"Person und Tier entspannen im Schatten einer Hecke an einem heißen Sommertag, Schutz vor Hitze, Natur"
24. Juni 2026 · Rees

Allround-Talente von Dürre bis Starkregen

Hecken im Kontext des Klimawandels

KREIS KLEVE. Hitzesommer, Starkregenereignisse, Dürre, Überflutungsschäden, Stürme – immer häufiger können wir diese Schlagworte in der Presse lesen und spüren sie auch vermehrt am eigenen Körper. Die klimatischen Bedingungen verändern sich – langsam, aber sicher.

Unsere wärmeverwöhnte Kulturlandschaft im Niederrheinischen Tiefland, welche mit einer Jahres-Mitteltemperatur von 10,9°Grad Celsius knapp ein Grad über dem NRW-Durchschnitt liegt, bekommt die Auswirkungen der klimatischen Veränderungen zunehmend zu spüren. Die Kulturlandschaft muss sich anpassen. Gerade in der Land- und Forstwirtschaft wird nach neuen Kulturen und Baumarten gesucht, die besser unter trockenen Bedingungen gedeihen. Jüngst zogen Süßkartoffel und Ingwer in einige nordrhein-westfälische Anbaugebiete ein. Es muss jedoch nicht immer etwas Neues sein. Auch altbekannte Klassiker wie Gehölz- und Heckenstrukturen trotzen dem Klimawandel.

Der Klimawandel und das CO2

Gehölze nehmen bekanntermaßen Kohlenstoffdioxid aus der Luft auf und binden den Kohlenstoff in ihrem Holz. Hecken speichern in Summe pro Hektar ähnlich viel Kohlenstoff wie der durchschnittliche deutsche Wald. Lineare Gehölzelemente, die zudem mit schnellwachsenden Bäumen bestückt werden, können für eine alternative Energiegewinnung genutzt werden, was im Klimawandelkontext ebenfalls wichtig ist.

Jedoch ist dies nur ein Aspekt, der die Hecken für die Anpassung der Landschaft an den Klimawandel so unerlässlich macht. Denn Hecken sind unter den wechselnden Wetterbedingungen Allround-Talente, die wie ein Puffer wirken.

Schutz vor Wind und Sonne

Vorrangig werden Hecken in der Landschaft für Windschutz zwischen den offenen Schlägen genutzt. Sie bremsen den Wind durch ihr dichtes Blattwerk auch in Bodennähe ab. Je höher die Gehölze sind, desto weiter reicht der Windschatten. Bei einer guten Ausrichtung kann der Wind bis in eine Entfernung des 25-Fachen der Heckenhöhe gebremst werden. Eine vier Meter hohe Hecke würde demnach in einem Abstand von bis zu 100 Meter eine Windabschwächung bewirken. Das hat auch positive Effekte auf die Verdunstung in trockenen Zeiten. Denn je weniger feuchte Luft über den Pflanzen weggeweht wird, desto weniger Wasser verdunstet nach.

Neben Windschatten können Hecken natürlich auch Schatten im eigentlichen Sinne spenden. Sie senken dadurch die Temperaturen in ihrer Umgebung und reduzieren Hitzestress für Kulturpflanzen und Weidetiere. Auch der eine oder andere Spaziergänger erfreut sich an dem kühlenden Schatten.

Regulation des Wasserhaushalts

"Starkregen Abfluss erodiert Boden von Äckern auf Straßen"

Abfließendes Wasser von Starkregenereignissen hat große Kraft und kann enorme Mengen an Bodenmaterial von den Äckern und im Extremfall auch auf Straßen spülen. Foto: NZ Kleve

Im Sommer wechseln sich mitunter Hitze und starke Regenfälle ab. Der Boden wird durch die Trockenheit hart und undurchlässig für plötzlich auftretenden Regen. Das Wasser fließt infolgedessen oberflächlich ab und ist häufig größtenteils für die Landschaft verloren. Das tiefreichende Wurzelwerk und der Unterwuchs von Hecken verbessern die Versickerung von Regen, indem sie den Boden locker halten und Wasser aufnehmen. Das so versickernde Wasser füllt unsere wichtigen Grundwasserspeicher auf und bleibt in der Landschaft verfügbar. Das Laub der Heckenpflanzen reichert die Umgebung mit Humus an, welcher in der Landschaft wie ein Schwamm wirkt, indem er Wasser aufnimmt und speichert.

Nach dem Prinzip „viel hilft viel“, in diesem Fall viele Halme und Wurzeln, bilden Heckenstrukturen einen Widerstand, durch den der Regenabfluss gebremst wird. Dies verhindert, dass großflächig sandiges und lockeres Bodenmaterial auf Straßen und umgebende Infrastruktur gespült wird.

Im Interreg-Projekt „Grenzenlose Landschaft“ wird die Anlage von Hecken und Säumen im Projektgebiet Kalkar, Uedem, Weeze und Goch gefördert. Interessenten können sich melden unter Telefon 02851/ 96330 oder per Mail an info@nz-kleve.de.

Im Schatten einer Hecke lässt es sich auch bei heißen Temperaturen für Tier und Mensch besser aushalten. Foto: NZ Kleve