Bei der Verleihung des Duden-Journalistenpreises (v.l.): Dagmar van der Linden (WeselMarketing), Sigrid Baum (Jury-Vorsitzende), Andreas Holzapfel, Leonie Feuerbach, Björn Stephan, René Steinbach (Moderator), Birgit Nuyken, Viktoria Kühnen und Marianna Seyfried (WeselMarketing). Foto: privat
29. Januar 2026 · Wesel

Andreas Holzapfel gewinnt den Duden-Journalistenpreis 2026

Zum achten Mal wurde der Konrad-Duden-Journalistenpreis in Wesel übergeben

WESEL. Andreas Holzapfel gewinnt den Konrad-Duden-Journalistenpreis 2026. Sein Artikel „Wie alt wollen wir werden?“, der im Januar 2024 in der GEO erschien, überzeugte die hochkarätig besetzte, dreizehnköpfige Jury restlos. Platz zwei belegt das Journalistenduo Mareike Nieberding und Björn Stephan mit seinem Artikel „Sein Vermächtnis“ (SZ-Magazin, Juni 2024). Auf Platz drei liegt Leonie Feuerbach mit dem Artikel „Herr Has effiliert seine Bücher“ (FAZ-Magazin, Oktober 2024). In feierlichem Rahmen wurden die Preisträger am vergangenen Samstag in der Aula der Musik- und Kunstschule geehrt.

Bereits zum achten Mal vergaben die Stadt Wesel, der Presseclub Niederrhein und der Dudenverlag den Konrad-Duden-Journalistenpreis. Mit 51 Einsendungen haben sich so viele Nachwuchsjournalisten wie noch nie um die Auszeichnung beworben. „Wir freuen uns sehr über diese große Resonanz“, sagte Sigrid Baum, Vorsitzende des Presseklubs Niederrhein und der Jury.

Die eingereichten Beiträge kamen aus ganz Deutschland und wurden in renommierten Medien veröffentlicht. „Wir hatten viele großartige Einsendungen dabei, die Gewinnerbeiträge trennte jeweils nur ein Punkt“, betonte Sigrid Baum.

Der GEO-Artikel „Wie alt wollen wir werden?“ von Andreas Holzapfel beleuchtet die Frage nach einem langen Leben im Spannungsfeld zwischen medizinischem Fortschritt und persönlicher Lebensqualität. Auf Basis aktueller Erkenntnisse aus Medizin und Altersforschung zeigt der Beitrag, dass nicht zwingend eine maximale Lebensspanne als erstrebenswert gilt, sondern es vielmehr um die Frage geht, wann ein Leben als erfüllt gelten kann. Im Mittelpunkt des Beitrags steht das Porträt von Gerhart Wagner aus der Schweiz, der mit über 100 Jahren körperlich und geistig aktiv ist, zugleich aber offen über seine Müdigkeit und seine wachsende Nähe zum Tod spricht.

Wagner wandert noch in den Bergen, pflegt intensive familiäre Beziehungen und nimmt aufmerksam Anteil an Natur, Kultur und Geschichte. Sein langes Leben, das ein ganzes Jahrhundert europäischer Zeitgeschichte umfasst, wird dabei nicht als heroisches Ideal erzählt, sondern als nachdenkliches Beispiel für ein Altern zwischen Vitalität, Vergänglichkeit und Akzeptanz.

Im SZ-Magazin-Artikel „Sein Vermächtnis“ porträtieren Mareike Nieberding und Björn Stephan Naftali Fürst. Er ist Überlebender der Konzentrationslager Buchenwald und Auschwitz und gibt nun im hohen Alter seine Erinnerungen an die jüngeren Generationen weiter. Begleitet von seiner zehnjährigen Urenkelin und weiteren Familienmitgliedern reist er nach Thüringen, um an die Gräuel des Holocaust zu erinnern und zugleich ein Zeichen gegen den aktuellen Rechtsruck in Deutschland zu setzen. Der Text verknüpft Fürsts persönliche Geschichte, die von Tod, Krieg und Überleben geprägt ist, mit der akuten Bedrohungslage seiner Familie in Israel während des jüngsten Konflikts.

Leonie Feuerbach hat für ihren Text „Herr Has effiliert seine Bücher“ im FAZ-Magazin Uwe-Jens Has porträtiert, einen fast 80-jährigen ehemaligen Taxifahrer und Autodidakten mit Berliner Schnauze. Er schreibt der FAZ seit Jahrzehnten Leserbriefe und reagiert auf Artikel, die ihn berühren, zu denen ihm Anekdoten einfallen oder durch die er sich persönlich angesprochen fühlt. Seine Beiträge verbinden lebendige Alltagserlebnisse mit literarischen Referenzen und zeichnen sich durch Humor, Anekdotenreichtum und eine unmittelbare, gesprochene Schreibweise aus. Aber nicht nur seine Leserbriefe sind besonders, auch Uwe-Jens Has selbst ist ein außergewöhnlicher Mensch mit einem speziellen Stil, wie in der Begegnung mit der Journalistin deutlich wird.

„Die journalistische Neugier und sprachliche Sorgfalt der Preisträger haben dazu beigetragen, Neues zu schaffen und den Lesenden Orientierung zu geben – dort, wo viele nicht hinschauen und die Wahrheit verborgen liegt“, würdigte die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Wesel, Birgit Nuyken, in ihrem Grußwort bei der Preisverleihung und ergänzte: „Genau das ist es, was den Konrad-Duden-Journalistenpreis auszeichnet.“

Moderiert wurde die von WeselMarketing organisierte Veranstaltung vom Kabarettisten und Autoren René Steinberg, der in seinen eigenen Beiträgen auch selbst immer wieder die deutsche Sprache thematisiert und zur Diskussion stellt.

Einige Schülerinnen der Musik- und Kunstschule Wesel begleiteten den Abend musikalisch an der Violine, dem Klavier und dem Saxophon unter der Leitung des Klavierlehrers Dongyang Xing.

Bei der Verleihung des Duden-Journalistenpreises (v.l.): Dagmar van der Linden (WeselMarketing), Sigrid Baum (Jury-Vorsitzende), Andreas Holzapfel, Leonie Feuerbach, Björn Stephan, René Steinbach (Moderator), Birgit Nuyken, Viktoria Kühnen und Marianna Seyfried (WeselMarketing). Foto: privat