gespräche, die wir bereits geführt haben, ist die Erkenntnis entstanden: Es war noch nicht der richtige Investor da. Hotel und was alles sonst noch sein sollte – das war es nicht für Aspel. Wenn Sie zurückschauen, stellen Sie fest, Aspel hat ja schon viel erlebt: Hier war Schule, es hat Bildung stattgefunden, es war geistliches Zentrum, es gab die Haushaltsschüler. Es ist nicht einfach, aus der Vergangenheit, in der so viel entstanden ist, in die Zukunft zu wechseln. Wir müssen in die Zukunft denken und für die Zukunft handeln. Heiner Frost
Beate M. Reifenberg ist noch immer die Chefin von Haus Aspel.Foto: HF

Beate M. Reifenberg ist noch immer die Chefin von Haus Aspel. Foto: HF

„In die Zukunft denken, für die Zukunft handeln“, wünscht sich Maria Beate Reifenberg für Haus Aspel. Foto: privat