"Jüdische Gemeinde in Emmerich: Brita Buckermann, Peter Hinze, Irene Möllenbeck im jüdischen Kulturraum PAN"
9. Mai 2026 · Emmerich

Andenken an jüdische Geschichte in Emmerich

Verein Pro Kultur lädt an Kulturtagen zu Führungen und Lesung ein

EMMERICH. Das PAN-Kunstforum ist nicht nur ein Ort um Plakatgestaltungen aus aller Welt zu erleben. Die Räumlichkeiten beherbergen seit Juni 2019 ebenfalls den „Jüdischen Kulturraum“. Initiiert vom Verein Bürgeraktion Pro Kultur, wird hier auf knapp 40 Quadratmetern jüdische Geschichte in Emmerich greifbar. Anlässlich der Kreis Klever Kulturtage am Wochenende, 16. und 17. Mai soll die Ausstellung mit ihrer Darstellung dreier Schicksale der Öffentlichkeit nähergebracht werden.

„Die Besucher können sich selbst in die Geschichte vertiefen und Fragen stellen. Zu den dargestellten Familien oder zu jüdischer Kultur. An beiden Tagen wird es um 15 Uhr eine öffentliche Führung durch die Ausstellung geben. Bei freiem Eintritt“, erklärt Pro Kultur Mitglied Peter Hinze. Gemeinsam mit Brita Buckermann, ebenfalls Vereinsmitglied, hat er sich besonders tief mit der jüdischen Geschichte in Emmerich beschäftigt. Die beiden bieten die Führungen am Samstag und Sonntag, 16. und 17. Mai sowohl auf Deutsch, Niederländisch als auch auf englischer Sprache an.

Fokus auf Menschlichkeit

Dabei führt der Weg nicht am Holocaust vorbei, es wurde aber ein anderer Fokus gesetzt: „Wichtig ist, dass die Geschichte nicht vergessen wird. Der Holocaust gehört zu dieser Geschichte dazu. Man muss aber nicht alles darauf beziehen. Es geht um das alltägliche jüdische Leben in Emmerich, um die Menschen“, erläutert Bruckermann dazu. Hinze ergänzt: „Je mehr man sich damit beschäftigt, umso interessanter wird es. Die jüdische Gemeinde war unter uns, integriert und gehörte zur Gesellschaft dazu. Sie waren einfach Nachbarn wie du und ich.“

Mehr als 800 Jahre lang „blühte die jüdische Gemeinde in Emmerich“, wie Vereinsvorsitzende Irene Möllenbeck betont. Beinahe genau so lang, kann man die Stammbäume einiger jüdischer Familien aus Emmerich zurückverfolgen. Angefangen mit Familie Gompertz deren Geschichte mindestens 700 Jahre zurückreicht. Familien mit dem Namen Nathan gab es mehrere in Emmerich. Die Geschichte des Emmerichers Felix Nathan lässt sich mindestens 400 Jahre verfolgen. Immer noch leben Nachfahren der Familien in den USA. Die Ausstellung wurde auch mit ihrer Mithilfe erstellt. „Während Familie Gompertz sowie Felix Nathan noch vor den Gräueltaten der Nazis fliehen konnten, blieb Georg Nathan mit seiner Familie hier. Er dachte, er sei Emmericher, das er im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft habe und ihm deshalb schon niemand etwas tun wird“, erläutert Möllenbeck. Ein Trugschluss. Im Dezember 1941 wurde Nathan zusammen mit seiner Familie in das Ghetto in Riga deportiert. Dort starb er bereits im Mai 1942.

Rechtsextremistische Beschmierung am PAN

Die Stammbäume und Familiengeschichten wurden von dem mittlerweile verstorbenen Heimatforscher Herbert Schüürman zusammengetragen. Der jüdische Kulturraum verrät aber ebenfalls viel über die Bräuche des Judentums, die Synagoge in Emmerich, den jüdischen Friedhof oder koschere Küche. Alles, um die Religion und die damit verbundene Lebensweise zu veranschaulichen. Irene Möllenbeck ist sich sicher: „Das, was man kennt, was einem vertraut ist, bekämpft man nicht.“ Eine Anekdote, die heutzutage immer relevanter werde, wie sie betont: „Rechtsextremismus rückt näher.“ Erst in den vergangenen Tagen sei die Außenfassade des Kunstforums beschmiert worden. Dabei habe es sich nach Angaben von Möllenbeck um die rechtsextremistische Parole „White Power“ gehandelt, die in Neonazi-Kreisen als Ausdruck von „Überlegenheit der weißen Rasse“ genutzt werde, wie die Bundeszentrale für politische Bildung definiert.

Der Schriftzug wurde umgehend entfernt. Doch die Sorge vor einem weiter zunehmenden Rechtsruck bleibt. Umso bedeutsamer wiegt der Einsatz für kulturelle Vielfalt. Damit verbunden wird es im Rahmen des gleichnamigen UNESCO-Welttages am 21. Mai unter dem Motto „Zusammenhalt in Vielfalt“ erstmalig auch in Deutschland bundesweit Aktionen geben. Der Verein Bürgeraktion Pro Kultur lädt einen Tag vorher, am Mittwoch 20. Mai zu einer Lesung in das PAN ein. Im ersten Obergeschoss stellen Schriftsteller Walter Gödden und Schauspieler Carsten Bender das Leben der jüdischen Autorin Jenny Aloni vor. In der etwa 70-minütigen Vorlesung erleben die Zuhörenden, Alonis Werke neu interpretiert und erfahren mehr über ihre Wirkung als Künstlerin sowie ihr Leben nach der Flucht nach Israel. Die Lesung beginnt um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die jüdische Gemeinde in Emmerich lebt im jüdischen Kulturraum im PAN weiter. (V.l) Brita Buckermann, Peter Hinze und Irene Möllenbeck. NN-Foto: J. Kurschatke