Arche-Tafel in Goch feiert 20-jähriges Bestehen
Gefeiert wird am 5. September mit einem Tag der offenen Tür
GOCH. Der Arche e.V in Goch feiert in diesem Jahr 20-jähriges Bestehen. Das möchte der Verein im Rahmen eines Tag der offenen Türes feiern und lädt interessierte Bürger in seine Räumlichkeiten an der Arnold-Janssen-Straße 8 ein. Am Samstag, 5. September zwischen 11 und 17 Uhr werden dort Einblicke in den Arbeitsalltag der Ehrenamtlichen gegeben. Mit diversen Beratungsangeboten in persönlicher oder finanzieller Not bis hin zur Lebensmittelausgabe im Rahmen der Tafel, werden dort einkommensschwache Familien unterstützt. Erfolgreich ist ein Tag in der Arche wenn „am Ende alle mit einem Lächeln nach Hause gehen“, beschreibt Vorstandsmitglied Elke Gommers.
Hilfe in Notlagen
Stark macht die Gocher Arche vor allem die Teamarbeit. Rund 70 Mitarbeitende sind wöchentlich für etwa 535 Familien im Einsatz. Tendenz steigend. Dabei erhält der Verein keine finanzielle Unterstützung der Stadt. Die Arbeit basiert auf Spenden. Angefangen hat alles mit einem Zusammenschluss der Evangelischen und Katholischen Kirchen in Goch, der Diakonie Kreis Kleve sowie der Caritas Kreis Kleve. „Das Ziel war es, Hilfsprojekte für Menschen in Not zu gründen. Es sollte eine zentrale Anlaufstelle geben, die Beratung bei sozialen und wirtschaftlichen Problemen anbietet“, erklärt Vorstandsvorsitzender Reiner Weidemann. Relevanz bekam das Vorhaben zusätzlich durch die bundesweiten Arbeitsmarktreformen. Das Bundeswirtschaftsministerium spricht von einem Rekordhoch der Arbeitslosigkeit in den frühen 2000er-Jahren. Bis 2003 lag diese bei etwa fünf Millionen Erwerbslosen. Die „Arbeitslosenhilfe“ wurde zum 1. Januar 2005 abgeschafft. Dafür wurde das Arbeitslosengeld II eingeführt (später als Hartz IV bekannt).
Lokale Unternehmen beteiligt
Die Arche fungiert seit jeher als Vermittler und kann Betroffene an die für sie wichtigen Behörden verweisen. Dazu wird ihnen zum Beispiel beim Ausfüllen wichtiger Formulare und Anträge geholfen oder Verständnisfragen geklärt. 2008 folgte dann ein weiterer Meilenstein in der Vereinsgeschichte. Die Gocher Arche wurde Träger der Tafel und brachte sich so in das bundesweite Netzwerk ein. Ab sofort konnten Bedürftige auch Lebensmittel erhalten. Logistisch eine echte Herausforderung, in den vergangenen Jahrzehnten hat sich aber eine feste Routine entwickelt. Die Arche arbeitet dafür mit lokalen Unternehmen zusammen. Märkte wie Lidl und Edeka, Produktionsstätten oder Bäckereien spenden übrig gebliebene Ware die sonst in der Vernichtung gelandet wäre – Trotz Genießbarkeit. Große Türen eröffnete in dieser Hinsicht das Gründungsmitglied Leo Hoiboom, der Verbindung zum Großhandelsunternehmen Chefs Culinar (früher „Jomo“) herstellte. Leo Hoiboom ist mittlerweile verstorben, sein Engagement für die Arche lebt durch die Zusammenarbeit aber bis heute weiter.
16 Fahrer kümmern sich montags bis samstags darum, die Ware bei den etwa 20 Partnern abzuholen. Lebensmittelausgabe ist dann jeden Dienstag und Freitag. In der Arche angekommen werden die Lebensmittel noch einmal auf ihre Qualität überprüft. Die Kühlkette wird mittels eines großen Kühlhauses im Hinterhof der Räumlichkeiten eingehalten. Angeboten werden frisches Obst und Gemüse, Fleisch, Konserven und haltbare Lebensmittel wie Nudeln oder Reis. Familien zahlen bei der Abholung eine Gebühr von zwei Euro und erhalten dafür einen Einkauf. Die Lebensmittel können sie sich vor Ort selbst aussuchen. Bedürfnisorientierung: das schafft Freiraum und ermöglicht auch in schwerer finanzieller Not ein Gefühl von Würde. Aus Erfahrung wissen die Vorstandsmitglieder: „Scham spielt sicher eine Rolle. Gerade für Ältere ist die Hemmschwelle größer, zu uns zu kommen“, beschreibt Hans-Peter Kempkes.
Ein Ort der Integration fördert
Die Arche-Tafel ist ein Ort der Begegnung. Das schätzen auch die Ehrenamtlichen sehr. Elke Gommers: „Oft kommen die Kunden schon etwas früher zur Lebensmittelausgabe. Sie treffen sich draußen und quatschen. Es sind hier richtige Freundschaften unter den Menschen entstanden. Das ist sehr schön zu sehen.“ Auch Weidemann ist überzeugt: „Begegnung unterschiedlichster Menschen fördert Integration. Sie fühlen sich hier wohl.“ Man arbeite aktiv daran, Vorurteile abzubauen und die Akzeptanz in der Gesellschaft zu fördern. 20 verschiedene Nationalitäten decken die mehr als 500 Kunden ab. In den letzten Jahren habe sich die Zahl durch verschiedene Flüchtlingsbewegungen und steigende Altersarmut erhöht.
Einladung zum Tag der offenen Tür
Am 5. September haben Interessierte die Möglichkeit, sich selbst auch ein Bild der Arche-Tafel zu machen. Von 11 bis 17 Uhr bietet das Team vor Ort viele Möglichkeiten um über die Arbeit der Ehrenamtlichen ins Gespräch zu kommen. Kühle Getränke und Snacks sowie Live-Musik von der Band „Jazz im Glück“ soll es geben. Darüber hinaus sorgen ein Glücksrad und Kinderschminken für Spaß.
Das Team der Arche ist dankbar für 20 Jahre Hilfsarbeit und die vielen Spender, die das Ehrenamt weiter möglich machen.
Der Vorstand der Arche in Goch lädt zur Jubiläumsfeier am 5. September ein. (V.l) Hans-Peter Kempkes, Elke Gommers, Reiner Weidemann, Heinz Coenen. NN-Foto: J. Kurschatke