Die Studenten untersuchen hier die Überreste von Wohnhäusern aus dem 2. und 3. Jahrhundert nach Christus. NN-Fotos (2): SP
7. August 2024 · Xanten

Angehende Archäologen lernen fundiertes Ausgraben

Die Sommerakademie im APX vermittelt zum 36. Mal Theorie und Praxis

XANTEN. Als Kind hat Pia Pfaff aus Sonsbeck am Zaun gestanden, als die Studenten der Internationalen Archäologischen Sommerakademie Xanten ihre ersten Grabungen auf dem Gelände des Archäologischen Parks Xanten (APX) durchführten. „Es war schon damals mein Traum, Archäologin zu werden“, sagte die Studentin, die mittlerweile in Leipzig wohnt und an der dortigen Universität kurz vor ihrem Bachelor-Abschluss in Archäologie und Geschichte des Alten Europa mit dem Schwerpunkt Ur- und Frühgeschichte steht. Den Platz in der inzwischen 36. Internationalen Archäologischen Sommerakademie in Xanten wollte sie deshalb unbedingt haben. „Es war mein Traum“, sagte Pfaff. Dieser ging in diesem Jahr für sie und 29 weitere Studenten aus ganz Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz in Erfüllung.

„Wir sind natürlich alle kleine Nerds in Sachen Archäologie“, sagte Pfaff am Rande der Ausgrabungen mit einem Schmunzeln. Das sei aber auch das Schöne an der Sommerakademie. „Hier trifft man Studenten aus Deutschland und Europa, die alle dieselbe Leidenschaft teilen. Hier freuen sich alle, wenn man stundenlang im Boden gegraben und endlich ein kleines Stück Keramik gefunden hat und dieses voller Stolz hochhält“, erklärte Pfaff. Es sei schließlich nicht einfach nur ein Stück Keramik – oder wahlweise auch eine Glasscherbe oder eine Münze: „Dieses Stück hat jemand, der genauso Hoffnungen, Träume, Wünsche oder Sorgen wie ich hatte, vor vielleicht 2000 Jahren in den Händen gehalten. Die Römer wussten zudem aus dem mehrere Jahrtausend altem Wissen damals schon, welche Materialien robust sind und gut halten. Diese Schätze auszugraben, zu erhalten und von ihnen weiter zu lernen, das fasziniert mich an der Archäologie.“

Bei der Sommerakademie im APX lernen die Studenten von der Pike auf, wie sie Ausgrabungen richtig durchführen. „Deshalb suchen wir uns für diese jeweils vierwöchige Sommerakademie auch blutjunge Anfänger aus“, sagt Grabungsleiter und Archäologe Christian Schöne. Von körperlich anstrengenden Erdarbeiten, filigraner Freilegung, dem Anfertigen wissenschaftlicher Zeichnungen bis zum Beschreiben im Grabungstagebuch – alle wichtigen Grabungstechniken sind Gegenstand dieser Lehrgrabung. „Darin liegt auch die Besonderheit“, betonte Schöne. Denn die Sommerakademie im APX sei in ihrem Angebot einzigartig – und deshalb auch umso begehrter. Auf die 30 Plätze, die auf zwei Mal vier Wochen aufgeteilt sind, gab es über 100 Bewerbungen von Studenten aus ganz Europa.

Während die angehenden Archäologen die Überreste der Wohnhäuser aus dem 2. und 3. Jahrhundert nach Christus freilegen, lernen sie nicht nur das Schaufeln und Schwitzen hautnah kennen, sondern insbesondere auch die professionelle Dokumentation ihrer Flächen. Zusätzlich vermitteln namenhafte Fachleute unter anderem Wissen über Archäobotanik, Archäozoologie, Bodenkunde, Fundbearbeitung und Vermessung. Auch das Zeichnen von archäologischen Funden und der Beschaffenheit des Bodens gehört zum Unterrichtsmaterial.

Die Ausgrabungsfläche gegenüber dem Nachbau der römischen Herberge – in der die jungen Wissenschaftler übrigens während der Sommerakademie auch leben – stand ihnen bereits vorbereitet und abgesteckt zur Verfügung. „Diese Fläche wird auch nur für die Lehrgrabungen der Sommerakademie genutzt“, sagte Schöne. Dabei gehe es eben nicht darum, schnell an neue Erkenntnisse zu kommen: „Der Fokus liegt wirklich auf der Lehre. Wir sind sicherlich die langsamste Ausgrabungsstätte, da es bei uns nicht auf die Schnelligkeit oder die Ergebnisse ankommt. Wir legen vielmehr Wert auf eine saubere Grundausbildung. Da wird manches auch schonmal doppelt gemacht.“

Die Grabungsfläche der Studenten der Sommerakademie birgt übrigens Überreste römischer Wohnhäuser in sich. „Deshalb wird an dieser Stelle natürlich viel Keramik, Blechstücke, Metall oder Fibeln (eine metallene, dem Prinzip der Sicherheitsnadel entsprechende Gewandnadel; Anm. d. Red.) gefunden“, sagte Schöne. Gregor Scheuerecker aus Leipzig fand zudem bei seiner Ausgrabung eine Münze (ein Denar) aus der Römerzeit. „Die war allerdings nicht sehr gut erhalten, sagt Scheuerecker. Deshalb lieferte sie erstmal keine weiteren Erkenntnisse – ganz anders als eine Münze, auf der der Name des damaligen römischen Kaisers Nero eingraviert war. Noch spannender sei aber der Fund eines Fingerrings gewesen. Die Studenten vermuten, dass mit ihm ein kleines Schloss geöffnet werden konnte.

Finanziert wird die Internationale Archäologische Sommerakadamie Xanten mit ihrer einmaligen Mischung aus Theorie und Praxis von der Regionalen Kulturförderung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR).

Sabrina Peters
Studentin Pia Pfaff zeichnet ein abfotografiertes Boden-Profil farblich passend zum Befund und der Konsistenz des Bodens nach.

Studentin Pia Pfaff zeichnet ein abfotografiertes Boden-Profil farblich passend zum Befund und der Konsistenz des Bodens nach.

Die Studenten untersuchen hier die Überreste von Wohnhäusern aus dem 2. und 3. Jahrhundert nach Christus. NN-Fotos (2): SP